18.10.2017 10:27
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Deutschland
D: Dunkle Wolken am Milchmarkt
In Deutschland werden monatlich neue Rekordpreise erreicht – dies vor allem für Butter. Nun sprechen bereits einige Marktakteure vor einem Ende des Höhenflugs. Vor allem die Bauern befürchten einen Rückgang der Preise.

In den vergangenen Monaten kannten die Preise für Butter, Rahm, Milch und Joghurt nur eine Richtung – jene gegen oben.

Krise im ersten Halbjahr 2016

Das sah vor noch nicht allzu langer Zeit ganz anders aus. Im ersten Halbjahr 2016 unterschritten die Erzeugerpreise teilweise die 20 Cent-Marke (22 Rp.) je Kilo. Für die Milchbauern war die Lage verheerend und existenzbedrohend. Nicht wenige Betriebe gaben in der Folge die Produktion auf. Gründe für das Absinken der Preise waren die Aufhebung der Milchkontingentierung im April 2015, der wegfallende russische Markt und eine geringere Nachfrage nach Milchprodukten in Europa und China.

Im zweiten Halbjahr 2016 begannen die Bauern die Produktion zu drosseln. Zudem schüttete die Europäische Union und die EU-Staaten Nicht-Lieferprämien aus. Weiter wurden Milch verpulvert und eingelagert. Dies führte zu einer spürbaren Entlastung, aber zu riesigen Milchpulverlagerbeständen. Dank dieser Massnahmen begannen die Preise stetig zu steigen.

Leichte Entspannung für Produzenten

Weil in der Folge die Nachfrage, insbesondere auch nach Milchfett, gestiegen ist, legten die Preise zu. Der durchschnittliche Produzentenpreis in Deutschland liegt derzeit bei 38 Cent (43.3 Rp.) je Kilo, in den Monaten zuvor bei 35 Cent (40 Rp.). Für die Milchbauern führte der Preisanstieg zu einer Entlastung.

«Damit konnte man wieder die Rechnungen bezahlen und die eine oder andere aufgeschobene Reparatur. Aber an eine Rückführung der Kredite ist überhaupt nicht zu denken», sagt Hans Foldenauer gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Nach Berechnungen des Büros für Agrarsoziologie und Landwirtschaft (BAL) liegen die Erzeugerkosten bei 41 Cent je Liter Milch. Die Bauern können ihre Kosten immer noch nicht decken.

Dunkle Wolken

Und nun droht neues Ungemach. Die Milchproduktion in Deutschland, wie in der Schweiz auch, im Steigen begriffen. Das Plus gegenüber dem Vorjahr liegt derzeit bei 3 Prozent. «Wir steuern auf das Rekordniveau von November 2015 zu», warnt Foldenauer. Auch in Österreich, Frankreich, Polen oder Grossbritannien nehmen die Einlieferungen teils deutlich zu. «Ich sehe das mit grosser Sorge. Meines Erachtens steuern wir auf die nächste Milchmarktkrise zu», sagt Foldenauer der dpa.

In Deutschland bewegen sich die Preise Anfang Oktober am Spotmarkt zwischen 36,50 und 37,50 Cent und damit deutlich unter der 40-Cent-Marke. Damit sind die Preise am Spotmarkt (erstmals seit Mai) niedriger als die letzten für den Monat August gemeldeten Erzeugerpreise für Rohmilch, berichtet agrarheute.com. Die Spotmarktpreise für Rohmilch gelten im Allgemeinen als Frühindikator für die Preisentwicklung am Milchmarkt. Ein Spotmarkt ist der ökonomische Ort, an dem Angebot und Nachfrage von Kassageschäften aufeinandertreffen.

Im November stehen die Milchpreisverhandlungen zwischen Händlern und Molkereien an. Die Preise werden jeweils für ein halbes Jahr vereinbart. Die Marktmacht der Detailhändler ist aber enorm. Die 5 grössten Ketten realisieren zusammen 80 Prozent des Umsatzes – Bauern und Molkereien agieren nicht geeint. Von den Verhandlungen hängt der Preis in den kommenden Monaten ab. Ute Egner vom Statistischen Bundesamt geht nicht von sinkenden Preisen aus, wie er gegenüber der «Westdeutschen Zeitung» sagt.

Konsumenten entscheiden mit

Eine wichtige Rolle spielen auch die Entscheide der Konsumenten. Kaufen diese weniger Milchprodukte, drückt sich das auch im Milchpreis aus. Die Butter erlebt einen regelrechten Preisboom. Der Butterpreis ist im September so stark gestiegen wie seit rund 26 Jahren nicht mehr. Das Speisefett kostete gut 70 Prozent mehr als vor einem Jahr, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das war der stärkste Anstieg in einem Einzelmonat seit 1991.

250 Gramm Butter kosten im Laden nun rund 2 Euro (2.30 Fr.), nur unwesentlich weniger als in der Schweiz. Auch andere Milchprodukte wurden in deutschen Läden deutlich teurer. Rahm ist 34 Prozent teurer als vor einem Jahr, Frischmilch 27 Prozent und Hartkäse 11 Prozent. Die Konsumenten haben auf die Preise bereits reagiert, der Absatz ging zurück. Sofort reagierten auch die Preise für Butter im Handel. Erstmals seit Februar gingen die Butterpreise im europäischen Grosshandel (und auch an den Exportmärkten) Anfang Oktober zurück. Die Butterpreise lagen bei 634 Euro (722 Fr.)  je 100 kg und damit unter dem letzten Allzeithoch von Mitte September von 650 Euro (741 Fr.).

Was passiert in der Schweiz?


In der Schweiz sind seit Juli die Einlieferungen ebenfalls wieder zunehmend. Sollten die Preise im EU-Raum wieder sinken, wäre das für die Schweizer Milchproduzenten kein gutes Zeichen. Die Preisdifferenz hat sich in den vergangenen Monaten dank steigenden Preise in der EU und dem sich abschwächenden Franken verkleinert. Nimmt die Differenz wieder, dürfte der Druck auf die Preise in der Schweiz zunehmen.

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