7.11.2019 06:02
Quelle: schweizerbauer.ch - aiz
EU
Hilfen für Rinderhalter gefordert
Europaabgeordnete aus Polen und Rumänien fordern eine Unterstützung der EU für ihre Rinderhalter. Viele der in den osteuropäischen EU-Mitgliedstaaten dominierenden Kleinbetriebe würden wegen der kaum kostendeckenden Rindfleischpreise vor der Betriebsaufgabe stehen.

In Rumänien liege der Preis bei 1,50 Euro/kg (1.65 Fr.), berichtete der rumänische Abgeordnete Daniel Buda von den Christdemokraten. Die Produktionskosten von 2 Euro/kg (2,2 Fr.) überstiegen damit die Erlöse.

Ausfuhr nach Türkei fehlt

Zu der schwierigen Lage auf dem Rindfleischmarkt passe es deshalb nicht, den Markt für die Mercosur-Länder zu öffnen und Fleisch mit unzureichenden Veterinärkontrollen in die EU zu lassen, beklagte Buda. Der polnische Abgeordnete Jaroslaw Kalinowski von den Christdemokraten wies auf die Einbrüche beim Export von frischem Rindfleisch in die Türkei hin.

Im Jahr 2018 gingen noch 33'000 t von Polen in die Türkei. Im Juli und August dieses Jahres sei der Export zum Erliegen gekommen, berichtete Kalinowski. Der Abgeordnete forderte Hilfen aus dem EU-Haushalt und eine Gleichbehandlung mit Irland, wo die EU die Rindfleischerzeuger mit 50 Mio. Euro (55 Mio. Fr.) unterstützt. 

Anliegen zurückgewiesen

Die EU-Kommission wies das Anliegen der Osteuropäer im Agrarausschuss des EU-Parlaments zurück. Irland sei wegen des drohenden Brexits ganz besonders betroffen, betonte Michael Scannell von der EU-Kommission. Sollte das Vereinigte Königreich nach einem Austritt ohne Vertrag Zölle auf irisches Rindfleisch erheben, müssten diese Mengen neue Abnehmer in EU-Mitgliedstaaten finden und könnten dort die Preise ruinieren.

Deshalb seien Hilfen für irische Rindfleischerzeuger im Interesse aller EU-Mitgliedstaaten, die folglich dem EU-Hilfspaket über 50 Mio. Euro (55 Mio. Fr.) auch zugestimmt hätten, führte Scannell aus. Das 99'000 t Einfuhrkontingent für die Mercosur-Länder werde sich kaum auf den Preis in der EU auswirken, ist der Kommissionsmitarbeiter überzeugt. Schliesslich handle es sich um weniger als 1% der Erzeugung in der EU. 

Chancen für Preisverbesserungen bestehen

Scannell gab aber zu, dass besonders der Import von hochwertigen Teilstücken aus Südamerika ansteigen werde. Die Kontrollen der Einfuhren seien extrem streng. Erste brasilianische Exporteure hätten sich wegen der aufwendigen Kontrollen schon aus dem Geschäft zurückgezogen, beteuerte Scannell. Zurzeit besässen nur wenige Fleischverarbeiter im südlichen Teil von Brasilien eine Lizenz für die Ausfuhr in die EU.

Das Einfuhrkontingent für Rindfleisch sollte deshalb nicht mit den Rodungen des in Brasilien weiter nördlich gelegenen Regenwaldes in Zusammenhang gebracht werden. Die EU-Kommission ist zuversichtlich, dass sich die Preise auf dem EU-Markt bald wieder erholen werden. Scannell fusst seinen Optimismus auf China. Die Afrikanische Schweinepest sorge in China für einen erhöhten Importbedarf nicht nur von Schweinefleisch, sondern auch von Rindfleisch. 

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