18.10.2018 11:28
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Tierwohl
Viehschau: Kein Collodium-Verbot
Viehschauen stehen unter grossem medialen Druck. Der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter ASR hat am Donnerstag das überarbeitete Ausstellungsreglement verabschiedet. Es sieht einen Ausbau der Kontrollen, aber kein Collodium-Verbot vor.

Der Druck der Tierschutzkreise auf Viehausstellungen liess mit dem neuen Ausstellungsreglement nicht nach. Zwar hat die Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter ASR mit dem per 1. Januar 2018 in Kraft getretenen Reglement unter anderem die Euterkontrolle mit Ultraschall eingeführt.

Scharfe Kritik im TV

Trotzdem kam es zu weiteren Berichten über Vorkommnisse an Viehschauen. So wurden an Ausstellungen wie der Swiss Expo, Tier&Technik, Expo Bulle und Swiss Jersey Night die Euter auf Ödeme kontrolliert und je nach Schweregrad sanktioniert. In der Sendung Kassensturz und von Seiten des STS wurde Kritik laut, dass das Kontroll- und Sanktionssystem viel zu milde sei und sich nichts verändert habe.

Die ASR hat zusammen mit Kantonstierärzten und dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) die Ausstellungen analysiert und nach Lösungen gesucht. Die Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter hat das überarbeitete Ausstellungsreglement verabschiedet.

Ausbau und Stärkung der Kontrollen

Dieses sieht weitere Verschärfungen vor. Hauptstossrichtung dieser Revision ist die weitere Verbesserung des Tierwohls an Ausstellungen, unter Einbezug der im laufenden Jahr gewonnenen Erfahrungen mit dem erstmaligen breiten Einsatz von Ultraschalluntersuchungen.

Kernpunkte sind dabei der Ausbau und Stärkung der Kontrollen vor dem Schauring, das explizite Verbot von prophylaktischen medizinischen Behandlungen sowie das Verbot, Milch teilweise abzulassen. Nebst der Ultraschalluntersuchung wird die Vorringkontrolle zum zentralen Element der Überwachung.

Ausgebildete Kontrollpersonen untersuchen jede Kuh vor dem Ring aufgrund visueller Kriterien. Sie entscheiden, ob das Tier in den Ring treten darf oder zurückgewiesen wird. «Der Kontrollierende kann sich dabei nötigenfalls auf eine Ultraschall-Untersuchung abstützen», heisst es in der Mitteilung der ASR.

Collodium weiter erlaubt

Das in der Kritik stehende Collodium hingegen soll an Viehschauen weiterhin erlaubt sein. «In Übereinstimmung mit den Rückmeldungen der Vorstände von Holstein Switzerland, Braunvieh Schweiz und swissherdbook hält die ASR an der Zulassung von Collodium fest. Mit der neu festgelegten engen Überwachung können übervolle Euter und damit Verstösse gegen das Tierwohl wirkungsvoll ausgeschlossen werden», so die Begründung der Arbeitsgemeinschaft.

Damit bleibt folgender Passus im Ausstellungsreglement der Arbeitsgemeinschaft der Schweizer Rinderzüchter(ASR) unverändert: «Das äusserliche Versiegeln der Zitzen ist mit zugelassenen Produkten erlaubt, solange das Wohlbefinden der Kuh nicht negativ beeinflusst wird.» Laut Anhang ist dafür einzig «Collodium 8%» erlaubt.

Vorstoss im Parlament

Auf parlamentarischer Ebene gibt es aber Widerstand gegen Collodium. Nationalrätin Irène Kälin (Grüne, AG) verlangt, jegliches Verschliessen der Zitzen für Kuhausstellungen zu verbieten.

Kälin schreibt in der Begründung für ihren Vorstoss: «Die beliebte Tradition der Viehschauen gerät durch fragwürdige und oft tierschutzrelevante Manipulationen überehrgeiziger Züchter an Ausstellungskühen zunehmend in Verruf.»

Prof. Dr. Adrian Steiner von der Vetsuisse-Fakultät untersuchte während mehreren Monaten an verschiedenen Schauen die Euter mit Ultraschall, nahm Blut und untersuchte, ob die Kühe Medikamente, Entzündungshemmer und Entwässerungsmittel, erhalten haben. Ziel der Studie war es, eine Art Ausbildungsdokumentation für Kommissionen und Tierärzte als Lehrmaterial und Handlungsanleitung zu erstellen.

Die Resultate: Für die Studie wurden 321 Kühe an vier Milchvieh-Ausstellungen (Swiss Expo 2017, Tier&Technik 2017, Bruna 2017, Swiss Red Night 2017) untersucht. Bei 72 Kühen (23%) wurde mittels Ultraschall ein Euterödem nachgewiesen. Bei 29 der untersuchten Kühe (16%) wurden im Blut Entzündungshemmer nachgewiesen. Dies lasse einen Rückschluss auf eine Behandlung am Tag oder in den Tagen vor der Ausstellung zu, so die Folgerung der Studienautoren. Bei 263 Kühen (86%) waren die Zitzen nach Angaben der Tierhalter mit Kollodium verklebt.

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