7.08.2014 09:06
Quelle: schweizerbauer.ch - Rapahel Bühlmann
Geflügel
«Inlandanteil kann noch gesteigert werden»
Mit 10 Mio. Tieren war der Bestand an Geflügel in der Schweiz nie grösser. Peter Röthlisberger, Präsident der Geflügelproduzenten, sieht unter anderem den Gesundheitstrend als Grund für den steigenden Pouletfleischkonsum.

«Schweizer Bauer»: Sie werden nächstes Jahr das Amt des Präsidenten der Schweizer Geflügelproduzenten (SGP) nach 14 Jahren abgeben. Haben Sie genug? 
Peter Röthlisberger: Nein (lacht). Ganz und gar nicht. Es ist aber so, dass wir von den SGP für das Präsidium eine Amtszeitbeschränkung von zwölf Jahren haben. Ich habe zusätzlich während zweier Jahre die Amtsdauer von meinem Vorgänger übernommen und komme nun deswegen auf 14 Jahre. Der Aufbau der Verbandsstrukturen und die Aufnahme der Zusammenarbeit mit Behörden und anderen Gruppen seit 1999 war eine intensive Zeit. Nun freue ich mich auf die Zukunft, für die ich schon wieder Ideen habe. Auch für die SGP ist es Zeit, dass neue Ideen in den Verband kommen.

Wie hat sich die Situation für den Schweizer Geflügelmarkt in dieser Zeit verändert? 
Punkto Produktion hat sich eigentlich nicht viel verändert. Die Ethoprogramme BTS und Raus haben sich mittlerweile etabliert. Seitens des Verbandes konnte in der Vergangenheit zusätzlich eine gute Zusammenarbeit mit unseren Abnehmern aufgebaut werden.

Welches werden die kommenden Herausforderungen der Branche sein?
Ziel wird es sein, dass man den guten Namen der Schweizer Geflügelproduktion weiter stärken und ausbauen kann. Die Entwicklung, dass man Geflügel importiert, das nach Schweizer Standards produziert wurde, muss man ernst nehmen.

In der Schweiz gibt es immer mehr Geflügel. Während es vor zehn Jahren noch rund 7,5 Mio. waren, gibt es heute hierzulande bereits über 10 Mio. Poulets und Hühner. Wie erklären Sie sich diesen Anstieg?
Grundsätzlich steckt da der Trend einer gesunden Ernährung dahinter. Stichworte wie Fett und Cholesterin tragen dazu bei, dass Pouletfleisch immer beliebter wird. Zudem ist es so, dass die Bevölkerung der Schweiz stetig wächst, sich auch aus Personen zusammensetzt, die aufgrund ihrer Herkunft oder Glaubensrichtung im Vergleich zu anderen Fleischsorten mehr Geflügel essen.

Jeder Schweizer isst im Schnitt über elf Kilo Pouletfleisch pro Jahr. Ein US-Amerikaner verspeist viermal so viel Poulet. Gibt es beim Schweizer Konsum noch Potenzial nach oben?
Im Moment haben wir in der Schweiz einen Inlandanteil von 55 Prozent. Hier besteht sicher die Möglichkeit, diesen noch zu steigern. Bezüglich des Vergleichs des Pro-Kopf-Konsums in den USA: Man kann die Essgewohnheiten der Amerikaner nicht mit denjenigen in der Schweiz vergleichen. Betreffend den Pro-Kopf-Fleisch-Konsum kennen die Amerikaner ganz andere Massstäbe. Aber es ist in der Schweiz sicherlich  noch Potenzial nach oben da.

Würde dadurch weniger Schweine- bzw. Rindfleisch gegessen?
Die letzten Jahre haben gezeigt, dass tendenziell pro Kopf nicht mehr Fleisch gegessen wird, sondern dass es eher zu einer Umlagerung gekommen ist.

Wie beurteilen Sie die Situation des Zweinutzungshuhns?
Die Idee des Zweinutzungshuhns finde ich vom Tiergedanken her eine gute Sache. Man muss aber sehen, dass damit Mehraufwand und -kosten bereits bei der Eierproduktion einhergehen, bei denen der Produzent wieder am Schluss der Kette steht. Zu den Mehrkosten kommt dann noch ein Minderertrag hinzu. So wird ein normales Mastpoulet beispielsweise während rund 35 Tagen gemästet und eine Zweinutzungsrasse während etwa 60 Tagen. Damit halbiert sich die Produktivität. Ein Zweinutzungshuhn kann aber in der extensiven Produktion seine Berechtigung haben. Für die grosse Masse ist es aber zu teuer. Eine bessere Lösung aus meiner Sicht wäre die Geschlechterbestimmung im Ei.

Coop will nach Schweizer Tierschutzstandards im Ausland Pouletfleisch produzieren und dann importieren. Migros bietet seit vergangenem Herbst nach BTS-Vorschriften hergestelltes Trutenfleisch aus Ungarn an. Eine gefährliche Entwicklung für die Schweizer Geflügelproduzenten?
Eigentlich finde ich es sehr gut, dass ausländische Poulets gut gehalten sind. Es kann ja nicht sein, dass wir hier in der Schweiz punkto Geflügelhaltung vorbildlich sind und es beim Import keine Rolle spielt. Die Frage ist jedoch, was man vergleicht. Der Pouletmaststall ist nur ein Aspekt in der ganzen Produktion. Ob diese Betriebe im Ausland auch einen ÖLN erfüllen müssen oder ob sich die Vorschriften rund um die Produktion auf vergleichbarem Niveau befinden, sei dahingestellt. Wenn man also diese Betriebe mit solchen aus der Schweiz vergleichen will, muss man mehr beachten als nur gerade die Haltung des Geflügels.

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