5.12.2019 17:52
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
Boykott und höherer Milchpreis
Am Milchmarkt herrscht dicke Luft. Der Import von EU-Butter macht Bauern hässig. Uniterre fordert die Konsumenten auf, diese Butter nicht zu kaufen. Zudem fordert die Gewerkschaft eine sofortige Erhöhung des Milchpreises

Der Import vom EU-Butter durch die Migros die Gemüter erhitzt. Mit der Einfuhr von 100 Tonnen Butter soll einheimische Ware nicht konkurrenziert werden. «Die Importe füllen lediglich die Lücke, welche sich leider aktuell in diesem Segment aufgetan hat», so die Migros gegenüber «Schweizer Bauer». 

Uniterre empört

Momentan herrsche ein Milch- und folglich auch ein Rahmmangel, fährt sie fort. Sobald genügend Schweizer Ware vorhanden sei, werde wieder ausschliesslich Schweizer Butter in den Regalen stehen, beteuert die Migros. Landwirtinnen und Landwirte sind ob der Massnahme der Detailhändlerin verärgert.

Nun meldet sich auch die Bauerngewerkschaft Uniterre zu Wort. Deren Milchkommission ist empört. «Kommt es zu einer Überproduktion, werden die Produzenten zur Kasse gebeten. Gibt es einen Mangel, sind es die Konsumenten. Und natürlich werden auch die Bauernfamilien davon nicht profitieren. Denn derzeit erwägt niemand eine Erhöhung des Richtpreises», kritisiert Uniterre am Donnerstag in einem Communiqué.

Öffnung der Grenze befürchtet

Das Ziel des Detailhandels sei eindeutig, folgert die Organisation. «Durch den anhaltenden Preisdruck werden Bäuerinnen und Bauern gezwungen, ihre Milchproduktion einzustellen», moniert Uniterre. Die Folge sei ein Milchmangel. Und dies könnte aus der Sicht der Organisation gravierende Konsequenzen nach sich tragen.

«Die Marktakteure können ‘ganz legitim’ die Öffnung der Grenzen fordern, um die Lücke zu schliessen», so Uniterre. Die Öffnung der weissen Linie werde dann Realität. «Wer ist dann noch stark genug, um die Milchproduktion in der Schweiz mit all den damit verbundenen Einschränkungen fortzusetzen?», fragt sich Uniterre.

Überleben der Bauernfamilien sicherstellen

Uniterre schlägt Massnahmen vor. Bis die Branchenorganisation Milch (BOM) und die Schweizer Milchproduzenten (SMP) reagieren, sollen die Konsumenten auf den Kauf der Importbutter aus Deutschland und Belgien verzichten. Stattdessen sollen sie direkt bei den Bauern oder kleineren Käsereien einkaufen.

Zudem fordert Uniterre eine sofortige Erhöhung des Milchpreises, rückwirkend auf den 1. November 2019. «Es geht darum, einen wichtigen Teil unseres Erbes zu erhalten und das Überleben der rund 19’000 Bauernfamilien zu sichern, um dieses einzigartige Wissen zu erhalten», so die deutlichen Worte von Uniterre.

Rund 100 Tonnen Butter werden aus der EU importiert. Für deren Herstellung in der Schweiz hätte es gut 2 Millionen Kilogramm Milch gebraucht.

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