17.03.2017 11:26
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Österreich
Auch Ösi-Rinder vor Ausweisung?
Wegen der diplomatischen Verstimmung zwischen der Türkei und den Niederlanden haben türkische Viehbauern holländische Kühe ausgewiesen. Nun fürchten auch österreichische Züchter, dass die Türken ihre Zuchtrinder abschieben könnten.

Die Türkei ist für österreichischen Züchter ein wichtiger Markt. 43 Prozent der Viehexporte oder knapp 13'000 Rinder gehen in die Türkei, schreibt die Zeitung «Die Presse».

Neue Märkte erschliessen

Im vergangenen Jahr wurden aus Österreich rund 30'000 Tiere ausgeführt, davon 70 Prozent in Nicht-EU-Länder. 2010 wurden erstmals österreichische Tiere in die Türkei ausgeführt. In den vergangenen zwei Jahren stieg das Land dann zum Nummer 1-Exportland auf.

Die Bauern machen sich aufgrund der politischen Situation Sorgen. «Man muss damit rechnen, dass es Beschränkungen geben kann», sagt Martin Stepfellner, Geschäftsführer der Rinderzucht Austria. Deshalb sollen neue Absatzmärkte aufgebaut werden.

Stepfellner nannte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur APA Serbien, Marokko, Iran, Ägypten und Algerien als neue Absatzmärkte. Das Problem bei den afrikanischen Staaten: Die Nachfrage ist zwar gross, doch mangelt es den Landwirten zuweilen an der Kaufkraft.

Der türkische Vize-Ministerpräsident Nurettin Canikli hat Österreich, Deutschland und den Niederlanden "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" vorgeworfen. Er begründete dies mit der angeblichen Unterstützung, die "allen voran Deutschland, Holland und Österreich" Terroristen zukommen liessen, die in der Türkei Unschuldige ermordeten. Canikli nannte in diesem Zusammenhang "finanzielle Unterstützung wie auch Unterstützung durch Waffen und moralische Unterstützung". Ausserdem böten diese Länder Terroristen Schutz, die aus der Türkei geflohen seien.

Erdogan will Verfassungsänderung


Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan reagiert derzeit heftig auf Kritik an seiner Person und an der Volksabstimmung über eine Verfassungsänderung zur Einführung eines Präsidialsystems vom 16. April 2017.

In verschiedenen Länder Europas machten türkische Minister Wahlkampfauftritte, um für die Vorlage zu werben. Die niederländische Regierung hat aber einer türkischen Ministerin einen Auftritt in Rotterdam untersagt. Die Reaktion von Erdogan war heftig.

Türken wollen keine holländischen Kühe mehr

Türkische Viehzüchter haben ebenfalls auf die Vorfälle reagiert. Der Türkische Verband der Viehproduzenten kündigte am Mittwoch an, eine Gruppe niederländischer Kühe aus Protest gegen das Verhalten Hollands des Landes zu verweisen.

«Die erste Gruppe Holsteiner ist verladen worden und wird zurückgeschickt», sagte Bülent Tunc vom Züchterverband. Kühe der Rasse Holstein aus Holland sind in der Türkei verbreitet. «In Zukunft wollen wir keine Tierprodukte mehr aus Holland», sagte Tunc der Nachrichtenagentur Anadolu. Die Türkei werde in Zukunft eigene Kühe züchten. 

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