27.09.2017 07:33
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
EU
Eier-Skandal: Schneller informieren
Nach dem Fipronil-Eier-Skandal geloben die EU-Länder für künftig engere Zusammenarbeit und schnellere Informationen über gefährliche Nahrungsmittel. Gemäss EU-Kommission könnte künftig jedes Land einen «Beauftragter für Lebensmittelsicherheit» stellen müssen.

Die Ernennung solcher Spezialisten werde geprüft, sagte EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis am Dienstag nach einem Treffen mit Experten aus Deutschland und den übrigen EU-Ländern in Brüssel.

Öffentlichkeit erst späer informiert

Dabei ging es um Konsequenzen aus dem Skandal um das Insektengift Fipronil. Es war im Sommer in mindestens 45 Ländern in Millionen Eiern aufgetaucht, darunter 26 der 28 EU-Staaten sowie die Schweiz, Norwegen und Liechtenstein. Das Mittel soll illegal gegen Schädlinge in Ställen eingesetzt worden sein.

In den Niederlanden hatten Behörden schon voriges Jahr Hinweise darauf. Im Sommer fanden belgische Behörden dann tatsächlich Spuren von Fipronil in Eiern. Die Öffentlichkeit erfuhr aber erst mehr als zwei Wochen später davon, als am 20. Juli über das EU-Schnellwarnsystem RASFF die anderen Mitgliedstaaten informiert wurden. Viele Eier waren da schon gegessen.

Keine Sanktionen


Andriukaitis sagte, künftig solle es schneller eine gemeinsame Einschätzung möglicher Gefahren geben. Das Schnellwarnsystem RASFF soll enger mit dem System für Amtshilfe und Zusammenarbeit AAC verzahnt werden.

Ein Problem in der Fipronil-Affäre war nämlich, dass es unterschiedliche Warnsysteme für Lebensmittelkrisen gibt. So nutzten die belgischen Behörden für eine Anfrage an die Niederlande am 6. Juli das AAC-System. Durch dieses werden die anderen EU-Staaten nicht automatisch informiert wie durch das Schnellwarnsystem RASFF.

Schleppend informiert

Dass die Niederlande und Belgien die übrigen EU-Staaten schleppend über das Fipronil-Risiko informierten, soll indes folgenlos bleiben. «Es geht hier nicht um Sanktionen», sagte Andriukaitis. In der Lebensmittelsicherheit bewegten sich «alle Länder in ihrem rechtlichen Umfeld». Wichtig sei hingegen, aus dem Fall die richtigen Lehren zu ziehen.

Die Konsumentenorganisation Foodwatch fordert viel weitreichendere Massnahmen. «Lebensmittel müssen entlang der gesamten Lieferkette rückverfolgbar sein», erklärte der Verband. Den Konsumenten dürften nicht länger Alibi-Lösungen aufgetischt werden.

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