18.04.2016 08:18
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE/blu
Deutschland
Milch: Verluste bei Produzenten immer grösser
Die Milchbauern in Deutschland können einen immer geringeren Teil ihrer Produktionskosten durch Erlöse aus dem Milchverkauf decken.

Wie die Milcherzeugergemeinschaft (MEG) Milch Board am Freitag mitteilte, standen im Januar 2016 durchschnittlichen Kosten von 44,94 Cent (49 Rp.) je Kilogramm erzeugter Milch lediglich Produzentenpreise von 28,66 Cent/kg (31,2 Rp.) im deutschen Mittel gegenüber.

Historischer Tiefstand

Laut MEG hat mit dem aktuellen Wert von 0,64 die Preis-Kosten-Ratio einen neuen historischen Tiefpunkt erreicht. Zum Jahresbeginn hätten den Milchbauern somit zur Vollkostendeckung 16,28 Cent/kg (17,7 Rp.) gefehlt, was einer Unterdeckung von 36% entspreche. Mehr als ein Drittel der Kosten der Milchproduktion werden durch die Erlöse nicht mehr abgedeckt, mahnt das MEG. 

"Weiter so" keine Option mehr

Nach Einschätzung des MEG-Vorsitzenden Peter Guhl wird sich die Lage in den kommenden Monaten noch weiter verschärfen: „Wir alle kennen die Milchpreisentwicklung seit Januar. Wenn die Preis-Kosten-Ratio bei einem deutschlandweit durchschnittlichen Milchpreis von 28,66 Cent bei 0,64 lag, wo liegt sie dann im April, wo im Juni?“

Er sieht die Branche am Ende der Sackgasse, und „jeder muss für sich jetzt zugeben, dass ein ‚Weiter so’ keine Option mehr ist“. Politik und Verbände müssten endlich ihre Schockstarre beenden, und Denkverbote dürfe es nicht mehr geben. Klar sei, so Guhl, dass die Menge runter müsse und auch die Lieferbeziehungen auf den Prüfstand gehörten. An Lösungen müsse die gesamte Branche arbeiten.

„Equipe Milch“ als Anfang

Mit dem am Montag vergangener Woche unter dem Titel „Equipe Milch“ ausgerichteten Treffen von Vertretern der wichtigsten land- und molkereiwirtschaftlichen Verbände sei ein Anfang gemacht worden. Der MEG-Vorsitzende befürwortet deshalb die Einrichtung einer Arbeitsgruppe unter der Führung einer neutralen Schiedsperson. „Die ‚Equipe Milch? hat eines gezeigt: Der Dialog in der Wertschöpfungskette wurde viel zu lange vernachlässigt“, erklärte Guhl. Seiner Meinung nach habe eine gut moderierte Branchenorganisation mit Vertretern der Milchbauern, der Molkereien und des Handels das Potential zur Entschärfung dieser Krise und zur Vermeidung neuer Krisen.

Dem Vorsitzenden des European Milk Board (EMB), Romuald Schaber, geht das nicht weit genug. Er sieht die EU in der Pflicht, deren bisher beschlossene Massnahmen nicht ausreichten. Notwendig sei die Realisierung des Marktverantwortungsprogramms, das ein Bonus-Malus-System zur Milchmengensteuerung für alle Produzenten in der EU vorsehe.

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