24.05.2019 09:58
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Milchmarkt
Milch: Bund setzt auf Markt
BLW-Direktor Bernard Lehmann anerkennt, dass der Milchpreis nicht kostendeckend ist und dass das Kräfteverhältnis auf dem Milchmarkt zulasten der Bauern wirkt. Aber griffige politische Lösungen sieht er dafür keine.

BLW-Direktor Bernard Lehmann sprach vergangene Woche an der Versammlung der TSM Treuhand in Bern. Wir geben hier einige seiner Aussagen zum Milchmarkt wieder.

Zum Weltmarkt: «Der globale Milchkonsum pro Kopf steigt. (...) Man kann mit steigenden Weltmarktpreisen rechnen. Das heisst: Was importiert wird, wird teurer, und was exportiert wird, kann teurer verkauft werden. Das ist eine gute Botschaft für unsere Milchwirtschaft. » 

Zur Milchmenge: «Wie von uns im Jahr 2011 vorhergesagt, ist die produzierte Milchmenge in der Schweiz mit der AP 14–17 trotz Abschaffung der Tierbeiträge ungefähr konstant geblieben.» 

Zum Milchpreis: «Mit diesen Milchmengen haben wir Preise in der Schweiz, die nicht dazu führen, dass es kostendeckend ist (...) Das Preisnivau bringt Erlöse, die das kalkulierte Kostenniveau nicht oder kaum decken können. Das ist auch in der ganzen Europäischen Union der Fall. Und da ist die Frage: Wie kommt man aus dem heraus? Das ist eine Dauerfrage, die schon so alt wie ich. Und die Lösungen sind nie so gut, dass man die Frage nicht mehr stellt. Manchmal muss man auch sagen, es ist nicht alles so lösbar.» (Auf einer Folie Lehmanns stand wohl zu AOP noch das Wort «Mengensteuerung»,  ohne dass Lehmann darauf zu sprechen kam. Den von den Schweizer Milchproduzenten (SMP) unter Präsident Peter Gfeller verfolgten Ansatz einer Milchmengensteuerung in Produzentenhand verhinderten Milchverarbeiter, Detailhändler, Bundesrat unter Mithilfe des  BLW.) 

Zu den Milchbauern: «Ökonomisch gesehen ist es einfach so, dass mehr Produzenten bleiben, beziehungsweise dass mehr Milch angeboten wird, als es der Kostendeckungsgrad erlaubt. Die Geduld oder die Hoffnung, dass es besser wird, ist der Grund, weshalb man da drinbleibt. Das ist trotz grossem Strukturwandel ein Problem.»

Zu den Marktstrukturen: «Man ist einfach nicht zufrieden mit diesen Milchpreisen. () Es ist ein starker Leidensdruck da bei den Milchpreisen. () Die Frage ist: Ist in diesem schon etwas asymmetrischen Gebilde – hier die Milchproduzenten, auf der anderen Seite wenige Verarbeiter/Händler, und viele Konsumenten –  etwas verbesserungwürdig aus der Sicht der Produzenten? Es ist schon so, es ist ein Kräfteverhältnis () wenn sehr viele hoffen, ihre Mengen abzubringen und viele eben noch immer von der Milch überzeugt sind () führt das in der Summe zu etwas höheren Mengen und entsprechend auch  zu tieferen Preisen. Und da hat man ja vor vier Jahren, nach dem Gipfel auf dem Gurten inmitten der Krise, versucht herauszuarbeiten, was man verbessern kann mit Transparenz, Berechenbarkeit und Verträgen, das wurde ja dann umgesetzt mit Hilfe der Allgemeinverbindlichkeit für den Standardvertrag. () Es braucht auch die Einsicht, dass man nicht immer alles so regeln kann, wie man möchte. Wer meint, die Aare könne nach oben fliessen, liegt falsch. Es gibt gewisse Marktgegebenheiten, die sind da. () Etwas Realismus ist hier sehr wahrscheinlich angesagt.»  

Zur Mehrwertstrategie: «Das Kostenniveau in der Schweiz ist hoch. Also muss man es so positionieren, dass man sagt: Es ist nicht nur teuer, es hat auch eine hohe Qualität und Sicherheit. (...) Hut ab vor dem Grünen Teppich, den die Branchenorganisation Milch beschlossen hat. () Ich finde das sehr gut. Sie agieren, statt zu reagieren. So können Sie im Markt bleiben und werden nicht von innen angegriffen.» 

Zu den Initiativen: Lehmann sieht eine Zukunft voller Herausforderungen, aber auch Chancen. Mit Blick sicher auch auf die Trinkwasser-Initiative sagte er zum Schluss seines Vortrags: «Lassen wir uns nicht kaputtmachen von diesen destruktiven Initiativen, die bevorstehen.» 

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