29.05.2016 06:06
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Bern
Hochlandrinder statt Milchkühe
Ruedi und Susanne Balsiger organisieren auf dem Gurten Events und vermarkten Rindfleisch – mit grossem Erfolg.

Auf dem Berner Hausberg Gurten fand gestern Freitag der Milchgipfel statt. Milchkühe weiden dort allerdings keine mehr. Stattdessen erfreuen Schottische Hochlandrinder die vielen Spaziergänger aus der Stadtregion Bern. Die Tiere gehören der Bauernfamilie Balsiger, die oberhalb des Gurtendorfs zu Hause ist.

Investitionsspirale droht

Ruedi Balsiger erzählt: «Bis vor zwölf Jahren waren wir ein klassischer Milchviehbetrieb. Wir produzierten Milch zuerst zuhanden der Emmi, dann der Cremo.» Er habe sich auch im Vorstand der Milchgenossenschaft engagiert, die damals noch 54 Milchbauern umfasst habe (heute sind es noch 7). Warum hat er die Milchproduktion aufgegeben? «Ich bin viel im Ausland unterwegs gewesen und habe Betriebe in Deutschland und Dänemark gesehen, die wir Schweizer als wunderschöne Betriebe bezeichnen würden. Aber die Ställe standen leer», so Balsiger.

Die Besitzer hätten gesagt, das Melken rentiere nicht. Er habe festgestellt, dass bei der Milchproduktion die Gefahr besteht, in eine Investitionsspirale zu geraten, ohne dass man dabei etwas verdient. Als zweiten Grund für die Aufgabe der Milchproduktion nennt Balsiger den Umstand, dass er schon vor zwölf Jahren zusammen mit seiner Familie Events veranstaltet habe, wenn auch erst einige wenige im Jahr. Das sei mit den regelmässigen Stallzeiten immer schwieriger zu vereinbaren gewesen.

Fleisch selbst vermarktet

So hätten sie dann entschieden, in Zukunft auf Mutterkühe und Events zu setzen. In der Startphase hatte er Simmentaler und Schottische Hochland-rinder gleichzeitig auf dem Betrieb. «Wir stellten dann fest, dass die Kundschaft an den Highlandern am meisten Freude hatte», sagt Balsiger. Ihm habe die schottische Rasse schon immer gefallen, er habe sie damals aus purer Freude an ihnen gekauft. Weil die Tiere so pflegeleicht sind, passen sie sehr gut zum heutigen Betrieb.

Dessen wichtigstes Standbein sind mittlerweile jährlich Dutzende Events, die heute auf dem Bauernhof der Familie stattfinden. Das Spektrum reicht von Teamanlässen, Workshops, Familienfesten  bis zu den «Highland Games», die auf dem Gurten jedes Jahr veranstaltet werden. Die Highland-Cattle-Rinder werden in einer Metzgerei in der Region geschlachtet, das Fleisch vermarktet die Familie Balsiger zu 100% selbst.

Eigenes Logo 

Bei den eigenen Events gibts Steakli, Würschtli, Spiessli u Hamburgerli vom Grill, aber auch Trockenfleisch wird aufgetischt. Zudem können an Gourmet-Restaurants Edelstücke geliefert werden. «Wichtig für das Ambiente bei uns ist, dass wir immer noch ein Bauernhof sind», sagt Ruedi Balsiger.  

Die Familie hat für ihren Hof ein eigenes Logo kreiert, das die markanten Hörner der Hochlandrinder vor einem Sonnenuntergang zeigt. Auf die heutige Situation am Milchmarkt angesprochen, sagt Balsiger: «Ich habe immer befürchtet, dass der Milchpreis einmal unter 50 Rp. fällt. Leider ist dies jetzt fast eingetreten.»

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