6.12.2019 14:59
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
SMP fordern höhere Milchpreise
Die Schweizer Milchproduzenten (SMP) sind über die Butterimporte der Migros verärgert. Die Organisation will die derzeitige Marktlage dazu nutzen, die ausbezahlten Milchpreise auf das Niveau der Richtpreise der Branchenorganisation Milch anzuheben.

Seit rund einer Woche verkauft die Migros Kochbutter aus Belgien und Deutschland. Das hat die Schweizer Milchbauern verärgert.  

100 Tonnen importiert

Mit der Einfuhr von 100 Tonnen Butter soll einheimische Ware nicht konkurrenziert werden. «Die Importe füllen lediglich die Lücke, welche sich leider aktuell in diesem Segment aufgetan hat», beteuert die Migros gegenüber «Schweizer Bauer». Für die 100 Tonnen hätte  es gut 2 Millionen Kilogramm Milch gebraucht.

Momentan herrsche ein Milch- und folglich auch ein Rahmmangel, fährt sie fort. Sobald genügend Schweizer Ware vorhanden sei, werde wieder ausschliesslich Schweizer Butter in den Regalen stehen, beteuert die Migros. Der Import der Butter wurde mit alten Coupons aus dem ehemaligen Schoggigesetz durchgeführt. Dies wird 2020 nicht mehr möglich sein. 

Uniterre fordert höheren Preis

Am Donnerstag meldete sich die Bauerngewerkschaft Uniterre zu Wort. Sie fordert eine sofortige Erhöhung des Milchpreises, rückwirkend auf den 1. November 2019. «Es geht darum, einen wichtigen Teil unseres Erbes zu erhalten und das Überleben der rund 19’000 Bauernfamilien zu sichern», teilte die Organisation mit.

Am Freitag wenden sich die Schweizer Milchproduzenten (SMP) mit einem Communiqué an die Öffentlichkeit. «Der Vorstand der SMP hat kein Verständnis für Butterimporte zum Jahresende unter dem Deckmantel eines angeblichen ‘Rohstoffmangels’», heisst es im Schreiben.

SMP: Genügend Schweizer Milch

Für die SMP trägt die Migros die alleinige Schuld. Besonders sauer stösst der Organisation die Milchpreissenkung der Migros von Anfang Juli auf. «Hinlänglich bekannt ist, dass die Migros den Preis um 3 Rappen gesenkt hat, als bereits deutlich sichtbar war, dass Milch 2019 nicht im Übermass verfügbar sein wird», heisst es in der Mitteilung. Die Milchpreissenkung hat insbesondere die Verarbeiter verärgert, die Mitglied der Branchenorganisation Milch (BOM) sind. Die Migros-Tochter Elsa ist seit längerer Zeit nicht mehr Mitglied der BOM. 

Zudem hätte die Migros bei früher Planung und entsprechenden Preisen Butter beschaffen können, so die SMP. Denn gemäss der Organisation war in der Schweiz genügend Milch vorhanden: «Die Milchproduktion ist bis September 2019 um 1.6% gesunken. Das ist ein kleiner Rückgang und bedeutet eine ausgewogene und gesunde Marktlage. Es gab ausreichend Milch für die Butterproduktion zu kaufen.» Die sei von der Migros verpasst worden.

Der Vorwurf der Milchbranche: Die Migros habe sich verspekuliert. In den Jahren zuvor konnte diese Rahm aus günstiger Überschussmilch einkaufen. In diesem Herbst war dies nicht möglich. Dieser Darstellung widerspricht die Migros: «Die Elsa hatte ihren Rahmbedarf korrekt geplant, wurde aber aufgrund der Milchknappheit nicht im vorgesehenen Umfang beliefert. Zudem sind die Butterlager leer.»

Höhere Produzentenpreise

Die SMP wollen die derzeitige Lage dazu nutzen, um bessere Produzentenpreise einzufordern. «Aktuell besteht eine Preislücke zwischen ausbezahlten Produzentenpreisen und Richtpreisen der Branchenorganisation Milch.» Der Richtpreis für industrielle Molkereimilch im A-Segment beträgt 71 Rappen pro Kilo. Die ausbezahlten Preise liegen aber deutlich darunter. 

Diese Preislücke gelte es nun zu schliessen. Die «gesunde» Marktlage müsse genutzt werden, um die ausbezahlten Milchpreise anzuheben.«Die SMP fordern konsequent, dass die Richtpreise ab Rampe durch die Marktakteure eingehalten werden», lautet der Appell der Organisation. Die SMP wollen zudem eine Regelung finden, die es ermöglicht, das Inlandpotenzial auf dem Buttermarkt optimal auszuschöpfen.

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