12.09.2018 18:02
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
BTS oder Raus und kein Palmfett
Der Vorstand der Branchenorganisation Milch (BOM) einigte sich vergangene Woche auf einen Branchenstandard für nachhaltige Milch. Nun wurden auch die zehn zwingenden Kriterien publiziert. Dafür soll der Milchbauer einen Zuschlag von 2 Rappen je Kilo erhalten.

Der Branchenstandard für nachhaltige Milch wird Tatsache. Die BOM hat die Einführung am Donnerstag beschlossen. Die Einführung ist auf dem 1. Juli 2019 terminiert. Ziel ist es, dass nach einer Übergangsfrist von 4 Jahren sämtliche Schweizer Milch nach strengeren Kriterien produziert und verarbeitet wird. Produzenten, die nach den Kriterien produzieren, erhalten einen Zuschlag von 2 Rappen je Kilo.

Nun hat die BOM die zehn zwingengen Anforderungen aus den Bereichen Tierwohl, Fütterung und «weitere Anforderungen» publiziert. Die Grundanforderungen müssen erfüllt sein, um den Zuschlag zu erhalten. auf der Milchgeldabrechnung und weitere Zusatzanforderungen, damit die Milch dem Branchenstandard „Nachhaltige Milch“ entspricht. Sämtliche so produzierte Molkereimilch wird mit einem auf der Milchgeldabrechnung separat ausgewiesenen Zuschlag von 2 Rappen entschädigt:

Zwingende Anforderungen

Fünf Anforderungen aus dem Bereich Tierwohl 

RAUS –BTS: Die Kühe müssen an einem der beiden (oder beiden) Tierwohlprogramme des Bundes teilnehmen. BTS steht für besonders tierfreundliche Stallhaltung, RAUS steht für regelmässigen Auslauf.
Kälberhaltung: Die Mindesthaltedauer auf dem Geburtsbetrieb beträgt bei allen geborenen Kälbern 21 Tage.
Mindestmelkintervall: Die Kühe müssen mindestens zweimal pro Tag gemolken werden.
Einhaltung Richtlinien ASR: Die Tierhalter, welche mit ihren Tieren an Schauen und Aus-stellungen gehen, müssen sich verpflichten, die Richtlinien ASR einzuhalten.
Keine Trächtigkeit bei Schlachtkühen: Bei Schlachtkühen muss die Nicht-Trächtigkeit nachgewiesen gemäss der Branchenregelung Proviande eingehalten werden. 

Zwei Anforderungen im Bereich Fütterung
Sojaschrot: Falls Sojaschrot in der Fütterung verwendet wird, muss dieses nachweislich aus nachhaltigen Quellen stammen.
Palmfett und Palmöl: Die Fütterung der Milchkühe kommt zu 100% ohne Palmfett oder -öl aus.

Drei weitere Anforderungen 

Antibiotikaeinsatz: In der tiermedizinischen Behandlung dürfen ohne tierärztliche Anordnung keine kritischen Antibiotika verwendet werden, welche wegen der möglichen Resis-tenzbildung in der Humanmedizin umstritten sind. 
Biodiversität: Das Bundesprogramm ÖLN muss erfüllt werden. Dies bedeutet, dass in der Regel mindestens 7% der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche besondere Leistungen zur Biodiversität erfüllen. 
Name der Kuh und Kalb: Jede Kuh hat ab Geburt einen Namen, welcher in der TVD eingetra-gen ist. Damit wird die für den Familienbetrieb typische Beziehung Tierhalter zum Tier zum Ausdruck gebracht.

Zusätzliche Anforderungen:
Die BOM will in den kommenden Wochen diese Zusatzanforderungen definieren. Sie stammen aus  den Bereichen Aus- und Weiterbildung, Klima, Tierwohl und Antibiotika. Zwei Kriterien müssen die Bauern auswählen und erfüllen.

Gemäss der Branchenorganisation sollen für die Anforderungen keine externen Kontrollen notwendig sein. «Es müssen in den kommenden Monaten lediglich die Zugriffsrechte auf diese Daten sichergestellt werden damit garantiert werden kann, dass sämtliche auf den Markt kommende Milch tatsächlich nach den definierten Kriterien produziert worden ist», schreibt die BOM am Mittwochabend.

2017 haben 19'951 Betriebe Direktzahlungen bezogen, Milchkühe gehalten und Verkehrsmilch abgeliefert. 83% machten bei Raus mit, davon 35% zugleich bei BTS, zusätzliche 3% waren nur für BTS angemeldet. Es bleiben 14% der Betriebe mit 9% der Kühe, die bei keinem der beiden Programme mitgemacht haben. Das entspricht um die 2'800 Betriebe, die von einem BOM-Kriterium «BTS oder Raus» betroffen gewesen wären

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