5.12.2019 10:07
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Holstein
Ausnahmekuh erzielt vor Tod Rekord
Die 21 Jahre alte Holsteinkuh von der Familie Wyss aus Grasswil BE ist in dieser Woche gestorben. Kurz vor ihrem Tod hat sie einen neuen Lebensleistungsrekord erzielt. Haiti hat als erste Kuh der Schweiz die Marke von 200'000 Kilo Milch überschritten. -> Mit Video

Haiti war weit über die bäuerlichen Kreise hinaus bekannt. Ein TV-Team der Nachrichtenagentur sda besuchte die Kuh im April 2018 in ihrem Stall in Grasswil BE. Dieses Video machte Haiti schweizweit bekannt.

Altersschwäche

In den vergangenen Tagen hat sich der Gesundheitszustand der 21.5 JahreHolsteinkuh leider massiv verschlechtert, wie Holstein Switzerland am Donnerstag mitteilt. «Wegen Altersschwäche hat sich die Familie Wyss für den schmerzhaften Schritt entscheiden, Abschied zu nehmen. Der ganzen Familie lag sehr am Herzen, dass Haiti bis zum Schluss keine Schmerzen erleiden musste und in Würde den letzten Weg antreten durfte», heisst es weiter.

Für den Landwirt Markus Wyss, dessen Frau Susanne und die vier Kinder Michelle, Lukas, Laura und Stefanie war «Haiti» aber viel mehr als nur eine Milchlieferantin. «Sie ist für uns ein richtiges Haustier geworden, das wir lieb gewonnen haben», sagte Wyss im April zu sda.

2014 letztmals gekalbt

Die Leistung von Haiti ist beeindruckend. Sie ist die erste Kuh der Schweiz, die mehr als 200'000 Kilo Milch produzierte. «Vermutlich gibt es weltweit nicht viele Kühe mit einer höheren Lebensleistung. Bekannt ist, dass die kanadische Holsteinkuh Gillette E Smurf 247'711kg Milch gab, ehe sie 2015 abgegangen ist», sagte Timothée Neuenschwander von Holstein Switzerland Mitte September 2019 zu «Schweizer Bauer».

Haiti erreichte eine Lebensleistung von 200’080 kg Milch mit 3.79% Fett und 3.17% Eiweiss. Das sind fast 14'000 Kilo nutzbare Inhaltsstoffe. «Obwohl sie 2014 zum letzten Mal kalbte und dabei ihr elftes Kalb auf die Welt brachte, hat sie weiter Milch produziert», würdigt Holstein Switzerland die Leistung. 

Lebte die letzten Jahre in Einzelboxe

Damals war «Haiti» krank geworden und musste hochträchtig zwei Wochen im Tierspital verbringen. Eine genaue Diagnose blieb aus, auf dem Betrieb erholte sie sich aber wieder rasch. Wyss befolgte den Rat der Tierärzte, auf eine weitere Besamung zu verzichten. 

In den vergangenen Jahren lebte Haiti in einer Einzelboxe mit eigenem Auslauf. Von einer einst dominanten Kuh auf der Weide wurde sie ein eher ängstliches Tier. «Herumtollende Kälber sind ihr zuviel geworden, da läuft sie lieber einfach davon oder zurück in den Stall», sagte Wyss im April 2018.

Haiti Vorbild für andere Kühe

Haiti war für Züchter Markus Wyss eine Art Vorbild für andere Kühe. Sie verkörpere all die Merkmale, die er mit gezielten Anpaarungen auch bei seinen anderen Kühen erreichen möchte, sagte er im September 2019 zu «Schweizer Bauer».

«Was Haiti in ihrem Leben geleistet hat, ist einmalig, da ist Glück und Zufall im Spiel. Seit sie sie im Februar 2014, also vor 5 Jahren, letztmals gekalbt hat, hat sie über 47'000 kg Milch am Stück gegeben, stets mit einer guten Milchqualität», sagte er damals. 

Ideale Kuh

Die Rudolph-Tochter hat gute Gene von ihren Eltern erhalten. «Die Mutter von Haiti, Wyss Trimbo Hassa, war eine 120'000-kg-Kuh», sagte Wyss. Die Milchleistung und Langlebigkeit hat sie an ihre Nachkommen vererbt. «Eine Tochter von Haiti erreichte 100'000kg, und eine Grosstochter von ihr, Wyss Blaide Herta, ist jetzt in der achten Laktation bei 130'000kg angelangt. Auch eine Schwester von Haiti gab über 100'000kg», sagte Wyss vor wenigen Wochen zu «Schweizer Bauer». 

Holstein Switzerland hebt die Qualität von Haiti hervor: «Sie war immer vollkommen gesund und fruchtbar, besass gute Gliedmassen sowie ein gutes Euter und war somit die ideale Kuh. Trotz ihres Alters war Haiti die Kuh, die am besten den Erwartungen der heutigen Gesellschaft entsprach, vereinte sie doch bestmöglich Leistung und Langlebigkeit. Sie war eine nachhaltige und wirtschaftliche Kuh mit einer minimalen Umweltbelastung.» 

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