3.02.2020 09:20
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Deutschland
Bauern klagen gegen Massentötung
In der Region Aachen (D) sollen wegen einer Herpesvirus-Infektion mehrere hundert Rinder getötet werden. Die drei betroffenen Milchbauern wehren sich dagegen und klagen vor Gericht.

Das Bovine Herpesvirus 1 (BHV1) wurde im vergangenen Jahr auf den Betrieben amtlich nachgewiesen, die Ursache der Ansteckung ist aber unklar. Da es sich um eine anzeigepflichtige Tierseuche handelt, die zu Fieber, Entzündungen und Unfruchtbarkeit sowie Fehlgeburten führt, hatte Aachen gemäss BHV1-Verordnung die Tötung angeordnet. 

Ausbreitung verhindern

Bei zwei betroffenen Betrieben zeigen die Tiere aber keine Symptome. Bei einem dritten Betrieb soll der Bestand geschlachtet werden, weil im Blut der Tiere Antikörper gefunden wurden. «Die Krankheit ist aber nie ausgebrochen, unsere Tiere sind gesund», sagte die Tochter des Bauern Mitte Januar 2020.

Mit der Tötung soll eine Ausbreitung der Krankheit verhindert werden. Dagegen wehren sich die Landwirte mit einer Klage vor Gericht. Bis zur gerichtlichen Entscheidung ist die Schlachtung der Tiere ausgesetzt. Insgesamt sollen rund 700 Tiere getötet werden. 

Bürgerbewegung setzt sich für Tiere ein

Wie es mit den Tieren weitergeht, wird am Montag das Aachener Verwaltungsgericht entscheiden. Bei einem Ausbreiten der Krankheit würde Deutschland den Status «BHV1-frei» verlieren.

Gegen die drohenden Schlachtungen hat sich auch eine Bürgerbewegung organisiert. Rund 75'000 Personen haben die Bürgerinitiative «Rinder Retten» unterzeichnet. Deren Sprecherin vermutet, dass es bei der Tötung um Handelsvorteile für Exporteure von Rindern geht.

Bauern über Verband verärgert

Die Freien Bauern schlugen eine fünfjährige Quarantäne unter strengen Auflagen und Kontrollen vor. Der lokale Bauernverband hingegen erachtete die Tötung als unvermeidbar und rechtmässig. Das verärgerte die protestierenden Bauern. Die Bauernverbände seien nah an den Politikern und dem Geld und weit weg von seinen Mitgliedern. 

«Spätestens seit den grossen Traktordemonstrationen im vergangenen Herbst ist klar, dass sich die Landwirte vom Bauernverband nichts mehr sagen lassen», sagte ein Sprecher der Freien Bauern vor wenigen Wochen.

Die Abkürzung BHV1 steht für den Bovine Herpesvirus 1 und kann bei Rindern schwere Erkrankungen der oberen Atemwege und Entzündungen der Genitalien auslösen. Eine Besonderheit bei beiden Verlaufsformen dieser Infektionskrankheit besteht darin, dass ein einmal infiziertes Tier lebenslang Virusträger bleibt. Diese Tiere erscheinen gesund, tragen jedoch das Virus in sich und können es jederzeit unter bestimmten Voraussetzungen (z.B. bei Stresssituationen wie Kalbung, Stallwechsel etc.) wieder ausscheiden und so weiterverbreiten. Das macht die BHV1-Sanierung in Rinderbeständen relativ schwierig, CVUA auf seiner Website. BHV1 verursacht insbesondere als «Handelserkrankung» durch Restriktionen im Hinblick auf die Vermarktung von Rindern wirtschaftliche Verluste. 

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