26.06.2016 08:27
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Kälberhaltung
«Kälber erhalten eher zu wenig Milch»
«Kälber erhalten eher zu wenig Milch»Munimäster Andreas Widmer ist auf gute Tränker angewiesen. Diese findet er bei Elmar und Hans Schurtenberger in Hohenrain LU. Auf dem Milchviehbetrieb erhalten die Kälber alles für einen guten Start ins Leben.

Andreas Widmer ist Munimäster und Vorstandsmitglied von Swissbeef. 200 Mastplätze hat er auf seinem Betrieb in Eschenbach LU. Trotz der eigenen 30 Kühe muss er   einen Grossteil der Tränker zukaufen – und ist dabei auf gute Qualität angewiesen. Er, der auch  mit Tränkern handelt, weiss, dass eine solche nicht selbstverständlich ist: «Von Milchviehbetrieb zu Milchviehbetrieb gibt es Unterschiede», betont er, «die ersten Lebenswochen des Kalbes sind entscheidend dafür, ob es später seine Leistung bringen kann.»

Erlös nicht unterschätzen

Widmer kauft die Tränker für seinen Mastbetrieb deshalb gerne bei der Generationengemeinschaft Schurtenberger in Hohenrain LU ein. Sohn Elmar und Vater Hans führen einen Milchwirtschaftsbetrieb mit Schweinezucht. 38 Braunviehkühe stehen im Stall. Die Kälber, die nicht aufgezogen werden, übernimmt Andreas Widmer. «Wir verkaufen die Tränker in der Regel mit drei bis vier Wochen», weiss Elmar Schurtenberger, für den Tränker kein Abfallprodukt, sondern in zweierlei Hinsicht wertvoll sind: «Den Erlös für ein schönes  Kalb darf man nicht unterschätzen», zählt er auf, «zudem ist ein Kalb ein Lebewesen, und es  sollte selbstverständlich sein, dass man für es sorgt.»  Elmar Schurtenbergers Ziel ist, dass die Kälber  den Betrieb gesund mit 75kg   verlassen.  Damit hält er sich  an die Leitlinie der Branche, die für Kälber eine Haltedauer auf dem Geburtsbetrieb von mindestens 21 Tagen vorsieht. Und er reizt die Preistabelle mit einem Höchstgewicht von  75kg aus.

75kg sind optimal

Für Munimäster Andreas Widmer ist das optimal: «Schwerere Tränker sind nicht in unserem Sinn», meint er, «schliesslich müssen sie bei uns mit Fressen beginnen, und ein Kalb, das lange grosse Mengen Milch gesoffen hat, hat mehr Mühe mit dieser Umstellung.» Wichtiger sei, dass das Kalb in den ersten Lebenstagen mit genügend Kolostrum versorgt wurde, findet er. So wie auf dem Betrieb Schurtenberger, wo die Kälber in den ersten drei bis vier Stunden nach der Geburt – falls sie bis dann noch nicht am Euter gesoffen haben – erstmals getränkt werden. «In der ersten Woche gebe ich den Kälbern täglich rund 7 Liter Milch, sagt Elmar Schurtenberger, «ab der zweiten Woche steigere ich die Menge auf 10 Liter.»

15 Prozent des Gewichts

Für Corinne Bähler, Tierärztin und Kälberspezialistin, ist das ein gutes Tränkeregime: «Als Richtlinie empfehle ich eine Flüssigkeitsmenge von mindestens 15 Prozent des Körpergewichts, bei einem 50kg schweren Kalb also 7,5 Liter Milch. Wichtig ist, dass das Kalb pro Tag rund 1kg Trockensubstanz aufnimmt. Falls es zu wenig trinkt, kann man der Milch Pulver beimischen.»
Für einen guten Start ins Kälberleben ist aber nicht allein die Milchmenge massgebend – auch wenn Corinne Bähler darauf hinweist, dass viele Kälber aus Angst vor Durchfall eher zu wenig als zu viel Milch erhalten würden. Doch diese sei oft unbegründet: «Wenn ein Kalb vital ist und gut säuft, ist leichter Durchfall  harmlos.»

Neben der Menge entscheidet auch die Kolostrumqualität. Und bei dieser gibt es durchaus Unterschiede, wie Andreas Widmer weiss: «In den letzten sechs Wochen vor dem Abkalben entscheidet sich, wie viele und welche Immunstoffe die Kuh mit der Biestmilch bildet. Galtkühe, die auf dem Betrieb verbleiben, haben  ein hochwertigeres Kolostrum als solche, die erst kurz vor der Geburt in die Herde zurückkehren.»

Auge des Tierhalters zählt

Trotz Top-Kolostrum: Neugeborene Kälber haben noch kein funktionierendes Immunsystem und sind deshalb anfällig auf Infektionen. Um die Übertragung von Keimen zu unterbinden, werden sie oft in Einzeliglus gehalten. Für Corinne Bähler sind bei dieser Haltungsform Licht und Schatten aber nahe beieinander: «Im Einzeliglu ist ein Kalb der Witterung stark ausgesetzt. Wenn es regnet, wird es beim Tränken nass, und wenn es heiss ist, findet es keinen Schatten.» Sie rät deshalb, die Iglus unter einem Dach aufzustellen. auch wenn das nicht Raus-konform ist. Elmar und Hans Schurtenberger haben das vor drei Jahren gemacht. Sie möchten den gedeckten Kälberigluplatz nicht mehr missen.

Elmar Schurtenberger: «Es ist rund um die Iglus immer trocken und sauber, die Kälber werden nie nass,  und beim Tränken ist es auch für uns angenehmer, wenn wir unter dem Dach sein können. Schliesslich ist es immer noch das Auge des Betriebsleiters, das am wichtigsten ist für gesunde Kälber, weil Krankheiten rasch erkannt und behandelt werden müssen. Und das Beobachten der Tiere ist nun mal angenehmer, wenn die äusseren Bedingungen stimmen.»

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