19.05.2020 10:27
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Milchmarkt
Butter: BLW bewilligt Importe
Für 2020 zeichnet sich erstmals seit Jahren eine ungenügende Versorgung des Marktes mit Schweizer Butter ab. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) erhöht deshalb das Importkontingent Butter um tausend Tonnen, wie es am Dienstag mitteilte.

Anfang Mai seien die Butterlager auf einem sehr tiefen Stand von 2300 Tonnen gewesen, heisst es in einer Medienmitteilung des BLW. Aufgrund der stabilen Milcheinlieferungen und der gleichzeitig höheren Käseproduktion sei in den vergangenen Monaten weniger Milchfett für die Butterherstellung zur Verfügung gestanden.

2,3 Prozent der jährlichen Buttermenge

Die Branchenorganisation Milch (BO Milch) habe deshalb ein Gesuch gestellt, das Importkontingent für Butter zu erhöhen. Das BLW habe daraufhin entschieden, das Teilzollkontingent Butter wie beantragt auf den 1. Juni 2020 um tausend Tonnen zu erhöhen. Die Versteigerung der Kontingentsanteile laufe bis am 26. Mai 2020.

Tausend Tonnen entsprechen rund 2,3 Prozent der pro Jahr in der Schweiz verkauften Buttermenge. Die Branchenorganisation begründet gemäss Angaben des BLW ihr Gesuch damit, dass bis Ende April erfahrungsgemäss rund viertausend bis fünftausend Tonnen Butter in den Tiefkühllagern liegen sollten, um die Versorgung mit Butter über das ganze Jahr zu sichern.

Engpass auf Ende Jahr verhindern

«Einen Engpass bei der Butterversorgung insbesondere auf Ende Jahr gilt es zu verhindern», schreibt das Bundesamt für Landwirtschaft. Die Erhöhung des Importkontingents gelte nur für das laufende Jahr. Die Verarbeiter und der Handel hätten im Rahmen der Gespräche in der BO Milch zugesagt, die Milchproduzenten an den durch das knappe Angebot an Milchfett zu erwartenden Preisaufschlägen für Butter zu beteiligen.

Am 1. April 2020 hatte der Bundesrat mit der Änderung der Agrareinfuhrverordnung die Kompetenz zur Erhöhung des Teilzollkontingents Butter bis Ende September 2020 ans BLW delegiert. Diese Kompetenzverschiebung ermögliche ein rascheres Handeln im Hinblick auf eine angemessene Versorgung des Schweizer Buttermarkts.

Innerhalb des Teilzollkontingents kann Butter zum tieferen Kontingentszollansatz von 20 Rappen pro Kilogramm importiert werden. Gemäss der Agrareinfuhrverordnung werden die Kontingentsanteile versteigert.

Milch fliesst in Käseherstellung

Als Hauptgrund für die tiefe Butterproduktion machte die Branchenorganisation Butter (BOB) die Käseproduktion verantwortlich. Zusätzliche Milchmengen aus dem Industriebereich seien in die Käseherstellung fliessen, teilte die BOB Ende März mit. 

Es brauche deshalb zusätzliche Anreize, damit wieder mehr Milchfett in die Butterherstellung fliesse, so die Branchenorganisation weiter. Die BOB hat deshalb ihren internen Richtpreis für zu Butter verarbeiteten Industrierahm auf den 1. Juli 2020 um 60 Rappen je Kilo Fett erhöht.

Bundesrat hat Kontingente bewilligt

Die Branchenorganisation warnte aber, dass dies reicht nicht ausreiche, um die kommende Fehlmenge kompensieren zu können. Diverse Butterprodukte müssten ab Mitte Jahr auf Importbutter umgestellt werden, hielt die BO Butter fest. Diese Massnahme dauere so lange, bis die Inlandproduktion die Nachfrage wieder abdecken könne.

Produzenten partizipieren

Die Branchenorganisation Milch (BOM) im April beim Bundesamt für Landwirtschaft einen Antrag zum Import für 1000 Tonnen Butter gestellt. «Ohne Gegenmassnahmen zeichnet sich bis Ende Jahr ein Versorgungsengpass ab», warnte die BOM. In der Schweiz werden pro Jahr rund 43'000 Tonnen Butter verkauft.

Der Entscheid für diesen Antrag erfolge unter der Zusage der Verarbeiter und des Handels, dass der Mehrerlös des zu erwartenden höheren Marktpreises für Schweizer Butter den Produzenten weitergegeben wird, teilt die BOM weiter mit. Konkret heisst das: Für die betroffenen Milchlieferanten rechnet die BOM mit einen Preisaufschlag pro Kilogramm Milch zwischen 0,6 bis 1,0 Rp. Dieser Aufschlag müsse aber noch durch die Marktakteure ausgehandelt werden, schränkt die BOM ein.

«Gesuch ist nicht leicht gefallen»

Die BOM verwies beim Importbegehren auch auf die hohe Nachfrage nach Butter. Diese lasse einen Aufbau der Butterlager derzeit nicht zu. «Am Lager sind derzeit rund 1500 t», schreibt die BOM.

«Damit die Versorgung mit Butter über das ganze Jahr gesichert bleibt, sollten in der Schweiz Ende April 4000 bis 5000 t Butter in den Tiefkühllagern liegen», hielt die BOM fest. Für eine langfristige Versorgung sind für die BOM Importe unumgänglich. Der Entscheid für ein Importgesuch sei der BO Milch nicht leicht gefallen. «Wir hätten die Butter lieber aus inländischer Produktion, da die Versorgung mit einheimischer Butter in unserer Branche einen hohen Stellenwert hat», hiess es weiter.

Kritik von Bauern

Dieses Gesuch stiess dem Schweizer Bauerverband sauer auf. «Es ist ein Affront gegenüber den Schweizer Milchproduzenten. Butterimporte zum jetzigen Zeitpunkt sind nicht angezeigt», kritisierte der Verband.

Denn derzeit würden die Butterlager wieder steigen. Zudem würden die Produzentenpreise im Mai teilweise sinken und die Abzüge blieben unverändert hoch. Die von der Branche angekündigte Erhöhung des Fettpreises am 1. Juli 2020 von 60 Rappen je Kilo ist für den Bauernverband ungenügend. 

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