14.01.2020 14:32
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Fleisch
«Weide Rind»: Aldi sucht Betriebe
Der Discounter Aldi Suisse erweitert mit dem «Aldi Bio Weide Rind» (ABWR) sein Rindfleischsortiment. Männliche Mastrassekälber wachsen hierbei während 150 Tagen auf dem Geburtsbetrieb auf. Für das Weidemastprojekt sucht Aldi weitere Produzenten.

In der Biomilch-Produktion fallen insbesondere männliche, aber auch weibliche Kälber an, die nicht für die Zucht verwendet werden. Meistens werden diese nach rund 4 Wochen über den Handel in die konventionelle Kälber- oder Grossviehmast verkauft, scheibt das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL).

Nicht mehr in koventionellen Kanal

Ziel ist es, dass künftig möglichst keine Kälber in den konventionellen Kanal abwandern und dort mit Antibiotika behandelt werden. Deshalb hat der Discounter vor zwei Jahren zusammen mit dem FiBL ein Forschungsprojekt lanciert.   

Beim «Aldi Bio Weide Rind» (ABWR) wachsen auch männliche Milchrassekälber auf dem Geburtsbetrieb auf. «Solche Kälber werden aus der Milchviehhaltung unter höchsten Anforderungen an Tierwohl und Nachhaltigkeit aufgezogen», schreibt Aldi am Dienstag in einer Mitteilung. 

150 Tage auf Geburtsbetrieb

Aus ethischer und ökologischer Sicht sei es erstrebenswert, diesen Jungtieren aus der Milchproduktion ein artgerechtes Leben auf der Weide zu ermöglichen, heisst es weiter. Während 150 Tagen bleiben die Jungtiere zwingend auf dem Geburtsbetrieb und werden mit mindestens 700 bis 800kg Milch abgetränkt, schreibt das FiBL. Die Kälber werden anschliessend auf einen Bio-Weidemastbetrieb verschoben, ohne dass gesundheitliche Probleme entstehen. Denn in diesem Alter ist das Immunsystem stabil

Dank dem neuen Projekt fallen einerseits Transporte weg und andererseits sinkt der Antibiotikaeinsatz. Dieses Projekt sei im Schweizer Detailhandel einzigartig, hebt Aldi Suisse hervor. «Dank dem Projekt kann das Fleisch der männlichen Milchviehkälber im Bio-Kanal bleiben», sagt Thomas Eberle, Einkaufschef bei Aldi. 

Teilnehmer am Projekt ist Landwirt Daniel Rutz aus Mosnang SG. Er bewirtschaftet mit seiner Familie einen Biobetrieb. Für ihn es wichtig, dass die männlichen Milchrassekälber im Bio-Kanal bleiben. Deshalb ziehe er die Tiere auf seinem Hof auf. Gefüttert werde die Tiere mit hofeigenem Futter. 

Bisher 70 Betriebe

Die ABWR-Produkte sind ab sofort in den Aldi-Läden erhältlich. «Das Projekt liegt mir in meiner Tätigkeit als Bio-Berater für das FiBL sehr am Herzen. Gemeinsam nehmen wir unsere Verantwortung gegenüber den männlichen Milchrassekälbern wahr. Das Projekt schreibt als eniziges der Schweiz vor, die Kälber während 150 Tagen auf dem Geburtsbetrieb abzutränken», sagt Agronom und Porjektleiter Eric Meili. Mit dem Projekt will Meili den Bauern zeigen, dass man auch männliche Tiere von Milchviehrassen extensiv auf der Weide aufziehen.

Beim Bio Weide Rind machen bisher 70 Betriebe mit. Um alle 209 Filialen beliefern zu können, sucht Aldi weitere Produzenten. Denn derzeit ist lediglich das Bio-Weidehackfleisch schweizweit erhältlich. Artikel wie Filet, Ragout oder Entrecôte gibt es nur 50 Läden.

Alle Milchrassen-Kälber

Im Projekt sollen alle Milchrassen-Kälber aufgenommen werden, unabhängig von der Genetik. Die Fütterung der Kälber basiert auf Grundfutter (Gras, Grassilage, Heu) und im Talgebiet kann Silomais bis zur GMF-Grenze eingesetzt werden. Kraftfutter soll wenn möglich nicht eingesetzt werden. Interessierte Betriebe können sich beim FiBL melden. Hier gibt es mehr Informationen dazu

Fakten zu «Aldi Bio Weide Rind»:

  • Kälber dürfen auf dem Geburtsbetrieb aufwachsen, wo sie mindestens 150 Tage bleiben und abgetränkt werden. 
  • Stärkung und Aufbau des eigenen Immunsystems: Der Antibiotika-Einsatz kann so auf ein absolutes Minimum reduziert werden. 
  • Männliche Milchrassekälber dürfen auf Bio-Bauernhöfen leben. 
  • Futter erfolgt ausschliesslich über Gras, Grassilage, Heu und Silomais. Sojafütterung ist verboten. 
  • Einsatz spezieller «Flatskin»-Verpackung bei einigen Produkten, dadurch Plastikreduktion von 70 Prozent. 
  • «Nose-To-Tail»-Ansatz: Das gesamte Tier wird verwertet. 
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