13.08.2020 18:02
Quelle: schweizerbauer.ch - lid/blu
Milchmarkt
Uniterre kritisiert BOM und SMP scharf
Die Westschweizer Bauernorganisation Uniterre wirft der Branchenorganisation Milch (BOM) vor, dass sie ihre Aufgabe, den Milchmarkt zu verwalten, nicht wahrnehme. Und verlangt eine Milchpreiserhöhung.

Die BOM habe ihre eigene Geschäftsordnung nicht durchzusetzen können, schreibt Uniterre in einer Mitteilung. Und den Schweizer Milchproduzenten (SMP) sei es bisher nicht gelungen, eine Milchpreiserhöhung zu erwirken. Dies obwohl anlässlich der aktuellen Butterknappheit das Terrain dafür günstig wäre. «Der durchschnittliche Milchpreis deckt aktuell nicht einmal die Hälfte der effektiven Produktionskosten», hält Uniterre fest.

Uniterre kritisiert auch, dass es in der Schweiz immer weniger Milchbäuerinnen und -bauern gibt: 1995 gab es noch 44'360 Milchbäuerinnen und -bauern, 2019 waren es noch 19'048. Das entspreche einem Rückgang von mehr als 50 Prozent innerhalb von fast 25 Jahren. Die Organisation spart nicht mit Kritik an den SMP. Diese halte 34 Prozent der Anteile der Branchenorganisation Butter und habe damit indirekt die Einfuhrrechte für die ersten 1000 Tonnen Butter miterworben. «Da fragt man sich: Wie können die SMP da noch die Interessen der Milchproduzenten verteidigen?», heisst es in der Mitteilung. Der Interessenkonflikt sei offensichtlich und verhindere eine ehrliche Verteidigung der Milchbauern.

Die Abschaffung der Zölle auf Milchprodukte scheint laut Uniterre nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Als Beweis dafür sieht sie die wiederholten und vom BLW bewilligten Importanträge für Butter. Das seien schlicht unhaltbar.

Für Uniterre führt aktuelle Butterknappheit das Nicht-Funktionieren des Milchsektors vor Augen. Es entwickle sich eine Negativspirale. «Unzureichende Milchpreise führen zu weniger MilchproduzentInnen, weniger Milchproduktion, das Ganze gekoppelt mit einer schlechteren Wertschöpfung der Milch für die Milchproduzenten. Vor knapp 30 Jahren galt für Molkereimilch ein garantierter Preis von Fr. 1.07, heute sind es noch rund 55 Rp.», so Uniterre.

-> Die ausführliche Medienmitteilung gibt es hier

Die Forderungen von Uniterre: 

 

  • Eine vollständige Neugestaltung der BOM und ihrer Arbeitsweise nach dem Beispiel der gut funktionierenden Branchenverbände wie beispielsweise der Sortenorganisation Gruyère.
  • Von den SMP festgelegte, indexierte Beiträge für den Milchpreis ab Hof und Delegierte, die – ohne Doppelmandate – die Basis mit begrenzten Amtszeiten vertreten.
  • Die Abschaffung regionaler Organisationen, da sie ohne einen nationalen Milchpool und echte Unabhängigkeit keinen Sinn machen.
  • Eine sofortige Anhebung des Milchpreises. Uniterre fordert einen Milchpreis, der die Produktionskosten deckt. Die spärliche Preiserhöhung wie von einigen Verarbeitern für Anfang Juli angekündigt (zwischen 0,6 bis 1 Rp. pro Kilo Milch) sei lächerlich.
  • Die Abschaffung von B-Milch und der Zahlung der Verkäsungszulage in diesem Segment 
  • Ein Gesetz, das die Deckung der Produktionskosten von landwirtschaftlichen Produkten garantiert, damit die Grossverteiler mit dem Dumping auf dem Buckel der Milchproduzent und dem ständigen Preisdruck gegenüber den Verarbeitern aufhören. Es sei ein Skandal, dass Milch billiger verkauft werde als Wasser, so Uniterre.

 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE