25.07.2020 19:59
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Deutschland
Kunden bestimmen Milchpreis
In Deutschland gibt es eine neue Milchmarke. Konsumenten konnten auf einer Plattform bestimmen, wie die Milch produziert werden soll und was sie kosten darf. Die Landwirte erhalten einen besseren Milchpreis. Zu kaufen gibt es die neue Marke bei Rewe.

Die Initiative «Du bist hier der Chef» geht in Deutschland neue Wege. Die Initianten haben ein klar definiertes Ziel: Sie wollen die Kontrolle über die Ernährung zurückerlangen. 

Produktionskette kennen

Das wollen sie erreichen, indem sie zusammen den Prozess zu fairen und nachhaltigen Produkten von der Produktion bis hin zur Vermarktung selbst bestimmen. Sie wollen damit das verantwortungsbewusstes Handeln stärken 

«Wir wollen wissen, wo unsere Lebensmittelprodukte herkommen, wie sie hergestellt werden, welche Qualitätsunterschiede dies bedingt. Tierwohl, regionale Produktion aus Deutschland und faire Vergütung für die Landwirte liegen uns am Herzen», heisst es denn auch auf der Website.

Weide und regionales Futter

In den vergangenen Monaten konnten die Konsumenten bei einer Online-Befragung bestimmen, welche Anforderungen die Milch zu erfüllen hat. Per Fragebogen konnten sich die Konsumenten zu Preis, Qualität, Regionalität, Tierwohl sowie zu der gewünschten Vergütung der Landwirte äussern. Rund 9'300 Personen haben teilgenommen.

Und gemäss lebensmittelpraxis.de soll die Milch folgende Punkte umfassen: Die Kühe müssen mindestens vier Monate Weidegang haben, im Stall während der Vegetationsperiode überwiegend Frischgras fressen. Die Futtermittel sollen ausschliesslich regional hergestellt werden. Die Anwendung eines neuen Tiergerechtheitsindex (ein Punktesystem mit fünf Einflussfaktoren) soll ein Mehr an Tierwohl im Stall sicherstellen. Der Kriterienkatalog geht über den deutschen Bio-Standard hinaus. 

Anforderungen Landwirte

Kühe verbringen mindestens 4 Monate auf der Weide; Milch aus biologischer Landwirtschaft; In der Vegetationsperiode wird überwiegend Frischgras gefüttert; Regional hergestelltes Futter: mind. 50% aus eigener Produktion / Rest aus angrenzenden Bundesländern; Jeder Betrieb wurde vor Einführung der Milch von der Molkerei bewertet und erhielt eine Tiergerechtheitsindex-Punktzahl zwischen 9 und 45 (laut vordefinierter Skala). Um sich als produzierender Betrieb für die "Verbraucher-Milch" zu qualifizieren, müssen alle Betriebe eine Mindestpunktzahl von 28 Punkten erreichen. -> Hier gehts zum Index

13 Landwirte produzieren für Marke

Die erste Milch im Supermarkt, die komplett nach den Wünschen der Konsumenten entwickelt wurde, wird nun tatsächlich produziert. 13 Landwirte der Upländer Bauernmolkerei produzieren nun nach diesen Vorgaben für die neue Marke. Die Konsumenten haben bei der Befragung auch einen fairen Milchpreis für die Bauern gefordert. Und die 13 Landwirte erhalten pro Kilo Milch 58 Cent (62,2 Rp.). Das ist deutlich mehr als der durchschnittliche Preis für Biomilch. Dieser liegt bei 47 Cent (50.4 Rp.).

Landwirt Sven Lorenz ist zufrieden. «Die neue Marke ist eine Chance, den Konsumenten tatsächlich mitzunehmen. Wir produzieren genau nach seinem Wunsch und er kann sich mit unserer Milch identifizieren», sagt der Vorsitzender der Milcherzeugergemeinschaft Hessen. Auf seinem Hof leben rund 100 Milchkühe. Auf der Verpackung weist der Schriftzug «Diese Milch wurde von uns Verbrauchern gewählt» auf die Wahl hin. «Das gab es so alles noch nicht. Die Konsumente sehen schon auf der Verpackung, was anders ist», so Landwirt Lorenz. 

Im Laden deutlich teurer

Verkauft wird die Milch seit dieser Woche derzeit in rund 400 Filialen des Detailhändlers Rewe im Bundesland Hessen. Im Laden kostet die Milch 1,45 Euro (1,55 Fr.), als deutlich mehr als die anderen Marken in den Regalen. Als erste Variante gibt es frische Bio-Weidemilch mit einem Fettgehalt von mindestens 3,7 Prozent. Folgen sollen eine fettarme Frisch- sowie H-Milchvarianten, die die gleichen Kriterien erfüllen.

Rewe hat sich gemäss agrarheute.com verpflichtet, die Milch während 3 Jahren im Sortiment zu belassen. Und es gibt bereits Pläne, das Angebot an Produkten unter der Marke «Ich bin hier der Chef» zu erweitern. Eier, Kartoffeln und Butter sollen folgen. Die Initianten legen grossen Wert auf Transparenz bei der Gestaltung des Ladenpreis. Der Landwirt erhält 58 Cent, die Molkerei und der Handel erhalten zusammen 70 Cent, 7 Cent geht an die Initianten und 10 Cent sind fällig als Mehrwertsteuer.

Idee aus Frankreich

Die Idee von «Ich bin hier der Chef» stammt ursprünglich aus Frankreich und wurde 2016 ins Leben gerufen. Wie merkur.de schreibt, gibt es unter dem Namen «C’est qui le patron?!“» bereits bei 35 Produkte. Viele Konsumenten waren tatsächlich bereit, für solche Milch über 2 Franken pro Liter zu bezahlen. 

Das Konzept wurde so gut angenommen, dass es mittlerweile Apfelsaft, Apfelkompott, Butter, Hacksteak, Joghurt und Fertigpizza von «Du bist hier der Chef» gibt.

Wie setzt sich der Preis eines Produktes zusammen?

Die Initianten haben sich im Voraus mit Landwirten und Produzenten zusammengesetzt und besprochen, was nötig ist, um die verschiedenen Anforderungen fair zu erfüllen. Die jeweiligen Parteien (Landwirt, Produzent, Handel, "Du bist hier der Chef!") bekommen je nach Anforderungen einen abgestimmten Anteil.

Wie wird gewährleistet, dass die veranschlagte Vergütung bei den Landwirten ankommt?

Die gewählten Produzenten verpflichten sich, die Landwirte zum vereinbarten Preis zu vergüten. Dies lassen wir von der Initiative doppelt kontrolliert: durch eigene Besuche vor Ort und durch ein externes Prüfungsinstitut.

Wer steckt hinter der Konsumenten¬marke «Du bist hier der Chef!»?

Die Idee einer Initiative, die selbst Lebensmittel¬produkte gestaltet, wurde 2016 von den Brüdern Nicolas und Laurent Chabanne sowie von Laurent Pasquier in Frankreich entworfen. Anschließend wurde die Konsumentenmarke «C’est qui le patron!?» geschaffen.

Nicolas Barthelmé hat die Idee der französischen Initiative 2018 entdeckt. Er entschied sich kurzerhand, die Initiative auch nach Deutschland zu übertragen. Offiziell ist die neue deutsche Konsumeten-Bewegung im Juni 2019 mit der Gründung des gemein-nützigen Vereins «Die Gemeinschaft „Du bist hier der Chef! Die Verbrauchermarke» und der «DBHDC – Die Verbrauchermarke UG» gestartet. Alle von deutschen Konsumeten gestalteten Produkte werden zukünftig unter der Marke «Du bist hier der Chef!» vermarktet.

Quelle: dubisthierderchef.de

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