3.12.2015 09:06
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
«Nur Milchmengenreduzierung beendet Preiskrise»
Für eine Reduzierung der Milchmengen in Krisenzeiten haben sich erneut mehrere Verbände ausgesprochen.

„Wir haben im Moment die Situation, dass die Molkereien niedrige Preise bequem an ihre Milcherzeuger weitergeben“, monierte der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Ottmar Ilchmann, auf der von seiner Organisation mitveranstalteten Milchtagung von vergangener Woche. Um Milchpreiskrisen zu begegnen, müsse weniger produziert werden.

Überschusserzeugung nicht zukunftsfähig

Um dies zu erreichen, sollten europaweit die Milchbauern, die weniger erzeugten, honoriert werden und Kuhhalter, die mehr produzierten, eine Abgabe zahlen, forderte Ilchmann. Unterstützung dafür erhielt er von Kirsten Wosnitza vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM), für die „ein weiter so mit der Überschusserzeugung nicht zukunftsfähig ist“. Die Ausrichtung der EU-Exportpolitik beurteilte Tobias Reichert von Germanwatch kritisch: „Seit Anfang des Jahrzehnts steigen die Exporte von Milchpulver stetig. Auch Afrika, selbst südlich der Sahara, ist Ziel europäischer Exporte.“

Der Vorstandsvorsitzende der Molkerei Ammerland, Herbert Heyen, verteidigte hingegen die Exportorientierung als Chance, neue Vermarktungswege zu finden. Gleichzeitig setze seine Molkerei aber auch auf die Qualitätsproduktion für heimische Märkte, zum Beispiel mit dem eigenen Weidemilchprogramm.

Indien: Kleinere Betriebe sollen verdrängt werden

Parallelen zur Milchmarktentwicklung in Indien zog Sagari Ramdas von der Allianz für Ernährungssouveränität: „Mit der Liberalisierung des Milchmarktes in Indien in den 1990er Jahren übernehmen immer mehr private Molkereien und internationale Investoren den indischen Milchmarkt“. Ihr Ziel sei es, die Kleinbauern aus der Produktion zu drängen, während Grossbetriebe gefördert würden. Ramdas beklagte, dass dies „gravierende Folgen“ habe, denn in Indien lebten fast 90 Millionen Familien von der Milcherzeugung.

Prof. Rainer Buchwald von der Universität Oldenburg wies darauf hin, dass das Dauergrünland in der Region in den vergangenen Jahren „dramatisch“ zurückgegangen sei. Um gegenzusteuern, schlug er eine differenzierte Vermarktung und politische Massnahmen zur Unterstützung des Grünlandes vor.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE