7.03.2019 07:01
Quelle: schweizerbauer.ch - Rudolf Haudenschild, Daniel Salzmann
Milchmarkt
«5 Rp./kg mehr sind möglich»
Damit die Milchviehhalter in ihre Betriebe reinvestieren können, sind höhere Produzentenpreise für Molkereimilch dringend nötig. Aktuell ist die Milch knapp. Gemäss Marktkennern wäre ein Preisaufschlag möglich.

Die Milcheinlieferungen sind in den letzten Monaten markant zurückgegangen. Trotzdem werden viele Milchproduzenten mit ausbezahlten Preisen von unter 45 Rp./kg abgespiesen.

Hohe Margen absichern

Selbst mit der neuen Milchzulage des Bundes von 4,5 Rp./kg als Nachfolgelösung zum Schoggigesetz ist dies zu wenig. Laut der Aaremilch AG versuchen einzelne Verarbeiter, ihre im internationalen Vergleich sehr hohen Margen abzusichern und machen grossen Druck auf den Produzentenpreis. Das heisst: Die Milchproduzenten sind Restgeldempfänger. Die Milchpreise sind immer weniger kostendeckend. So haben jetzt auch grössere, modern eingerichtete und wirtschaftlich produzierende Betriebe zu kämpfen.

Peter Nüesch produziert in Widnau SG zusammen mit seinem Bruder Mathias in der Talzone mit zwei Melkrobotern ÖLN-Molkereimilch. Er sagt: «Die Situation ist auch für uns unbefriedigend. Wir können aus der Milchproduktion aktuell kein Geld auf die Seite legen, um dereinst reinvestieren zu können.»

Cremo und Hochdorf

Es erstaunt deshalb nicht, dass immer mehr Milchviehbetriebe umstellen. Sehr tief ist der Schweizer Preis auch, wenn man über die Grenze schaut. Der «Schweizer Bauer» weiss von ausbezahlten 38 Eurocents (43 Rp./kg) bei Ravensburg (D) – dies bei bekanntlich viel tieferen Kosten im EU-Raum.

Nun sagt ein ausgewiesener Marktkenner: «Wichtige Milchverarbeiter suchen Milch. Beim Produzentenpreis liegen bis zu 5 Rp./kg mehr drin. Dafür müsste die Branche funktionieren.» Ein grosses Problem ist offenbar, dass die beiden grossen Molkereien Cremo und Hochdorf das ganze Preisniveau nach unten ziehen, auch weil sie Exportkontrakte auf tiefer Preisbasis abgeschlossen haben. Cremo verdient seit Jahren kein Geld oder macht Verlust, Hochdorf steht nach einem Abschreiber in Litauen und Schwierigkeiten beim Export nach China unter grossem Druck der Börse.

Ritter ist verärgert

Der Eindruck entsteht, dass einmal mehr die Bauern für unternehmerische Fehlentscheide von Verarbeitern aufkommen müssen. Mit dieser Preispolitik drehen sich die Molkereien den Milchhahn längerfristig selbst zu, wenn jetzt immer mehr grössere Lieferanten den Betrieb umstellen.

Bauernverbandspräsident Markus Ritter ist aufgebracht. An einem Anlass der IG Anbindestall sagte er am vergangenen Freitag: «Es ist nicht korrekt, dass einige Verarbeiter und Detailhändler sehr hohe Gewinne ausweisen, während die Milchbauern kaum wissen, wie sie die Rechnungen bezahlen sollen.» Ritter ist bereit, via Politik in den Milchmarkt einzugreifen. Zuversichtlich stimmt ihn der Wechsel von Johann Schneider-Ammann zu Guy Parmelin und der baldige Abgang von Bernard Lehmann an der Spitze des Bundesamts für Landwirtschaft. 

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