5.09.2019 15:12
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
«Millionen gehen Bauern verloren»
Andreas Volkart recherchiert seit Jahren im Milchmarkt und spürt Missstände auf. Gegenüber schweizerbauer.ch erklärt, welche Missstände bei der Verkäsungszulage vorliegen. -> Mit Video

Andreas Volkart, gelernter Landwirt und Elektromechaniker, hat selber von 2008 bis 2012 Milch produziert. Seine Milch floss aber nicht in den Verkäsungskanal.

Bauern haben keine Einsicht

2011 hatte Emmi den Milchpreis gesenkt. «Die fadenscheinige Begründung des Milchverarbeiters liess mich aktiv werden», erklärt Volkart. Seither engagiert er sich, dass die Wertschöpfung wieder zu den Bauern gelangt.

Wo liegt der Missstand bei der Verkäsungszulage? «Es herrscht eine völlige Intransparenz. Min Fokus liegt auf dem Milchpreis bei den Zweit- und Drittmilchkaufverträgen. Der Missstand liegt darin, dass die Bauern die Zulage nicht einfordern können, weil ihnen die Einsicht in die Milchverträge fehlt», so Volkart.

Vertragsklausel

Zwischen den Verarbeitern und den Händlern bestehe zudem eine Vertragsklausel, die besage, dass die Zulage im Mischpreis einbegriffen sei. Die Handelsorganisation könne die Zulage so nicht korrekt ausweisen. Den Bauern werde dann der normale Molkereimilchpreis verrechnet. «Das ist derzeit die grösste Schweinerei. Ein Teil des Geldes versickert so bei Verarbeitern und gelangt nicht zu den Bauern», kritisiert Volkart. Der Bauer sei hier machtlos, das Geld einzufordern. «Den Milchbauern gehen so Millionen verloren», hebt er hervor.

Hilft nun der Entscheid des Bundesverwaltungsgericht? «Medial hat das bereits seine Wirkung gezeigt. Und das Bundesamt für Landwirtschaft hat nun auch eingeräumt, dass es die derzeitige Auszahlungspraxis nicht fortgeführt werden kann», führt Volkart aus. In der Praxis gebe es aber noch Probleme, wie der einzelne Bauer an die Zulagen kommt.

Zweit- und Drittmilchverträge verbieten

«Deshalb wäre es sinnvoll, Zweit- und Drittmilchverträge zu verbieten», macht Volkart deutlich. So müsste der Verarbeiter direkt eine Geschäftsbeziehung mit dem Milchbauer eingehen. Volkart schlägt als Alternative eine elektronische Plattform vor. «Dank der Blockchain-Technologie könnte der Bauer jederzeit einsehen, wer seine Milch verarbeitet hat», führt er aus.

Im Moment empfiehlt er den Milchbauern, mit Uniterre Kontakt aufzunehmen. Für Volkart ist aber klar, dass das BLW bei der Verkäsungszulage die Auszahlungspraxis umgehend ändern muss und dies nicht erst 2021 vollzieht. Und er begründet auch weshalb: «Bei der seit diesem Jahr bestehenden Milchzulage funktioniert die direkte Auszahlung an den Milchbauern ja auch.»

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