9.09.2020 18:02
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Umfrage
Eigene Verpackung für Importbutter?
In der Schweiz gibt es zu wenig Butter. Die Lücken werden mit Einfuhren geschlossen. Diese Ware wird in derselben Verpackung verkauft wie Schweizer Butter. Sollte Importbutter in einer anderen Verpackung verkauft werden? Abstimmen und mitdiskutieren

In der Schweiz werden pro Jahr rund 43'000 Tonnen Butter verkauft. Derzeit gibt es aber zu wenig Schweizer Butter. Deshalb hat die Branche beschlossen, die Lücken mit Importen zu schliessen. Insgesamt wurden beim Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) Butterimporte in der Höhe von rund 3000 Tonnen beantragt. Die Kontingente wurden auch bewilligt.

«Hergestellt in der Schweiz»

Mit den rund 3000 Tonnen Butterimporten sei die Versorgung gewährleistet, versichert die Branchenorganisation Milch (BOM). In den vergangenen Wochen und Tagen tauchte die erste Importbutter aus der EU in den Regalen des Detailhandels auf. Dass diese Butter in derselben Verpackung verkauft wie jene der Marke «Die Butter», sorgt für viel Wirbel und für Verärgerung. 

Denn den meisten Konsumenten dürfte nicht bewusst sein, dass in der Verpackung ausländische Butter steckt. Zwar fehlt das Schweizer Kreuz auf der Vorderseite. Auf der Rückseite der Butterverpackung ist zwar der Aufdruck «Herkunft EU» aufgedruckt. Doch die Aufschrift «Hergestellt in der Schweiz» wird gleichzeitig weiterverwendet. Und die Butter wird zum Aktionspreis feilgeboten, unter anderem bei der Migros.

«Kennzeichnung korrekt»

«Die Auszeichnung der Herkunft ist gesetzlich geregelt – und so wie die Produkte gekennzeichnet sind, ist es korrekt», sagt Peter Ryser, Geschäftsführer der Branchenorganisation Butter, zu «20 Minuten». Die EU-Butter kommt laut Ryser hauptsächlich aus Deutschland, Belgien und Irland. Beim Geschmack gebe es praktisch keine Unterschiede.

Die Importbutter seien für die Detailhändler nicht günstiger, sagt ein Migros-Sprecher zu «20 Minuten». Man zahle den Herstellern denselben Preis wie für Schweizer Ware. Es mutet aber seltsam an, dass die Migros den Verkaufspreis um 15 Rappen je 250-Gramm-Mödeli gesenkt hat.

«Detailhandel hat das Sagen»

Die Bauernorganisation BIG-M tut ihren Ärger über die Importe in ihrem jüngsten Newsletter kund. «Wir Milchbauern sind empört. Im Detailhandel wird neuerdings Importbutter in der gleichen Verpackung wie «Die Butter» verkauft. Diese Marke war bisher ein Garant für Schweizer Butter», heisst es dort. 

BIG-M ist über das Vorgehen entrüstet. Beim Beschluss, die Importe zu beantragen, habe noch Einigkeit geherrscht, dass die Importbutter nicht unter dieser Marke verkauft werde. «Der Detailhandel stellt jetzt aber klar, wer im Milchmarkt das Sagen hat», hält BIG-M fest. Die Organisation sieht die Marke «Die Butter» durch dieses Vorgehen arg in Mitleidenschaft gezogen. Leidtragende seien die Milchproduzenten. 

«Butterwerbung braucht es nicht mehr»

Sorglos werde Importbutter in einer «Schweizerischen» Verpackung verkauft. Die Importbutter werde aber unter ganz anderen Bedingungen produziert. Schweizer Kühe würden gentechfrei gefüttert und könnten während mindestens 90 Tagen nach draussen gehen. Die EU ringe immer noch um ein Tierwohlprogramm und um eine Verschärfung von Umweltauflagen, die die Schweiz längst umgesetzt habe.

BIG-M ist auch enttäuscht über die Verbände, insbesondere über die Schweizer Milchproduzenten (SMP). Diese hätten diese Wertvernichtung einfach hingenommen oder noch gar nicht bemerkt. Für die bäuerlichen Interessengemeinschaft für einen fairen Milchmarkt (BIG-M) ist klar: «Die Millionen für die Butterwerbung braucht es nicht mehr, um Importbutter anzupreisen. Diese können ab sofort sinnvoller verwendet werden, indem man sie den Molkereimilchproduzenten ausbezahlt. Diese haben das dringend nötig», so die Forderung der Organisation.

Auf der Website diebutter.ch heisst es, dass Butter dieser Marke ausschliesslich aus Schweizer Kuhmilch hergestellt und  keinerlei Zusatzstoffe enthält. Nun wurde ein Hinweis platziert: «Aktuell wird Die Butter für kurze Zeit aus Importbutter hergestellt. Die momentan produzierte Menge an Schweizer Butter reicht nicht aus, um die Nachfrage decken zu können. Dies ist auf die saisonal tiefe Butterproduktion, den in den letzten Monaten gestiegenen Butterabsatz (Leute haben sich vermehrt zu Hause verpflegt) und den reduzierten Einkaufstourismus zurückzuführen.» Ab Oktober werde Die Butter voraussichtlich wieder aus Schweizer Produktion stammen, heisst auf der Website.

Nicolet gelangt an Bundesrat

Die Verpackung rund um die Importbutter hat nun auch Bundesbern erreicht. Nationalrat und Milchproduzent Jacques Nicolet (SVP/VD) wendet sich mit einer Frage an den Bundesrat. Er erachtet die Verpackung als irreführend. Nicolet will nun von der Landesregierung wissen, ob diese beabsichtigt, eine getrennte Verpackung zu verlangen, auf der der Herstellungsort der importierten Butter klar angegeben ist.

Wie denken Sie darüber? Sollte Importbutter in einer anderen Verpackung verkauft werden? Oder spielt das für Sie keine Rolle? Abstimmen und mitdiskutieren

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