11.10.2017 18:14
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
Milch: «Fettpreise müssen steigen»
Am 1. Oktober 2017 wurde der Richtpreis für Molkereimilch im A-Segment um 3 Rappen auf 68 Rappen pro Kilo angehoben. Die Erhöhung wurde auf breiter Front umgesetzt. Die Fettpreiserhöhung ist aber noch ausstehend. Der Schweizer Bauernverband fordert die Marktakteure, diese umzusetzen.

Während Monaten verharrten die Produzentenpreise für Molkereimilch auf sehr tiefen Niveau. Viele Milchbetriebe gerieten in eine prekäre wirtschaftliche Situation. Zahlreiche Bauern haben in der Folge die Produktion aufgegeben.

Richtpreiserhöhung umgesetzt

Der Schweizer Bauernverband (SBV) forderte die Verarbeiter und Händler im Mai und Juni auf, den festgelegten Richtpreis zu bezahlen und ungerechtfertigte Abzüge einzustellen. Ende Juni machte der SBV in einer Schätzung die ausbezahlten Produzentenpreise der vier grössten Milchverarbeiter öffentlich.

Die Migros-Tochter Elsa zahlte gemäss der Schätzung mit 58.95 Rp./kg den höchsten Produzentenpreis aus, es folgten mit 4 Rappen Differenz Hochdorf (55.70 Rp./kg) und Emmi (55.55 Rp./kg). Am Schluss der vier grossen Verarbeiter stand Cremo (50.55 Rp./kg). Der SBV hat per Anfang Oktober die Schätzung aktualisiert. Es zeigt sich, dass die Richtpreiserhöhung von 3 Rappen von den vier Verarbeitern durchgesetzt wurde. «Das ist positiv», schreibt der Verband. Zudem wurden die Abzüge teils deutlich gesenkt.

Hochdorf reduziert Abzug deutlich

Hochdorf reduzierte den Abzug für die Beitragslücke beim Schoggigesetz um einen Rappen auf 1.5 Rp./kg. «Die tieferen Abzüge für das Schoggigesetz sind aufgrund der gesunkenen Preisdifferenzen zwischen dem Schweizer und dem europäischen Milchpreis eine logische Konsequenz», hält der SBV fest. Emmi senkte den Abzug um 0.1 Rp. auf 0.4 Rp./kg. Die übrigen Abzüge blieben unverändert bestehen.

Der Bauernverband sieht aber weiteren Handlungsbedarf. Er fordert die Verarbeiter aus, sämtliche Abzüge auf ein Minimum zu reduzieren oder ganz zu streichen. So bezahle der Bund über das Schoggigesetz wieder 90% der Preisdifferenzen. «Wenn überhaupt sind nur noch minimale Abzüge gerechtfertigt», hält der Bauernverband fest.

Rekordpreise im Ausland

Damit sich die effektiven Produzentenpreise dem Richtpreis annähern, muss eine Korrektur der Fettpreise nach oben stattfinden. Gemäss dem Bauernverband ist dies bisher nicht passiert oder die Erhöhung ist nicht bis zu den Produzenten gelangt. Die von der Branchenorganisation Milch (BOM) in Aussicht gestellte Erhöhung sei zwingend umzusetzen und in Form von höheren Preise weiterzugeben, fordert der Bauernverband.

Begründet wird diese Forderung mit rekordhohen internationalen Butterpreisen und der sehr tiefen Lagerbeständen in der Schweiz. Und nicht nur der Detailhandel, sondern auch die Industrie müsse den Fettpreis erhöhen, heisst es in der Mitteilung.

Hochdorf distanziert Emmi

Aufgrund des höheren A-Nettopreise und der tieferen Abzüge erhöhte sich die Produzentenpreise der vier grössten Milchverarbeiter der Schweiz auf den 1. Oktober im Vergleich zur Junischätzung zwischen 1.93 bis 3.45 Rp. Den höchsten Produzentenpreis bezahlt nach wie vor die Migros-Tochter Elsa. Dieser erhöhte sich um 3 Rp. auf 61.94 Rp,/kg. Der Produzentenpreis beim grössten Milchverarbeiter Emmi weist mit 1.93 Rp./kg den geringsten Anstieg auf. Gemäss der SBV-Schätzung bezahlen die Luzerner einen Produzentenpreis inklusive Mehrwertsteuer von 57.47 Rp./kg.

Einen deutlich höheren Preis realisieren die Lieferanten von Hochdorf. Dank der Senkung des Schoggi-Gesetz-Abzuges schlägt durch, der Produzentenpreis steigt um 3.45 Rp je Kilo auf 59.17 Rappen. Schlusslicht bleibt Cremo. Die Erhöhung fällt mit 2.8 Rappen aber um einen Rappen höher als bei Emmi aus. Gemäss Schätzung des SBV liegt der Produzentenpreis nach Bereinigung aller Abzüge bei 54.42 Rp./kg.

In der jüngsten Schätzung hat Hochdorf Emmi distanziert und kommt auf Rang 2. Im Vergleich zu Emmi weist Hochdorf einen geringeren Anteil an B-Milch aus und reduzierte die Abzüge. Cremo bleibt auf am Schluss der Rangliste, verringert aber den Abstand zu Emmi. 

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