14.08.2016 07:56
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Zucker
Zuckersteuer hilft nicht gegen Fettleibigkeit
Kritiker der geplanten Zuckersteuer für Limonaden und Brausen im Vereinigten Königreich haben neue Nahrung erhalten. Das renommierte Beratungs- und Prognoseinstitut Oxford Economics hat kürzlich eine Studie veröffentlicht, nach der die Einführung solch einer Steuer die Fettleibigkeit bei Kindern kaum verringert, dafür aber Arbeitsplätze gefährdet.

Im März dieses Jahres hatte die Londoner Regierung beschlossen, ab April 2018 eine gestaffelte Abgabe bei Herstellern und Importeuren von Softdrinks zu erheben, wenn deren Produkte mehr als 5 g beziehungsweise 8 g Zucker je 100 ml enthalten. Vorgesehen ist eine Abgabe von 0,18 £/l (22 Rappen) bei Überschreitung des ersten Grenzwertes und 0,24 £/l (30 Rappen) bei Übertreffen des zweiten.

Ausnahmen soll es nur für kleine Unternehmen geben; Fruchtsäfte und Milchgetränke sind nicht betroffen. Die Regierung hofft, durch die Maßnahme den Verbrauch der kalorienhaltigen Getränke bei Jugendlichen zu senken und will die voraussichtlichen Einnahmen von jährlich mehr als 500 Mio £ (630 Mio. Franken) in den Kampf gegen Übergewicht stecken, beispielsweise über die Förderung des Schulsports. Die Analysten aus Oxford kommen in ihrer Studie jedoch zum Ergebnis, dass sich nach Einführung der Steuer die durchschnittliche Kalorienaufnahme je Tag nur um 5 Kalorien verringern wird. Das sei so viel wie ein Biss in einen Apfel oder ein Löffel Suppe.

Spürbarere Folgen sind der Untersuchung zufolge dagegen durch rückläufige Geschäfte in der betroffenen Wirtschaft zu erwarten. In der Gastronomie, dem Handel, bei Lieferanten und den Herstellern seien durch die Abgabe mehr als 4 000 Arbeitsplätze gefährdet. Der Beitrag zur Wirtschaftsleistung könne um 132 Mio £ sinken, heißt es in der Studie. Der Vorsitzende des Verbandes der Hersteller von Softdrinks, Gavin Partington, fühlt sich in seiner Kritik an der Zuckersteuer bestätigt. Diese sei, zumal sie nur für Limonaden und Brausen gelten solle, nicht in der Lage, das Problem der Fettleibigkeit zu lösen. Dafür drohe sie, in unsicheren Zeiten nach dem Breit-Votum kostbare Arbeitsplätze zu vernichten. Partington wies darauf hin, dass weltweit noch keine Steuer die Fettleibigkeit nachweislich verringert habe. Die Hersteller hätten jedoch durch Senkung des Zuckergehaltes seit 2012 die Kalorienzufuhr durch Softdrinks bei Verbrauchen um 16 % verringert.

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