1.07.2020 17:50
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
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Welchem Verband vertrauen Sie mehr?
Am Molkereimilchmarkt herrscht dicke Luft. Die Milchpreise sinken. Der Schweizer Bauernverband (SBV) ist erzürnt. Die Schweizer Milchproduzenten (SMP) sind über die Senkungen enttäuscht. Beide fordern Verbesserungen für die Milchbauern. Welchem Verband schenken Sie dabei mehr Vertrauen? Abstimmen und mitdiskutieren

Die Stimmung am Milchmarkt ist hitzig. Vor einigen Wochen wurde der Import von 1000 Tonnen Butter bewilligt. 

Milch floss in die Käseherstellung

Der Grund dafür liegt einige Monate zurück. Um die Jahreswende waren die Butterlager praktisch leer. Für die tiefe Butterproduktion machte die Branchenorganisation Butter (BOB) einen Hauptgrund aus. Zusätzliche Milchmengen aus dem Industriebereich flossen in die Käseherstellung. Deshalb wurde beschlossen, den Fettpreis per 1. Juli um 50 Rappen je Kilo zu erhöhen. 

Den Milchbauern wurde beim Antrag auf Butterimporte versprochen, dass der Mehrerlös des zu erwartenden höheren Marktpreises für Schweizer Butter an die Produzenten weitergegeben werde. Der Schweizer Bauernverband warnte bereits im April vor diesem Schritt: «Es ist ein Affront gegenüber den Schweizer Milchproduzenten.»

ZMP senken Basispreis

Die Ankündigung der Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP), die Preise für Molkereimilch zu senken, liess die Lage nun explodieren. Der Basispreis wurde per 1. Juli um 2,5 Rappen auf 53,5 Rappen gesenkt. «In dieser Preissenkung enthalten ist die Butterpreiserhöhung per 1. Juli. Diese hat einen Effekt von 0,6 Rappen pro Kilogramm Milch. Dadurch konnte eine stärkere Preissenkung verhindert werden», heben die ZMP in ihren Newsletter hervor. 

Wie die ZMP weiter schreiben, konnte im 2. Quartal der Milchpreis durch Auflösung von Reserven noch stabil gehalten werden. «Wie bereits angekündigt, ist nun per 1. Juli eine Anpassung an die Marktsituation und damit eine Milchpreissenkung unumgänglich», heisst es weiter. Der Hauptgrund für die Unterdeckung seit April 2020 ist, dass im Basispreis ZMP rund ein Drittel der Milch im B-Segment ist.

Gemäss ZMP ist der B-Preis im Juni weiter, auf 47,2 Rappen, gesunken. 7,6 Rappen als im März. Zudem steigen gemäss ZMP aufgrund der internationalen Entwicklung die Preisdifferenzen in der Nachfolgelösung ‹Schoggigesetz› und der Importabwehr.»

Bauernverbände in der Innerschweiz erzürnt

Die Bauernverbände Nidwalden, Obwalden und Uri war die Senkung nicht nachvollziehbar. In einem offenen Brief kritisieren sie das Verhalten der Schweizer Milchproduzenten (SMP) und der Branchenorganisation Milch (BOM). Sie werfen den beiden Organisationen vor, die Milchbauern im Stich zu lassen. 

«Uns ist sehr wohl bewusst, dass der Markt im Ausland gesättigt ist, sich die Milchpreisdifferenz vergrössert hat und so die aus B-Milch hergestellten Exportprodukte unter Druck geraten sind. Da aber die Milcheinlieferungen im laufenden Jahr gegenüber dem Vorjahr eher tiefer sind und zugleich Butter importiert wird, kann der schweizerische Milchmarkt zwischen Angebot und Nachfrage auf einem gesunden Niveau eingestuft werden», halten die Verbände fest. 

Situation für Milchbauern immer schwieriger

Es sollte möglich sein, aus A-Milch Butter herzustellen und auf den Import von Butter zu verzichten, schreiben die drei Bauernverbände weiter. Denn für die Milchbauern werde die Situation immer schwieriger, viele Betriebe müssten aufgeben.

«Neben der Milch- und Fleischproduktion gibt es in den voralpinen Gebieten nicht viele Alternativen, um auf andere Produktionsformen umzusteigen», halten die Bauernverbände fest. Sie fordern deshalb die BOM und die SMP auf, sich gegen eine Milchpreissenkung einsetzen.

«SMP setzen sich für Milchbauern ein»

Die Schweizer Milchproduzenten ihrerseits haben auf die Vorwürfe reagiert. Sie halten fest, dass sie mehrfach ein Preissignal nach oben eingefordert haben. «Die Bauernverbände Nidwalden, Obwalden und Uri müssen sich bewusst sein, dass sie mit der Kritik an die SMP jene kritisieren, die sich in der BOM als einzige und bis zum Schluss gegen die Importforderungen gewehrt haben», halten die SMP fest. Und sie weisen darauf hin, dass sie sich weiterhin mit voller Energie für die Milchbauern einsetzen werden. 

«Nachdem eine A-Richtpreiserhöhung im Februar 2020 in der Branchenorganisation Milch (BOM) per 1. April 2020 abgelehnt wurde, haben die Schweizer Milchproduzenten vor gut drei Monaten im aktuellen Marktumfeld mehrfach ein deutliches Preissignal für die Milchproduzenten gefordert», schreibt die Dachorganisation der Schweizer Milchbauern weiter. Unter anderem forderten sie, dass mehr Milch in die inländische Butterproduktion fliessen soll, anstatt zu einem tiefen EU-Preis (netto) in verarbeiteten Produkten exportiert zu werden.

SMP fordern Korrekturen bei den «phantasievollen» Abzügen

Für die SMP mache es weiterhin wenig Sinn, Butter über verarbeitete Produkte zum Weltmarktpreis zu exportieren, wenn gleichzeitig im Inland eine Unterversorgung besteht. Für die SMP haben die Wertschöpfung und der Inlandmarkt Priorität, sagte sie gegenüber «Schweizer Bauer». «Die Milchproduzenten haben deshalb dem Antrag in der BOM zur sofortigen Importfreigabe von 1‘000 Tonnen Butter nicht zugestimmt», machte die Organisation klar.

Und weiter teilen die SMP mit, dass sie vom Ergebnis der Milchpreisverhandlungen per 1. Juli 2020 aus der Zentralschweiz ernüchtert sind. Sie fordern eine Korrektur, insbesondere bei den zum Teil «phantasievollen» Abzügen. 

Ritter: «Markt für existenzsichernde Preise zahlen»

Der Schweizer Bauernverband (SBV) hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr im Milchmarkt eingebracht. «Der Bauer hat keine Wertschöpfung mehr, während die Milchverarbeiter und Grossverteiler sehr viel Geld verdienen», sagte beispielsweise SBV-Präsident Markus Ritter im April 2017.

Gegenüber der «Luzerner Zeitung» sagte er weiter, wenn der Markt nicht gewillt sei, den Bauern existenzsichernde Preise zu zahlen, müssten die Betriebe andere Richtungen prüfen und aus der Milchproduktion aussteigen. 

«Alles nur Schall und Rauch»

Und auch in den vergangenen Monaten hat sich der SBV mit pointierten Beim Schweizer Bauernverband (SBV) läuteten bereits Ende April die Alarmglocken. «Es ist ein Affront gegenüber den Schweizer Milchproduzenten. Butterimporte zum jetzigen Zeitpunkt sind nicht angezeigt», kritisierte der Verband die von der Milchbranche geforderten Einfuhren.

Und in der vergangenen Woche platzte dem Bauernverband der Kragen. «Die Milchpreispolitik ist unhaltbar», lautete die klare Botschaft. Die Molkereimilchproduzenten hätten entgegen dem Versprechen einer Erhöhung des Produzentenpreises um 0.6 bis 1 Rappen pro Kilo Milch keinen höheren, ausbezahlten Milchpreis. «Heute zeigt sich: Alles nur Schall und Rauch!», so das Fazit des SBV. Die meisten Akteure hätten nur minimale Aufschläge gewährt.  

Bessere Preise gefordert

Dass der ausbezahlte Milchpreis teilweise gar gesunken ist, führt der Bauernverband vor allem auf die Abzüge zurück. «Diese wurden zum Teil massiv erhöht. Bei wichtigen Akteuren übersteigen die höheren Abzüge die Zuschläge. Die Kreativität bei den Abzügen scheint unbegrenzt», fuhr der Bauernverband fort. 

Der SBV wirft Händlern und Verarbeitern vor, dass die Bauern mit den Abzügen die Konkurrenzfähigkeit der Exporte von Schweizer Butter in verarbeiteten Nahrungsmitteln mitfinanziert, während gleichzeitig Lastwagen mit Importbutter in die Schweiz fahren.

Die aktuelle Situation am Molkereimilchmarkt ist für den SBV unhaltbar. Er fordert die Verarbeiter auf, sich wie «faire Marktpartner zu verhalten». Das heisst für den Verband:

• einen deutlich besseren Milchpreise

• Lücke zu den Richtpreisen schliessen 

• Erhöhung der Preisabzüge sofort zurückzunehmen

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