8.02.2019 09:23
Quelle: schweizerbauer.ch - Julia Spahr
Personen
«Alles passierte mir dank der Kuh»
Dominique Savary, der Präsident von Swissgenetics, ist nicht nur ein erfolgreicher Züchter und Landwirt, er hat auch andere Interessen, wie sich beim Besuch auf seinem Betrieb Grand-Clos in Sâles FR zeigt.

«Alles, was mir in meinem Leben passiert ist, passierte mir dank der Kuh. Ich habe Menschen kennengelernt, konnte interessante Reisen machen, und auch meine Engagements und Präsidentschaften in Organisationen bekam ich dank der Kühe.» Mit diesen Worten eröffnet Dominique Savary das Gespräch. Er ist auf dem Weg zu seinem Hof Grand-Clos in Sâles FR. Während er spricht, tut sich einem ein Panorama der verschneiten Freiburger Alpen auf, und man wird der satten Wiesen des Greyerzerlands gewahr.

Thurgau, Deutschland und USA

Auf dem Betrieb angekommen, steht man auf einem Hof zwischen Wohnhaus und  grossem Freilaufstall. Savary geht rein. Der Boden ist so sauber, dass es keine Stiefel braucht. «Dieser Betrieb ist erst seit der zweiten Generation in unserer Familie», erzählt Savary. Sein Vater hatte ein Interesse für Viehzucht und kaufte den Hof seinem Onkel ab.

Dominique Savary entschied sich ebenfalls fürs Bauern. Er machte eine Lehre und wurde später Meisterlandwirt. «Während meiner Ausbildung war ich im Kanton Thurgau, ich wollte möglichst weit weg von zu Hause, um noch etwas anderes zu sehen», erzählt er. Deshalb ging er auch noch nach Deutschland und in die USA zum Arbeiten. 

Junger Patron

Als 23-Jähriger kam er zurück und stieg sofort ganz in den Betrieb ein. Sein Vater, Jean Savary, hatte keine Zeit mehr, gross mitzuarbeiten. Er war CVP-Nationalrat und von 1988 bis 1992 Präsident des Schweizer Bauernverbands. Deshalb übernahm der Sohn die Verantwortung. «Ich war ein sehr junger Patron und musste mich zuerst behaupten», sagt er.

Vieles hat er offenbar richtig gemacht. 1982 baute er den Betrieb um und richtete einen Freilaufstall ein. «Das war damals eine Seltenheit. Wir hatten sogar Mühe, Investitionskredite zu bekommen», und A-fonds-perdu-Beiträge für Betriebe im Berggebiet (der Hof ist in der Bergzone 1) erhielten sie nicht. Heute ist Savary sehr froh um den  Stall, ebenso wie um den modernen Melkstand mit zwei mal vier Plätzen.  

Meisterzüchter

Die Milch der rund 33 Kühe bringen Savarys zwei Mal pro Tag in die Käserei im Dorf. Daraus entsteht Gruyère AOP und Vacherin fribourgeois AOP.
«Wir sind wahrscheinlich der einzige Betrieb, der drei Produkte mit AOP herstellt», so der Bauer. Nebst den beiden Käsesorten produziert er nämlich auch Poire à Botzi AOP.   

Für Savary ist es wichtig, dass er seine Produkte gewinnbringend absetzen kann und dass der Betrieb funktional aufgebaut ist. Denn wie sein Vater hat er nebst dem Bauern noch andere Verpflichtungen und Interessen. Allen voran die Viehzucht. 2015 ernannte ihn Holstein Switzerland zum Meisterzüchter. «Darauf bin ich besonders stolz», sagt Savary und deutet im Vorbeigehen auf sein Diplom, das im Stall hängt. 

Holstein und Swissgenetics

Seine Fähigkeiten als Züchter haben ihn aber auch beruflich weit gebracht, etwa ins Amt des Präsidenten von Holstein Switzerland, gleichzeitig war er Präsident des Fachausschusses Genetik bei Swissgenetics, dort hörte er vor vier Jahren auf, als er das Präsidium des Besamungsunternehmens übernahm. «Zu Hause haben wir Holstein-Kühe. Natürlich mag ich diese Tiere besonders. Aber ich habe einen offenen Geist und interessiere mich für alle Rassen», sagt er.

Dank dieser Offenheit kam Savary viel herum in der Welt. Regelmässig reist er im Interesse der Viehzucht in die USA und nach Kanada. Deshalb kam er auch auf sein neuestes Interesse, das sich mittlerweile zu einem kleinen Betriebszweig entwickelt hat: die Fotografie. 

Gemeinschaft mit Kuh

Auf den Reisen nach Übersee musste er immer wieder Fotos machen, weil man den Schweizer Züchtern nebst den Katalogbildern auch Bilder der Kühe in ihrer normalen Umgebung zeigen wollte. «So habe ich Feuer gefangen für die Fotografie. Seit fünf Jahren besitze ich eine professionelle Ausrüstung und arbeite hin und wieder auf Auftrag. Aber nur, wenn mich das Thema interessiert», sagt Savary. 

Er sitzt in seinem Wohnzimmer, vor ihm ein Teller, gehäuft mit eigenem Gruyère und Vacherin. Am Laptop zeigt er seine Homepage mit den Fotos. Oft bildet er Kühe und Menschen ab. «An den Ausstellungen und Viehschauen fange ich gern Emotionen ein. Momente der Gemeinschaft zwischen Mensch und Tier», sagt er. «Das gibt einerseits schöne Bilder, und die Fotos vermitteln ein gutes Image gegen aussen.» Es gehe nicht nur um den Wettbewerb, die Züchter wollten auch, dass es ihren Tieren gut gehe, und sie pflegten eine enge Beziehung zu ihnen. Das wolle er auf seinen Bildern zeigen.

-> Hier gehts zu seiner Homepage

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE