10.01.2014 07:04
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Geflügel
Eine Rasse für Ei und Poulet
In Nordrhein-Westfalen (D) dürfen männliche Eintagsküken nicht mehr getötet werden. Als Alternative im Labelsegment wird wieder das Zweinutzungshuhn diskutiert. Ein solches wird nun auch in der Schweiz lanciert.

Als erstes deutsches Bundesland verbietet Nordrhein-Westfalen (NRW) ab 2015 das Töten von Eintagsküken in der Legehennenaufzucht. Andere Bundesländer wollen nachziehen. Die Behörden halten das Töten männlicher Küken für tierschutzwidrig. 
Pro Jahr fallen in Deutschland etwa 50 Mio. Eintagsküken dieser Praxis zum Opfer. Die Brütereien müssen bis 2015 Alternativen suchen. Als solche nennen die Behörden die Geschlechtserkennung im Ei oder das Zweinutzungshuhn.

In der Schweiz eine Nische

Das deutsche Zuchtunternehmen Lohmann hat mit Lohmann Dual kürzlich ein solches Zweinutzungshuhn auf den Markt gebracht. «Auf deutschen Vermehrungsbetrieben wurden erste Elterntierherden eingestallt», bestätigt die Lohmann-Genetikerin Wiebke Icken. «Demnächst werden Lohmann-Dual-Tiere auch in die Schweiz geliefert.»

Hierzulande werden sie laut Aviforum-Direktor Ruedi Zweifel als Nische eine gewisse Bedeutung erlangen. Dies, weil moderne Zweinutzungshühner wie auch die alten Rassen – etwa das Schweizer Huhn – nicht an die Leistung der Spezialisten herankommen. Selbst eine Dual-Henne legt jährlich 65 Eier weniger als eine reine Legehenne. Sie frisst zudem 30g mehr und hat deshalb pro Ei 50 Prozent höhere Futterkosten. 

Benötigt preistolerante Händler und Kunden

Und beim Poulet dauert die Mast trotz tieferem Schlachtgewicht länger. «Es braucht also einen willigen und preistoleranten Detailhändler und einen ebensolchen Kunden», folgert Zweifel. «Ich kann mir vorstellen, dass Schweizer Labelprogramme damit einsteigen könnten.»

In der Geschlechtserkennung im Brutei sieht Zweifel hingegen erst später eine Alternative zum Töten der Eintagsküken: «Wir schätzen, dass es noch drei bis fünf Jahre braucht, bis diese Methode in der Brüterei umgesetzt werden kann.» Ein Tötungsverbot wie in NRW könne in der Schweiz laut Zweifel deshalb im Moment nicht eingehalten werden. 

Kein Tötungsverbot vorgesehen 

Es steht aber auch nicht zur Debatte, wie Nathalie Rochat vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) betont: «Im Moment gibt es keine Diskussion in der Schweiz.» Dies habe mit  einer unterschiedlichen Gesetzgebung zu tun: «In Deutschland schreibt das Gesetz vor, dass das Töten eines Tieres begründet werden muss. In der Schweiz wird diese Rechtfertigung nicht verlangt. Das Töten muss aber tierschutzkonform erfolgen.» 

Gestützt auf das Gesetz, gebe es deshalb keinen Handlungsbedarf, sagt Rochat. Sie schliesst aber nicht aus, dass das Töten der Eintagsküken nun auf moralischer Ebene diskutiert werden könnte. 

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