27.12.2015 07:32
Quelle: schweizerbauer.ch - Markus Rediger, lid
Neuseeland (1/2)
Neuseeland: Landwirtschaft ist Schlüsselsektor der Wirtschaft
Trotz tiefen Weltmarktpreisen und Verlusten glauben Farmer und Agrarminister an die Zukunft der Landwirtschaft Neuseelands. Auf der Insel der Kiwis benötigen Bauern Kredite um Verluste infolge des tiefen Milchpreises zu überbrücken. Dennoch zahlen Konsumenten einen hohen Preis im Laden.

Der Weltmilchmarkt hustet, es gibt viel Milch, die Preise sind tief. Dies spüren Neuseelands Milchfarmer besonders stark, sie leben vom Weltmilchmarkt. Nicht nur bei der Milch. Rund 90 Prozent der in Neuseeland angebauten Landwirtschaftsprodukte werden exportiert.

Deshalb freut sich die Landwirtschaft auf der grünen Insel auch über das im Herbst 2015 abgeschlossene pazifische Freihandelsabkommen (TTP) und ist voller Optimismus. Für Neuseeland ist dies gemäss Landwirtschaftsdepartement eine der wichtigsten Handelsvereinbarungen für das Exportland. Dadurch wird sich der Fokus der Exporte aber immer mehr weg von Europa nach Asien verlagern.

Steigender Milch- und Fleischkonsum

Der neuseeländische Agrarminister Nathan Guy verkündete unlängst am Kongress der Internationalen Agrarjournalisten (IFAJ) in Hamilton als Vision für seine Landwirtschaft, dass er den Export verdoppeln wolle. Dies trotz gegenwärtig schwierigen Verhältnissen im Milchmarkt.

Guy geht davon aus, dass der Milch- und Fleischkonsum in den Schlüsselmärkten für Neuseelands Bauern weiter steigen wird. Von 2010 bis 2030 gar um 31 Prozent und von 2030 bis 2050 um 14 Prozent. In den gleichen Zeitspannen rechnet er mit einem Wachstum der Weltbevölkerung von plus 20 Prozent. Sowohl der Agrarminister als auch Handelsminister Tim Groser gaben sich vor Journalisten optimistisch, dass die wachsende Weltbevölkerung problemlos ernährt werden könne, wenn es gelingt an den richtigen Orten der Welt zu produzieren und unnötige Handelsschranken abzubauen. 

Überleben dank Innovation

Neuseeland produziert 90 Prozent seiner Landwirtschaftsprodukte für den Export, nur rund 5 bis 10 Prozent werden im Inland konsumiert. Das Motto für Neuseelands Agrarsektor lautet gemäss Groser: "Überleben durch Innovation". Auch Jacqueline Rowarth, Professorin für Agrarökonomie an der Universität von Waikato bestätigt dem Primärsektor die weitaus höchste Innovationsrate aller Wirtschaftszweige in Neuseeland.

Ian Proudfoot Chef der Landwirtschaftsabteilung der Beratungsfirma KPMG in Auckland sagte, die Landwirtschaft spiele eine zentrale Rolle für die Wirtschaft Neuseelands. "Wir sind das einzige Land, das abhängig ist von der Landwirtschaft, um seine Strassen und Schulen zu finanzieren. Die Land- und Ernährungswirtschaft kann Lebensmittel für 45 Millionen Menschen produzieren, das sind zehnmal mehr, als das Land Einwohner hat."

Die Player in der Milchwirtschaft Neuseelands

Der Staat spielt nur eine geringe Rolle in der Milchwirtschaft, hauptsächlich durch die Unterstützung von Forschungsprojekten, in Festlegung der Gesetze und Rahmenbedingungen, die sich auf Milchproduzenten auswirken sowie als Verantwortlicher für die Grenzkontrolle in Fragen der Biosicherheit.  Der Milchproduzentenverband Dairy NZ vertritt alle Milchproduzenten, fördert die Entwicklung der Betriebe durch Forschung und die Aus- und Weiterbildung. Der Verband arbeitet an der Umsetzung der strategischen Ziele der Milchindustrie unter dem Motto: "Making dairying work for everyone". Das geschieht durch Investitionen in Forschung, Entwicklung, Dialog und Leadership.

Der Fokus von Dairy NZ liegt auf den Interessen der Farmer und der Milchbetriebe. Aber auch weiterreichende Themen der Milchindustrie gehören zum Aufgabenbereich von Dairy NZ, die internationale Wettbewerbsfähigkeit, gute Arbeitsbedingungen in den Betrieben, Nachhaltigkeit, Umwelt und Tierschutz. In Neuseeland gibt es etwa zehn Milchverarbeiter - über 90% ihrer Kapazität befindet sich in Hand der Milchproduzenten selbst. Die Verarbeiter sind Genossenschaften, unter ihnen Fonterra, Westland und Tatua. Ungefähr 85% der Milch in Neuseeland wird von der Fonterra Co-operative Group weiterverarbeitet. Open Country Dairy (5%), Westland (4%), Miraka (1%) und Tatua (1%) sind die nächstgrößten Verarbeiter. mr

Von Europa nach Asien

Nachdem Neuseeland seit dem frühen 19. Jahrhundert zu den Hauslieferanten für Lebensmittel Grossbritanniens gehörte, verlagert sich die Blickrichtung der Agrarexporteurs immer mehr nach Asien. China gehört inzwischen zu den Hauptmärkten und der Durst nach Produkten von der grünen Insel scheint ungebrochen.

Dies wurde den 85 Prozent aller Milchlieferanten, die an den Milchverarbeiter Fonterra liefern zum Verhängnis, als der Milchpulvernachfrage in China zusammenbrach und den Milchpreis mit in die Tiefe riss, teilweise gar halbierte. Aber auch der Milchkonzern wurde durchgeschüttelt, von den rund 17'000 Stellen mussten 700 abgebaut werden. 

Den zweiten Teil lesen Sie am kommenden Tag auf schweizerbauer.ch

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