12.10.2020 06:32
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Zufferey
Walls
Auf ewiger Suche nach einem Metzger
Adrian und Nadia Ittig verkaufen als Direktvermarkter Kalbfleisch unter der Marke «Valais/Wallis». Innert zehn Jahren mussten sie sich mehrmals auf die Suche nach einem Metzger begeben, der das Fleisch zuschneidet.

Bis vor einem Jahr hielten Adrian und Nadia Ittig aus Leuk  Eringerkühe und Fleckvieh, die sie gemolken und deren Milch sie über einen Tränkeautomaten an Mastkälber vertränkt haben. Wie viele andere Nebenerwerbsbauern im Oberwallis sind die beiden  auch ausserhalb des Betriebes berufstätig. Er arbeitet als gelernter Landmaschinen-Mechaniker heute ganztags bei einer Abwasser-Reinigungsanlage als Klärwerk-Fachmann, sie ist Arztgehilfin in Teilzeit. Dazu haben sie sich noch in mehreren Vereinen engagiert und in mehreren Vorständen. 

Adrian Ittig hat darüber hinaus elf Jahre lang als Rabatteur an Ringkuhkämpfen geamtet, während seine Frau in der Verwaltung vom Schlachthaus in Gampel tätig war. «Irgendwann haben uns gesundheitliche Probleme und Schicksalsschläge gezwungen, etwas mehr auf unseren Körper zu hören», erzählen beide übereinstimmend. Sie haben ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten aufgegeben – nicht aber ihre Landwirtschaft, obwohl sie ihre knapp elf Hektaren überwiegend von Hand,  mit Unterstützung ihrer zwei Kinder,  bewirtschaften Nur zum Heuen haben sie Maschinen zur Verfügung, doch sowohl beim Misten als auch beim Bewässern ist Handarbeit gefragt. Ittigs haben  ihr Fleckvieh verkauft, und halten aktuell ein paar Eringer-Kühe. Statt diese zu melken, lassen sie die Kälber am Euter saugen.

Praktisch kein Aufwand

Weil der Direktverkauf von Kalbfleisch für die beiden ein willkommener Zustupf ist, halten sie  an der Direktvermarktung fest. «Schon mein Vater, von dem ich den Betrieb 2003 übernehmen konnte, hat seine Kälber privat verkauft», erzählt Adrian Ittig. Heute sind die beiden   stolz darauf, dass sie für ihr Kalbfleisch als bislang einzige Oberwalliser Direktvermarkter die Marke «Valais/Wallis» nutzen dürfen. «Es passt zu unserer Philosophie, unseren Tieren einen so kurzen Weg zum Schlachthof wie nur möglich zuzumuten, ganz nach dem Motto: Im Wallis geboren, im Wallis gestorben», sagt Nadia Ittig. Auf die Marke angewiesen wären sie zwar nicht, meint sie, weil damit aber nicht viel mehr Aufwand verbunden sei, als einen Kleber auf ein Fleischpaket zu kleben, nutzen sie es mit Stolz. «So etwas muss man doch unterstützen, wenn einem schon die Möglichkeit und die Plattform geboten wird», meint Nadia Ittig.

Ein Spiessrutenlauf 

Dass andere Bauern davor zurückschrecken das Label zu nutzen, liegt zum Teil auch an Oberwalliser Metzgereien, auf deren Unterstützung auch Ittigs angewiesen sind. Nadia Ittig erzählt: «Wir mussten uns innert den letzten zehn Jahren fünf Mal auf die Suche nach einem neuen Metzger machen, der das Fleisch für uns zuschneidet.» Manche Dorfmetzger hätten aufgehört, weil es nicht mehr rentiert hat oder sie gar in Konkurs gingen. Andere wurden an Grossmetzgereien verkauft – und wieder andere seien praktisch nur noch Wiederverkäufer und würden kaum mit Walliser Bauern zusammenarbeiten.

Nach Kundenwunsch

Als ihnen letztes Jahr  ihre  Gesundheit zu schaffen machte, und sie sich zum sechsten Mal auf die Suche nach einem neuen Metzger begeben mussten, konnten sie erstmals nicht mehr alle ihre Stammkunden beliefern. «Wir lassen unsere Kälber jeweils im Schlachthof in Gampel schlachten und sie von einem Metzger zerteilen, worauf wir das Fleisch wieder abholen und unseren Kunden ihrem Wunsch gemäss nach Hause bringen», erzählt Adrian Ittig. Sie verkaufen meist ein Viertel oder die Hälfte von einem Kalb – mit allem was dabei anfällt, das heisst nebst Filets und Steaks auch Kotelettes oder Geschnetzeltes. Ihren Kunden verrechnen sie das, was der Metzger von ihnen fürs Zerschneiden verlangt, transparent weiter. «Auf unseren Rechnungen ist klar ersichtlich, wie viel vom Preis wir an den Metzger bezahlt haben, und wie viel davon für uns bleibt», erklärt Adrian Ittig.                                                                                                                                                                                                                                                            

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