30.06.2015 10:54
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
D: Massnahmenpaket für Milchmarkt gefordert
Der Deutsche Bauernverband (DBV) sieht durch das anhaltende Preistief die Rentabilität der Milchproduktion in Deutschland und die Liquidität auf den Milchbetrieben gefährdet. Das DBV-Präsidium hat deshalb ein umfassendes Massnahmenpaket zur Verbesserung der Marktsituation sowie zur Unterstützung der Milchviehbetriebe erarbeitet und dieses am vergangenen Mittwoch auf dem Bauerntag in Erfurt vorgestellt.

Für die schwierige Marktsituation macht der DBV vor allem die derzeit verhaltene internationale Nachfrage und die Auswirkungen des russischen Importembargos verantwortlich. Die Molkereien werden deshalb aufgerufen, ihren Absatz nach Ländern und Produkten stärker zu diversifizieren, um einseitige Abhängigkeiten zu vermeiden.

Strukturen des Molkereisektors anpassen

Neben dem Export sollte aber auch auf die Potentiale von Markenbildung und regionaler Produktion gesetzt werden. Dringend empfohlen wird, die Strukturen des Molkereisektors anzupassen, um die Verhandlungsposition gegenüber dem Lebensmitthandel zu stärken. Das Wettbewerbsrecht biete die Möglichkeit, sich durch Kooperationen, Kontorbildung oder Fusionen zu einem gleichberechtigten Verhandlungspartner zu entwickeln, erläuterte der Bauernverband.

Zudem seien die Lieferbeziehungen so zu gestalten, dass sowohl die landwirtschaftlichen Unternehmen als auch die Molkereien mit planbaren Grössen wirtschaften könnten. Dazu zähle auch, dass die Milchverarbeiter für ihre Lieferanten die Vorteile einer Risikoabsicherung über Warenterminmärkte nutzten und so den Produzenten eine längerfristige Preisplanung ermöglichten.

Handel darf Marktmacht nicht missbrauchen

Den Lebensmittelhandel fordert das DBV-Präsidium auf, seine Marktmacht nicht zu missbrauchen. Die offensichtliche Preisführerschaft weniger Ketten gelte es ansonsten kartellrechtlich zu prüfen, erklärte der DBV. Intensiv beworbene Niedrigpreisstrategien gefährden nach seiner Ansicht die hohen Produktions- und Qualitätsstandards sowie die Bemühungen um mehr Tierwohl.  Stattdessen müsse ein Konsumentenbewusstsein entwickelt werden, dass gesellschaftlich gewünschte Leistungen der Bauern - wie Umwelt- und Tierschutz oder Landschaftspflege - zu höheren Produktionskosten und damit auch zu höheren Ladenpreisen führten.

An die Politik gerichtet fordert der DBV, die von den EU-Milchbauern gezahlte Superabgabe des letzten Quotenjahres von rund 900 Mio. Euro dem Milchsektor und insbesondere den Produzenten möglichst schnell zugutekommen zu lassen. Ausserdem müsse das Sicherheitsnetz für Krisenzeiten, bestehend aus privater Lagerhaltung und öffentlicher Intervention, genutzt und eine Anpassung der Interventionspreise an höhere Produktionskosten vollzogen werden.

Bereithalten eines Liquiditäts- und Bürgschaftsprogramms für Milchbauern

Zur Erschliessung von Drittlandsmärkten werden die politischen Entscheidungsträger von DBV dazu aufgerufen, bilaterale Handelsabkommen voranzutreiben und veterinärrechtliche Handelsbeschränkungen abzubauen. Auch bedürfe es politischer Initiativen, um den Handel mit Russland wieder in Schwung zu bringen. Von besonderer Bedeutung sei zudem in Zeiten stärkerer Preisvolatilitäten das Bereithalten eines Liquiditäts- und Bürgschaftsprogramms für die Milchbauern und die Einführung steuerlicher Instrumente für die einzelbetriebliche Risikovorsorge.

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