9.10.2016 17:15
Quelle: schweizerbauer.ch -
Milchmarkt
Milchindustrie erwartet steigende Preise
Der deutsche Milchindustrie-Verband (MIV) sieht die Wende am Milchmarkt gekommen und rechnet in absehbarer Zeit mit steigenden Erzeuger- und Verbraucherpreisen.

„Das Preistal ist durchschritten“, stellte MIV-Hauptgeschäftsführer Eckhard Heuser am Dienstag vergangener Woche in einer Pressemitteilung seines Verbandes fest und verwies dabei vor allem auf die Entwicklung am Weltmarkt. Dort seien die Notierungen an den internationalen Produktbörsen bereits merklich gestiegen, was auch hierzulande zu höheren Preisen führen werde.

Deutlich höhere Preise


Für den Milchbranchenexperten sind die Gründe für die Trendwende einleuchtend: Das Rohstoffangebot habe sich aufgrund des langen Sommers deutlich verringert und nicht zuletzt hätten die niedrigen Preise der letzten Monate die Milchbauern veranlasst, den Molkereien weniger Milch anzudienen. „Diese Entwicklung ist aber nicht auf politische Entscheidungen oder geplante Maßnahmen für eine Milchmengenreduzierung auf nationaler oder europäischer Ebene zurückzuführen“, betonte Heuser.

Der MIV-Hauptgeschäftsführer berichtete, dass vor dem Hintergrund dieser Entwicklung bereits heute grössere Abschlüsse mit dem deutschen Lebensmitteleinzelhandel verhandelt worden seien, die mittelfristig erheblich bessere Preise für die Milchbauern versprechen würden. Unter Berücksichtigung der Kontraktlaufzeiten sowie Zahlungsziele sei damit zu rechnen, dass im Spätherbst deutlich höhere Preise erzielt würden. Die Notierungen an den Spotmärkten hätten bereits reagiert und zeigten als Indikatoren anziehende Erzeugerpreise an.

BDM fordert sofortige Milchpreiserhöhung

Als „völlig inakzeptabel“ bezeichnete der Bundesverband der Milchviehhalter Deutschland (BDM) die Aussage des MIV, nach der angesichts laufender Kontrakte und Zahlungsziele erst mittelfristig mehr Geld an die Milchviehhalter ausbezahlt werden könne. Es dürfe nicht sein, dass Preissenkungen sofort, Preissteigerungen aber erst mit Zeitverzug an die Milchbauern weitergegeben würden. Unterschlagen werde in der Argumentation des MIV, dass nur ein Teil der Milchprodukte über längerfristige Kontrakte verkauft werde und die Molkereien bereits jetzt deutliche Mehrerlöse erzielten, erklärte der BDM.

Bei einem Aktionstag des Verbandes am Dienstag vergangener Woche hatten Milchviehhalter bundesweit rund 30 Molkereien besucht und gefordert, dass alle Mehrerlöse sofort und vollständig an die Milchviehhalter weitergegeben werden müssten. Bei den anstehenden Kontraktverhandlungen zwischen Milchverarbeitern und Lebensmitteleinzelhandel müssten beide Parteien dafür sorgen, dass durch entsprechende Verträge ein Milchauszahlungspreis von mindestens 40 Cent/kg Milch möglich werde.

Der BDM-Vorsitzende Romuald Schaber hob hervor, dass sich viele Milcherzeuger zur Teilnahme am EU-Programm zur Milchmengenreduktion entschlossen hätten. Nun stünden Molkereien und Handel bei den laufenden Kontraktverhandlungen in der Verantwortung, die Situation der Milchviehhalter zu verbessern. Dabei ist es laut Schaber „nur recht und billig, dass jeder Cent Mehrerlös umgehend und vollständig bei den Milchbauern ankommt“.

Spotpreise bei 40 Cent

Das BDM-Ziel von 40 Cent pro Kilogramm Rohmilch (43 Rp./kg) ist laut Daten der EU-Kommission am Spotmarkt schon erreicht. Dort ist der Preis für freie Milch in Italien von April bis Anfang Oktober von 22 Cent/kg auf 39 Cent/kg (42.5 Rp.) gestiegen. In den Niederlanden wurde im gleichen Zeitraum eine Verteuerung von 23 Cent/kg auf 40 Cent/kg (43.6 Rp.) verzeichnet.

Von solchen Auszahlungsleistungen sind die „normalen Molkereien“ allerdings noch weit entfernt. Den Ergebnissen des Milchpreisvergleiches des niederländischen Bauernverbandes (LTO) zufolge, zahlten 15 führende Milchverarbeiter in Nord- und Mitteleuropa im August für das Kilogramm Standardmilch mit 4,2 % Fett und 3,4 % Eiweiss im Mittel 26,19 Cent (28.5 Rp.). Damit ist der Milchpreis den zweiten Monat in Folge gestiegen und lag um 0,80 Cent oder 3,2 % über dem Juliniveau.

Auch der Abstand zum Vorjahresmonat hat sich weiter verkürzt; dieser betrug gegenüber August 2015 allerdings noch 4,08 Cent/kg beziehungsweise 13,5 %. Laut LTO haben viele Molkereiunternehmen für September und Oktober Milchpreiserhöhungen angekündigt, so dass sich die Trendwende am Milchmarkt fortsetzen wird.

Sodial über 30 Cent

Im August haben nach Angaben der LTO insgesamt sieben der 15 betrachteten Molkereiunternehmen das Milchgeld erhöht. Am stärksten fiel das absolute Plus mit 2,74 Cent bei der belgischen Milcobel aus, die mit 25,0 Cent/kg aber unter dem Schnitt aller Molkereien auszahlte. Mehr Geld für ihre Milch erhielten auch einige französische Milchbauern. So erhöhte Lactalis nach den Protesten der Erzeuger den Milchpreis gegenüber Juli um 2,39 Cent auf 29,87 Cent/kg (32.55 Rp.).

Bei Sodial verbesserte sich die Auszahlungsleistung um 1,45 Cent auf 30,41 Cent/kg, Danone zahlte laut LTO mit 30,98 Cent/kg nach der norditalienischen Granadolo mit 36,35 Cent/kg den höchsten Preis im LTO-Vergleich. Weiter aufwärts ging es auch mit dem Milchgeld für die Lieferanten der irischen Molkereien: Dairygold erhöhte im Vergleich zum Juli seinen Ankaufspreis für das Kilogramm um 1,0 Cent, Glanbia um 2,0 Cent und Kerry um 2,4 Cent.

DMK Schlusslicht

Die Milchbauern der Müllermilch konnten sich über eine Aufstockung des Milchgeldes um 1,0 Cent auf 24,64 Cent/kg (26.9 Rp.) freuen. Die auch in Deutschland vertretenen Grossmolkereien FrieslandCampina und Arla zahlten der LTO zufolge im August mit 24,24 Cent/kg beziehungsweise 24,51 Cent/kg dagegen unverändert aus; für September ist jedoch ein Anstieg um jeweils 1,2 Cent/kg angekündigt. Im Oktober sollen bei FrieslandCampina 3,0 Cent und bei Arla 2,0 Cent je Kilogramm hinzukommen.

Für die Lieferanten des Deutschen Milchkontors (DMK) gab es nach Angaben des niederländischen Bauernverbandes im August ebenfalls keine Preiserhöhung; sie erhielten 20,25 Cent/kg (22 Rp.). Die Vergütung für Anlieferungen im September soll jedoch um 2,2 Cent aufgebessert werden. Allerdings dürfte das größte deutsche Molkereiunternehmen auch dann weiterhin den letzten Platz im LTO-Ranking belegen.

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