1.09.2015 15:43
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Deutschland
3000 Milchbauern demonstrieren in München
Milchbauern aus sämtlichen Regionen Deutschlands haben in den vergangenen Tagen den Aufruf des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter befolgt und das Land durchquert. Die Bauern wollten so auf die desolate Lage der Milchbauern aufmerksam machen. Sie fordern die Regierung auf, im Sinne der Produzenten aktiv zu werden. Am Dienstag demonstrierten sie in München.

In der bayerischen Hauptstadt München endete die achttätige Staffelfahrt von über 3000 Milchbauern und über 500 Traktoren aus ganz Deutschland. Mit der Kundgebung am Dienstag auf dem Odeonsplatz setzten sie einen Schlusspunkt unter ihr Unterfangen.

4 Milliarden Wertschöpfungsverlust

Seit dem 24. August waren die Staffeln unterwegs, um über die katastrophale Situation der Milchviehhalter in den verschiedenen Regionen Deutschlands zu informieren. Mit verschiedenen Aktionen wollten sie aufzeigen, welche den Milchbauern und dem Ländlichen Raum entstehen.

Auf dem Odeonsplatz zeigte eine Schuldenuhr, wie hoch die Wertschöpfungsverluste für die deutschen Milchbauern seit Beginn der Krise bis jetzt ausgefallen sind. Der BDM beziffert diese auf 4 Milliarden Euro (4,3 Mrd. Fr.). Die Kundgebungsteilnehmer bliesen abgelaufenes Milchpulver in die Luft. Dies als Zeichen, dass die Folgen der Überproduktion alleine die Milchbauern ausbaden müssen.

„Milchbauern sollen alles brav erdulden“

Der BDM fordert von der Politik endlich ein Zeichen. „Der deutsche Agrarminister Schmidt lehnt jeden Eingriff in einen vermeintlich freien Markt ab und fordert gleichzeitig von den Milchviehhaltern eine Art Duldungsstarre. Sie sollen alles brav über sich ergehen lassen, was der freie Markt für sie bereithält. Das können wir nicht akzeptieren“, so die deutlichen Worte von BDM-Vorsitzender Romuald Schaber.

Der BDM habe ein Konzept vorgelegt, mit dem die Milchviehhalter, unterstützt durch politische Regelungen, auf europäischer Ebene Verantwortung übernehmen und aktiv Krisen gegensteuern können, heisst es im Communiqué des BDM von Dienstag.  Bei stabilen Verhältnissen wird auf die unternehmerische Freiheit der Milchbauern gesetzt. In einem gesättigten Milchmarkt hingegen sieht das Konzept vor, das Milchangebot zu deckeln respektive zu reduzieren.

Regierung soll handeln

Der BDM fordert von der Regierung, endlich Farbe zu bekennen. „Es muss jetzt dafür Sorge getragen werden, dass mit geeigneten Massnahmen eine Marktumkehr beschleunigt werden kann, damit sich der Markt und damit die Preise schnellstmöglich erholen können“, betont BDM-Vorsitzender Romuald Schaber.

Marktkrisenmanagement-Konzept

Das Marktkrisenmanagement-Konzept kann gemäss BDM in die bestehenden Kriseninstrumente Intervention und Private Lagerhaltung integriert werden. Es wird aber erweitert. Sollte es nicht gelingen, die nachgefragten Mengen einzulagern, sollen die Milchmengen nach einer Frühwarnung zeitlich befristet gedeckelt werden können, um weiteren Preisdruck und Wertschöpfungsverluste für die Milchviehhalter zu vermeiden.

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