23.05.2019 11:42
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Hasler
Milchmarkt
Marktaussichten trüben sich ein
Einige Milchverarbeiter denken über höhere Deklassierungsabzüge nach und sprechen von einem Konsumrückgang, gerade vor der Saison, in der die Bio-Milch eigentlich gesucht ist und auch gut bezahlt wird.

Auf dem Bio-Milchmarkt ist etwas in Gang. Bereits seit Längerem ist bekannt, dass wieder eine Warteliste für Bioproduzenten eingeführt wird. So soll der Markt geschützt werden. Doch nun scheint in verschiedenen Bereichen der Bio-Milchkonsum zurückzugehen.

Mooh: Verkäufe unter Vorjahr

René Schwager, Geschäftsführer der Milchhandelsorganisation Mooh, sagte an deren Generalversammlung im April, dass die Verkäufe von Biomilchprodukten Anfang Frühling unter dem Vorjahreswert gelegen hätten. In der jüngsten  Produzenteninfo für den Monat Mai macht Mooh ihre  Bauern erneut auf die Überproduktion aufmerksam und schreibt: «Bei der Bio-Milch ist das Überangebot am grössten, da nicht nur das Angebot grösser geworden ist, sondern auch die Nachfrage unter dem Vorjahresniveau liegt. Obwohl wir zu Jahresbeginn dachten, wir könnten die ganze Umstellmilch im Frühling 2019 absetzen, sind wir jetzt gezwungen, entsprechende Anreize zu geben, um die Nachfrage hoch zu halten.» 

Höhere Deklassierungsabzüge

Lukas Inderfurth von Bio Suisse weist auf die grössere Produktion hin: «In den letzten Jahren hat Bio Suisse jeweils fast 400 neue Produzenten dazugewonnen, unter anderem auch wegen Bio-Offensiven einiger Kantone oder verlockenden Preisen in Teilmärkten», erklärt Inderfurth. Im Februar 2019 wurden bereits 2000 Tonnen Bio-Milch mehr deklassiert als noch im Jahr zuvor. Inderfurth relativiert aber: «Dass die Frühlingsmonate mit viel Milch verbunden sind, ist bekannt. Nun kann sie nicht vollständig in den angestammten Biomärkten abgesetzt werden.»

Auch die Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) stehen vor dem Problem der zu deklassierenden Mengen. Sie schreiben in ihrem Infoblatt im Mai: «Die Preise für Bio-Milch Knospe steigen saisonal. Aufgrund der hohen Einlieferungen bei der Biomilch gehen wir aktuell davon aus, dass wir die Deklassierungsabzüge im zweiten Halbjahr 2019 erhöhen müssen.» Nichtsdestotrotz lassen diese Signale der Milchvermarkter offene Fragen.

Die Biomilch gewinnt zunehmend an Wichtigkeit und macht inzwischen 6.3 Prozent der gesamten Schweizer Milchproduktion aus. Auf rund 4'000 Betrieben werden jährlich über 230'000 Tonnen Biomilch produziert. Rund 170 zertifizierte Molkereien verarbeiten die Milch zu verschiedenen Produkten. Beliebt sind vor allem Trinkmilch und Käse, welche zusammen knapp 63 Prozent der Verwertung ausmachen.

Mehr Milch, mehr Butter

Interessant ist die aktuelle Statistik zur Bio-Milch-Verarbeitung. Unter dem Strich wurden von Januar bis März 2019 4,4% mehr Milch aus Knospeproduktion verarbeitet als im Vorjahreszeitraum. Inderfurth gibt aber zu bedenken: «Die aktuellen Zahlen zum Bio-Milchabsatz sind je nach Kanal unterschiedlich. Die Verwertung lag über dem Vorjahr, allerdings nahm das Butterlager am deutlichsten zu.» Erfahrungsgemäss ist dies ein Hinweis auf eine gewisse Überproduktion.

Man müsse zurzeit noch etwas abwarten mit einer Markteinschätzung, heisst es von verschiedenen Seiten, so habe 2018 das Coop-Naturaplan-Jubiläum zu einer überdurchschnittlichen Steigerung der Bio-Milchverarbeitung von 6,8% geführt, was die Analyse des langfristigen Markttrends erschwere. 

«Kritisch» sieht Bio Suisse die Milchproduktion ab 2020, denn auf dieses Jahr würden zahlreiche Produzenten erstmals Bio-Milch liefern können. Die Warteliste soll den Markt stabil halten. Zudem will Bio Suisse auch an der Absatzförderung arbeiten. «Unsere Bio-Milchproduzenten bezahlen dieses Jahr mehr ein für die Absatzförderung. Diese Massnahme wurde bereits letztes Jahr beschlossen, und es wurden gezielt Aktivitäten geplant», erklärt Inderfurth.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE