12.03.2018 11:56
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Bigler
Betriebsumstellung
Seit Umstellung gehts «viel ringer»
2013 tauschten Therese und Sepp Zemp ihre 13 Milchkühe gegen 20 Mutterkühe zur Natura-Veal-Produktion ein. Sie haben den Schritt nie bereut und auch Sohn Marcel, der heutige Betriebsleiter, ist glücklich damit.

«Wir mussten etwas ändern», blickt Sepp Zemp aus Doppleschwand LU zurück und zählt gleich mehrere Gründe auf, die schlussendlich dazu geführt haben, dass er und seine Frau Therese 2013 den alten Milchviehstall zu einem Mutterkuhstall umgebaut haben.

Eine Reihe von Gründen

«Zum einen war die Situation auf dem Milchmarkt nicht mehr befriedigend. Dann war unser Dürrfutterlagerraum chronisch zu klein. Wir mussten jeweils nach der Heuernte Heu aus dem Stock pressen um Platz für das Emd zu schaffen.» Silieren konnten Zemps als Käsereimilchbetrieb nicht. Die Produktion von qualitativ einwandfreier Milch für die heikle Sbrinz-Produktion wurde ebenfalls zunehmend schwierig auf dem alten, rissigen Läger der Kühe. «Wir mussten häufig den Stall waschen», erinnert sich der heute 68-Jährige.

Als Zünglein an der Waage gaben schliesslich die breiteren Stallmasse, die  per September 2013 eingeführt werden sollten, den Ausschlag, dass Zemps endgültig zur Tat schritten.

Natura-Veal überzeugte

Zusammen mit Sohn Marcel, der damals im dritten Lehrjahr zum Landwirt war, wurden Ideen diskutiert. «Kurz waren noch Milchschafe ein Thema, aber damit hätten wir auch keine Silage machen können», sagt dieser. An der Messe Suisse Tier nahm dann Vater Sepp einen Prospekt zur Natura-Veal-Produktion – der Mast von Kälbern in Mutterkuhhaltung – mit nach Hause, und bald war für alle Beteiligten klar, dass sie in diese Richtung gehen möchten.

«Nach der Abklärung mit Mutterkuh Schweiz  über einen Einstieg in das Programm besuchten wir andere Natura-Veal-Betriebe, um uns ein Bild zu machen», erzählt Marcel. «Dann begannen wir den Stallumbau zu planen.» Dazu habe ihnen Franz Burri, ein Landwirt aus Dagmersellen LU, der Erfahrung mit solchen Umbauten hat, wertvolle Tipps gegeben. «Es ist wichtig, dass man gute Berater hat, die etwas von der Sache verstehen», so der 24-Jährige.

«Sind sehr zufrieden»

Seit dem Einzug der Tiroler-Grauvieh-Kühe in den umgebauten Stall sind mittlerweile fast fünf Jahre vergangen. 2015 hat Marcel den Betrieb von seinem Vater übernommen. Er geht momentan noch rund drei Tage pro Woche einem Nebenerwerb in einer Sägerei nach, da die Eltern weiterhin auf dem Betrieb mitarbeiten.

Alle drei sind sehr zufrieden mit dem neuen Betriebszweig. «Es geht seither viel ringer, und wir sind zeitlich flexibler mit den Stallarbeiten.»  Die Hochboxen seien pflegeleicht, und auch der mitlaufende Limousin-Stier bringe eine Arbeitserleichterung. Finanziell schaue etwa dasselbe raus wie vorher mit den Milchkühen, einfach mit weniger Arbeitsstunden.

Zukunft noch offen

Auf die Frage, ob es etwas gebe, was sie anders machen würden, schütteln sie den Kopf: «Eigentlich nichts.»  Schliesslich meint Marcel: «Vielleicht hätten wir uns überlegen sollen, einen Neubau zu erstellen. Der Umbau ins bestehende, alte Gebäude kam doch recht teuer, weil wir noch einen Anbau für die Maschinen machen mussten.» Das sei aber praktisch, da man alles nahe beieinander habe, meint Sepp. Dafür ist eine Vergrösserung des Stalls nicht mehr möglich.

Wenn seine Eltern einmal nicht mehr mithelfen können, wird Marcel Zemp entweder den Nebenerwerb aufgeben oder statt Natura-Veal weniger arbeitsintensive Natura-Beef  produzieren. Weiter könnte sich der Landwirt vorstellen, den Bestand von heute 40 Mutterschweinen etwas zu reduzieren und dafür einen Teil der Jager selber auszumästen.  

Betriebsspiegel

ÖLN-Betrieb von Marcel Zemp in Doppleschwand LU
Mitarbeiter: Betriebsleiter Marcel Zemp, Eltern Sepp und Therese
Fläche: 11,5 ha LN, alles Grünland
Tiere: 20 Tiroler Grauvieh für die Produktion von Natura-Veal, 40 Mutterschweine. 

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