30.09.2020 11:19
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Milchmarkt
BOM: 0,9 Rp./kg für mehr Butter
Am Mittwoch trafen sich die Delegierten der Branchenorganisation Milch (BOM) in Bern zu einer ausserordentlichen Versammlung. Sie beschlossen, dass ab Sommer 2021 wieder 0,9 Rp./kg eingezogen werden. Damit soll nicht wie früher der Export von Butter, sondern jetzt neu von Milcheiweiss gefördert werden. Das Ziel ist mehr Butter aus einheimischer Produktion.

Auf der Traktandenliste standen Änderungen an den Reglementen zu den beiden Fonds, welche die BOM seit Anfang 2019 führt. Peter Hegglin, Präsident der Branchenorganisation Milch (BOM), sagte einleitend, dass die Reglemente an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst werden sollen.

«Zu wenig Butter – eigentlich erfreulich»

Über die Jahre sei zu viel Butter im System gewesen sein, jetzt gebe es zu wenig Butter. «Unsere Reglemente sind aber nach wie vor einseitig darauf ausgerichtet, Butter zu exportieren.» Für die Produzentenseite sei eine Unterversorgung mit Butter leichter zu managen als eine Überversorgung. Trotzdem möchte man die Butter selbst herstellen, statt dass dafür Importkontingente benötigt werden. Das Ziel der Reglementsänderungen ist laut Hegglin, die Butterherstellung in der Schweiz wirtschaftlich attraktiver zu machen. 

BOM-Geschäftsführer Stefan Kohler betonte, dass sich in den letzten Jahren die Situation bei der Butter wirklich grundlegend geändert habe. Dass jetzt Importbutter in den Regalen liege, sei eigentlich ein Zeichen für einen gesunden Markt, stosse aber bei weiten Kreisen der Bevölkerung auf Unverständnis. «Eigentlich ist es eine erfreuliche Entwicklung, denn wir exportieren lieber gut- bzw. hochpreisigen Käse und importieren dafür etwas Butter aus dem Weltmarkt.» Beim Wort «hochpreisig» war im Saal ein Räuspern zu hören, denn es ist allgemein bekannt, dass es auch Käse im Billigsegment gibt, der exportiert wird. 

0,9 Rp./kg wieder einziehen 

Der Antrag des BOM-Vorstandes lautete, dass die 0,9 Rp./kg Milch, die für den Fonds Regulierung (Export überschüssiger Butter) wieder eingezogen werden. Weil in diesem Fonds 10 Millionen Franken vorrätig ist, ist der Einzug dieser 0,9 Rp./kg seit letztem Herbst ausgesetzt. Das gibt pro Jahr zusätzliche 14 Millionen Franken. Mit ihnen soll der Export von Eiweiss gefördert werden, damit für den Inlandmarkt wieder mehr Butter zur Verfügung steht und weniger Butter importiert werden muss.

Heute ist das Problem, dass es für die Magermilch bzw. für das Eiweiss, das bei der Herstellung von Butter anfällt, sozusagen keine Verwendung gibt, was die Butterproduktion hemmt. Der Einzug der 0,9 Rp./kg startet erst nach einer Übergangsphase. Die Reglementsänderungen treten am 1. Januar 2021 in Kraft, die ersten sechs Monate werden aber mit bestehenden Mitteln abgedeckt. So ist damit zu rechnen, dass die 0,9 Rp./kg ab Sommer 2021, wohl ab 1. Juli 2021, wieder eingezogen werden. 

Butterherstellung soll attraktiver werden  

Konkret sollen 7 Millionen Franken pro Jahr in eine neu zu schaffende Box für die Stützung von Milcheiweiss-Exporten fliessen, wie BOM-Geschäftsführer Stefan Kohler ausführte. Die Stützung beträgt rund 1 Fr./kg Protein. Die Milch dafür stammt aus dem B-Milch-Kanal. Damit werde das A-Segment nicht negativ tangiert, der durchschnittliche B-Preis werde damit etwas näher an den A-Preis herankommen. «Wir erwarten, dass die Butterhersteller dank dieser neuen Box auf dem Milchmarkt etwas bessere Chancen haben, um Milch einzukaufen und dass damit mehr Butter hergestellt wird», so Kohler. 

Die anderen 7 Millionen Franken sollen in die bisherige Box für die Rohstoffverbilligung von Milchprodukten in verarbeiten Produkten fliessen. So wird die Butter in exportierten Guetzli und das Vollmilchpulver in exportierter Schokolade mit mehr Mittel gestützt. Das heisst, dass die heute teils hohen vertikalen Abzügen auf den Milchgeldabrechungen bei Milchlieferanten sinken sollten, die Milch an Abnehmer liefern, die relativ viele Produkte für diese Kanäle liefern (Hochdorf, Emmi, Nestlé). 

Export von Milcheiweiss stärker stützen 

Weiter beantragte der BOM-Vorstand, dass im Fonds Rohstoffverbilligung bei der Stützung das Verhältnis Milchfett zu Milcheiweiss flexibilisiert wird. Bei Buttermangel wird das Milchfett weniger, dafür das Milcheiweiss höher gewichtet d.h. besser gestützt im Export. Die Folge ist laut Kohler, dass der Anreiz für Veredelungsverkehr von heute Eiweiss auf neu Milchfett verlagert wird. Das heisse, dass tendenziell mehr Milchfett in der Schweiz bleibe. Auch auf diesem Weg soll mehr Milchfett für die Verarbeitung von Butter zur Verfügung stehen.   

Bei der Berechnung der Exportbeiträge gilt heute ein fixes Verhältnis von 60 zu 40. Neu soll bei Butterknappheit im Inland das Stützungsverhältnis auf 55 zu 45 festgelegt werden. Dies hat zur Folge, dass bei Milchfettknappheit dort weniger Exportbeiträge ausbezahlt werden. Wird im Berechnungsschema das Schweizer Milcheiweiss nicht mehr nur mit 40 % des Gesamtwertes bewertet, sondern mit 45 %, führt dies automatisch zu höheren Beiträgen für das Milcheiweiss und tieferen für das Milchfett. Für den Monat Oktober 2020 zum Beispiel würden für das Milcheiweiss nicht mehr nur 4,05 Rp. pro kg ausbezahlt, sondern 7,28 Rp. Entsprechend gäbe es für das Milchfett nur noch 15,47 Rp. anstelle von 18.70 Rp pro kg Milch.

Käser sagen Ja, wollen aber aufpassen 

In der Diskussion ergriff Jacques Gygax, Direktor des Käserverbands Fromarte, das Wort. Fettunterversorgung habe Seltenheitswert, Fromarte werde das Paket im übergeordneten Sinn der Branche unterstützten. Es sei aber wichtig, dass es zu keiner Wettbewerbsverzerrung zu Ungunsten der Käsebranche komme. Man werde das bei der Umsetzung genau beobachten. 

Gygax’ Votum zeigt, dass es bei den Käsern durchaus Befürchtungen gibt, dass jetzt wieder mehr Milch zu den grossen Butterherstellern Cremo und Emmi fliesst statt zu den Käsereien bzw. dass Käsereien mehr bezahlen müssen, wenn sie gleich viel Milch einkaufen wollen.    

Milchproduzent Martin Hübscher mahnte 

Martin Hübscher, Präsident der bäuerlichen MIlchhandelsorganisation mooh, sagte aus Produzentensicht, dass dies ein äusserster Kompromiss sei und man nicht in allen Punkten glücklich sei. Man könne ihn nur mittragen, weil er befristet sei. Beim Verhältnis Fett zu Eiweiss wird der neue starre Wert problematisch gesehen. Bei den Weisungen erwarte er volle Transparenz, wann sogenannter Buttermangel herrsche.

Man dürfe dann nicht von einer Mangel- direkt wieder in eine Überschusssituation komme. Das würde überhaupt nicht verstanden. Von Produzentenseite wird laut Hübscher generell schlecht verstanden, dass mit Produzentengeldern Butterexport gestützt wird, während gleichzeitig Butter importiert wird. «Unterschätzt das Signal gegen aussen nicht», mahnte Hübscher. 

Butterimporte gaben schlechte Presse

Martin Hübscher vermisst auf Verarbeiter- und Händlerseite die nötige Sensibilität. Die Butterimporte hätten schlechte Presse ausgelöst, die völlig unnötig sei. Die Milchbranche habe generell ein negatives Image in der Land- und Ernährungswirtschaft. Viele Jungen würden sich wegen dieses negativen Images aus der Milchproduktion verabschieden, da müsste die Branche gemeinsam daran arbeiten, um Perspektiven zu entwickeln. Trotz zu wenig Butter sei der Milchpreis nicht gestiegen, anders als dies bei den Schweinen jeweils der Fall sei. «Helfen Sie mit, das Image unserer Branche zu verbessern, und helfen Sie mit, dass alle in der Branche, auch die Milchproduzenten, gute Zukunftsaussichten haben», so Hübscher.  

Hegglin erwiderte, dass der Preis für Butter in der Schweiz zwar gestiegen sei, was auch den Produzentenpreis befördert habe, das sei aber leider durch die tieferen Proteinpreise zunichtegemacht worden. Zum Image sagte er, man mache jetzt viel mit der Werbung für den neuen Branchenstandard Swiss Milk Green. Am Markt sei ja aktuell Butter mehr gefragt als Palmöl. Und ja, die Haltung von Milchkühen, sei halt anspruchsvoller und aufwändiger als die Haltung anderer Tiere. Nichtsdestotrotz sei die Schweiz als Grasland zur Haltung von Milchkühen geeignet.  

Emmi-Bauern verlieren, machen aber trotzdem mit 

Andreas Hitz, früherer BOM-Vizepräsident, sprach für die ZMP und für die Mittelland Milch, die zu 80% bzw. zu 100% an die Molkerei Emmi liefern. Die heute anstehenden Beschlüsse seien eine Umverteilungsübung. Sie würden Firmen und Milchproduzenten unterstützten, die stark und einseitig im Milcheiweissgeschäft tätig sind. Ohne dass er damit den Namen nannte, meinte er damit wohl vor allem die Molkerei Cremo.

«Emmi wird durch diese Umverteilungsübung kurzfristig verlieren. Die vorliegenden Beschlüsse werden aber Ruhe in den Markt bringen und eine stützende Wirkung für alle Milchproduzenten haben. Darum unterstützen ZMP und Mittelland Milch diese Anträge», so Hitz. Aber man fordere die BOM auf, sicherzustellen, dass diese Gelder der Produzenten vollumfänglich wieder bei den Produzenten ankommen (via Milchpreiserhöhungen). Wenn das nicht der Fall sein werde, werden sich ZMP und Mittelland Milch bei der jährlichen Überprüfung dafür einsetzen, dass die nun beschlossenen Anpassungen wieder rückgängig gemacht werden.  

Hegglin stört sich Importbutter unter «Die Butter» 

Dann ergriff Marc Benoît von der Milchproduzentenorganisation Prolait das Wort. Die Produzenten müssten von den Reglementsänderungen profitieren. Er kritisierte unter anderem, dass die Butterhersteller (Cremo, Emmi und Fuchs) in der Branchenorganisation Butter durchgesetzt haben, dass Importbutter unter der Marke «Die Butter» in die Läden gekommen sei. Damit hätten sie gegen einen Beschluss der BOM verstossen.

BOM-Präsident Peter Hegglin, erwiderte, dass sich die BOM an diesem Verhalten der Butterhersteller gestört habe und dass man diesbezüglich eine Aussprache im BOM-Vorstand geführt habe. Man hoffe, dass dies in Zukunft anders gehandhabt werde.  

Keine Gegenstimme 

Markus Willimann, Emmi-Manager und Präsident der Vereinigung Milchindustrie (VMI), empfahl ebenfalls Zustimmung, es sei ein austariertes Paket. In der Abstimmung gab es auf Produzentenseite 37 Ja zu 0 Nein. Auf der Seite der Verarbeiter und der Händler waren es 34 Ja, 0 Nein und 4 Enthaltungen. Präsident Hegglin dankte für das Vertrauen in den BOM-Vorstand. 

Kein Wort zu Einhaltung Richtpreis 

Die Milchbauern-Basisorganisation BIG-M hatte im Vorfeld kritisiert, dass sich die Butterhersteller Emmi und Cremo mit der Verpackung von Importbutter im Kleid von «Die Butter» über einen BOM-Beschluss hinweggesetzt hatten. Es sei zu befürchten, dass die 0,9 Rp./kg eingezogen werden, ohne dass für die Milchproduzenten einen Milchpreiserhöhung resultieren werde.

Darum sollten die Milchverarbeiter via Reglementsergänzung darauf verpflichtet werden, dass sie bei ihrem Milcheinkauf die Richtpreise einhalten müssen (für A-Milch ist das 71 Rp./kg franko Rampe), wenn sie aus den Fonds Gelder beziehen wollen. Diese Forderung war an der BOM-Versammlung kein Thema und wurde von niemandem eingebracht. 

Kontrolle unmöglich

Am Rande der Versammlung in Bern verwiesen Branchenvertreter darauf, dass der Grossteil der Gelder aus dem Fonds Rohstoffverbilligung an exportierende Firmen (z. B. Schokoladehersteller wie Mondelez/Toblerone, Lindt & Sprüngli) gehen, die selbst keine Milch einkaufen. Dieser Umstand würde laut BOM eine Kontrolle der Einhaltung der Richtpreise (bei der Milch, die in der Schoggi landet als Vollmilchpulver) quasi verunmöglichen.

Es gibt aber auch Firmen wie Emmi und Nestlé, die direkt betroffen wären, weil sie Caffé Latte und Babynahrungsprodukte selbst exportieren und bei Direktlieferanten und Milchhandelsorganisationen Milch einkaufen. 

Hinterberger statt Oberli im Vorstand 

Käsermeister Christian Oberli aus Rossrüti SG trat aus dem Vorstand der BOM zurück. Er war seit der Gründung der BOM im Jahre 2009 dabei. Markus Willimann würdigte ihn als sehr engagiertes Vorstandsmitglied, das in den Vorstandsverhandlungen für seine Standpunkte hart gefochten habe. Nun wird Oberli durch Käsermeister Andreas Hinterberger aus Gais AR abgelöst, der bisher schon als Suppleant gewirkt hat. Als Suppleant ersetzt ihn Benoît Kolly aus Praroman FR. Hinterberger und Kolly wurden von den BOM-Delegierten ohne Gegenstimme gewählt.

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