22.05.2020 06:06
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Milchmarkt
SMP publizieren Milchpreis je Käufer nicht mehr
Die Schweizer Milchproduzenten (SMP) machen nicht mehr publik, welcher Milchkäufer die Milch wie schlecht bezahlt.

Die SMP  haben den Umfang des öffentlichen Milchpreismonitorings reduziert. Milchproduzent Adrian von Känel, Präsident der Milchgenossenschaft Aeschi BE, sagt dazu: «Es ist sehr schade, dass die SMP die bezahlten Preise bei der Molkereimilch je Milchkäufer nicht mehr veröffentlichen, nachdem sie dies viele Jahre lang getan haben. In meinen Augen gehört es zu den Aufgaben der SMP, hier Transparenz zu schaffen. Für Biomilch und die Käsesorten wird der Milchpreis nach wie vor entsprechend ausgewiesen. Dass es bei der Molkereimilch, im volumenmässig wichtigsten Segment, nicht mehr gemacht wird, finde ich unverständlich.» Er fügt aber an, dass er das Milchpreismonitoring auf Anfrage erhalten habe.  

Zum letzten Mal publizierten die SMP diese Preise im März 2019. Im Juli 2019 erklärte SMP-Direktor Stephan Hagenbuch auf Anfrage: «Wir hatten Hinweise, dass in der laufenden Übergangsphase vor der Einführung des Branchenstandards nachhaltige Milch unsere Preisdaten zulasten der Milchproduzenten missbraucht werden könnten. Deshalb haben wir uns entschieden, bezüglich der Publikation des Preismonitorings für etwa zwei Monate zu pausieren.» 

Die Pause dauert seither an. Die SMP teilen mit, sie hätten sich entschieden, so weiterzufahren. Zahlen hätten für denjenigen, der sie hat, einen positiven Wert. «Unsere Mitgliedorganisationen und die Organisationen der Milchproduzenten, die  Milch verkaufen und Preisverhandlungen führen,  und die Milchpreismelder haben alle Informationen, die nötig sind. Das ist zielführender.» Für die interessierten Milchproduzenten und jene, die es wissen müssen, sei es sehr transparent.

Laut Marktkennern haben die Molkereien Elsa und Emmi, die sich  überdurchschnittlicher Preise rühmen,  in Verhandlungen auf das SMP-Monitoring  gezeigt  und gesagt, sie bezahlten ja mehr als  Hochdorf und Cremo, was man an den Milchpreisen der Direktlieferanten sehe. So habe das Monitoring  eine Preisbewegung nach unten gefördert. 

 

Tiefpreis bei «Premium»-Nestlé

2017 schrieb die  Milchhändlerin Aaremilch: «Ohne den auf Premium-Babyfood spezialisierten Hauptabnehmer Nestlé in Konolfingen BE würde die Situation für die Milchproduzenten noch wesentlich schlechter aussehen.» Heute muss vermutet werden, dass  die Firma das nicht mehr so schreiben würde. Denn wenn Mitbewerber Hochdorf öffentlich über das Ende des alten Schoggigesetz-Exportförderungsmechanismus klagt und bei der Milch Tiefstpreise bezahlt, dürfte es bei Nestlé ähnlich sein.

Sonst wäre die Aaremilch im aktuellen Milchpreismonitoring wohl nicht ganz am Schluss der Rangliste zu finden. Auch die bei der Aaremilch im Vergleich ausgeprägtere Gehaltsbezahlung hilft ihr im Ranking nicht, weil dieses mit Standard  4,0% Fett arbeitet, während der nationale Schnitt bei  4,2% Fett liegt. sal

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE