16.07.2019 19:27
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sal
Milchmarkt
«Anliegen der Bauern ernst nehmen»
Am Dienstag protestierten Milchbauern vor dem Hauptsitz der Migros Aare in Schönbühl. Sie kritisieren die Milchpreissenkung von 2,5 Rappen. Werner Locher hat sich mit einem offenen Brief an die Migros-Verantwortlichen gewendet. Er appelliert an die Verantwortung des Detailhändlers.

«Die Situation lässt mir keine Ruhe. Am Montag war ein Artikel ‘Jeden Tag 30 Milchkühe weniger in der Schweiz’ aufgeschaltet», sagte Werner Locher, Uniterre-Mitglied und Sekretär von BIG-M, am Dienstag vor den Toren des Migros-Einkaufszentrum Shoppyland in Schönbühl.

Dies bedeute, dass die restlichen Kühe müssen einfach mehr Milch geben müssen, um dieselbe Menge zu erreichen, so Locher. Der ehemalige Milchbauer ist sehr besorgt. «Die Situation ist alarmierend. Ich habe versucht, einen Brief zu verfassen, um die Migros-Verantwortlichen zur Vernunft zu bringen», sagte er je vor rund 15 Bauern und Journalisten.

Der Brief lautete wie folgt:

«Liebe Migros. Der Milchmarkt in der Schweiz ist zurzeit in Ordnung. Zehntausende von Kühen sind auf den Alpen. Die Butterlager sind tief. Der Absatz der Milch läuft reibungslos. Warum senkt die Migros jetzt den Milchpreis? In der bäuerlichen Presse gab die Migros eine Erklärung dazu ab. Aber liebe Migros, warum erklären Sie Ihren Konsumenten nicht, warum Sie gerade im Juli den Milchpreise senken? Haben Ihre Kundinnen und Kunden kein Anrecht auf Informationen? Liebe Migros, so geht das nicht.

Sie wollen Ihren Konsumenten zeigen, dass Sie für die Heimat einstehen und verteilen an Schwingfesten Gratismützen mit der Aufschrift ‘Heimatliebe’. Aber was soll das? Das ist doch keine Heimatliebe, wenn die Migros genau diejenigen ruiniert, die zu einem wesentlichen Teil die Kultur und die Landschaft dieser Heimat mitgestalten.

Liebe Migros, so geht das nicht. Nehmen Sie die Anliegen der Landwirtinnen und Landwirt endlich ernst. Wir sind nicht blöd. Wir haben zwar keine akademische Ausbildung, aber wir sind durchaus in der Lage zu begreifen: Die Migros muss Gewinn erwirtschaften. Aber Sie müssen auch begreifen: Auch die Landwirtschaftsbetriebe müssen Gewinne machen, um zu überleben.

Wir sagen ja zu einer Partnerschaft zwischen Landwirtschaft und Detailhandel. Aber wir sagen nein zu einer Partnerschaft, in welcher ein Partner den anderen ruiniert. Dies ist keine Partnerschaft. Eine Partnerschaft ist es dann, wenn der eine für den anderen Verantwortung übernimmt. Wenn Sie, liebe Migros, diesen Weg mit uns gehen wollen, sagen wir ja. Es ist Ihre Entscheidung.»

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