30.01.2017 08:04
Quelle: schweizerbauer.ch - Lilo Lévy
Bern
Wenn ein Stall zur Hürde wird
Seit einem Jahr versucht Sandra Henzer aus Bigenthal BE anstelle eines verlotterten Schafstalls einen neuen Stall für ihre Dahomey-Rinder zu erstellen. Das Amt für Gemeinden und Raumordnung macht immer neue Auflagen.

Das Gelände oberhalb von Bigenthal ist steil und schneebedeckt. Inmitten dieser weissen Idylle weiden Kühe der etwas anderen Art. Es sind die putzigen Dahomey-Rinder von Sandra Henzer. Putzig, denn sie gehören der kleinsten Rinderrasse der Welt an.  

Vor 90 Jahren nach Europa eingeführt

Vor rund 90 Jahren kamen die ersten Dahomey-Rinder vom damaligen westafrikanischen Dahomey nach Europa, indem sie als Lebendfutter bei Raubtiertransporten auf dem Seeweg eingesetzt wurden. Einige kamen glücklicherweise lebend auf dem Neuen Kontinent an, was gleichzeitig der Start der Dahomey-Zucht in Europa war.  In der Schweiz befindet sich die Aufzucht dieser Kleinrinder – in der Grösse eines Bernhardinerhundes –  mit gerade mal vier mittleren Zuchtbetrieben noch in den Kinderschuhen.

Eine, die sich dieser Aufgabe mit Leib und Seele verschrieben hat, ist Sandra Henzer aus Bigenthal. An einem sonnig-kalten Januartag steht die 48-jährige Frau inmitten ihrer 9-köpfigen Dahomey-Herde, auf dem Arm trägt sie das jüngste Kalb, welches Anfang Januar geboren wurde. Unmittelbar daneben steht der verlotterte Schafstall, der aktuell als Schlafplatz für die Herde dient, den neu aufzubauen die Hobby-Bäuerin seit nunmehr einem Jahr ihre liebe Mühe hat. Davon aber später.

Im Herzen Bäuerin

Die Bauerntochter Sandra Henzer liebt Tiere. Davon zeugen rund um ihren Bauernstock die Enten- und Hühnerschar sowie die beiden exotischen, schwarz-weissen, lebhaften Turopoljer Schweine samt Nachwuchs. Diese stämmige und robuste Rasse, oft als Dalmatiner unter den Schweinen bezeichnet, stammt ursprünglich aus Kroatien.

Zu den genügsamen Zwergrindern kam Henzer, die sich schon immer eine Rinderzucht gewünscht, hat durch einen Kollegen vor rund vier Jahren. Es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen, sagt sie heute. «Wir züchten Dahomeys als hervorragende Alternative zu Schafen – aus Freude, und um unsere Weide in Schuss zu halten», so die vielseitige Landfrau.

Zwischenboden für das Heu

Die moderne Multitaskerin arbeitet in der Pflege und bildet sich berufsbegleitend als Fachangestellte Gesundheit weiter, fährt zwischendurch grosse Lastwagen und ist im Aaretal als Milchkontrolleurin unterwegs. Ein durchaus ausgefülltes Leben, wäre da nicht der Ärger mit dem Schafstall, den sie dringend für ihre Dahomeys braucht.

Angefangen hat alles vor einem Jahr, als Henzer bei der Gemeinde Walkringen ein Baugesuch für eine Neuerstellung ihres baufälligen Schafstalles einreichte. Diesen braucht sie dringend für ihre Zwergrinder. Um den Anforderungen des Veterinäramtes zu entsprechen, wurde dieser flächenmässig etwas grösser geplant. Dafür mit einem Zwischenboden für das Heu, also einer Gebäudeaufstockung, um die täglichen Arbeitsabläufe zu optimieren.

Auflagen ohne Ende

Nach einer ersten Besichtigung durch das Raumplanungsamt Bern und dem Bauverantwortlichen der Gemeinde lautete das Verdikt: Durch die Nutzung des Zwischenbodens werde die Fläche verdoppelt und könne daher für eine nichtlandwirtschaftliche(!) Nutzung auf nur drei Hektaren Land nicht bewilligt werden. Höchstens 30 Prozent dürfe der neue Stall grösser gebaut werden. Das Projekt wurde abgespeckt und die Nutzung des Zwischenbodens abgeschrieben.

Als die Abbruchbewilligung schon fast stand, kam im Herbst die Raumplanungsrevision dazwischen. Eine neue Praxisregelung untersage die Vergrösserung des Volumens bei Abbruch und Wiederaufbau, hiess es seitens des AGR. Einmal mehr mussten die Pläne und Unterlagen ergänzt werden. «Das geht ins Geld und an die Substanz», so Henzer. In der Zwischenzeit leben die putzigen Tiere weiter in einem Tierschutz-unwürdigen Bau, welcher für viel Geld notdürftig repariert und vor Einsturz- und Bodendurchbruchsgefahr gesichert werden musste. Derweil das Warten nach einer erneuten Planeingabe mit Ausnahmegesuch in eine weitere Runde geht. 

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