11.08.2020 17:14
Quelle: schweizerbauer.ch - mgt/mge
Ernährung
Zu viel Zucker für Kinder
Der 11. August ist "Kinder-Überzuckerungstag": An diesem Tag haben Kinder und Jugendliche bereits so viel Zucker konsumiert, wie für ein ganzes Jahr empfohlen wird. Das ergibt eine Berechnung der Verbraucherorganisation foodwatch. Angesichts hoher Zahlen von übergewichtigen und fettleibigen Kindern in Deutschland fordert foodwatch die Ernährungsministerin Julia Klöckner auf, sich für Werbebeschränkungen auf allen Marketingkanälen einzusetzen.

"Süsswaren, Süssgetränke und Snacks bescheren der Lebensmittelindustrie besonders grosse Profite, daher fixt sie Kinder und Jugendliche auf allen Kanälen gezielt auf diese Produkte an. Dies fördert Übergewicht, Adipositas und ernährungsbedingte Krankheiten bei hunderttausenden Kindern und offenbart zugleich das Versagen der Politik, die Schwächsten der Gesellschaft vor den hinterhältigen Strategien der Konzerne zu schützen", erklärte Luise Molling von foodwatch

63% mehr als empfohlen

Kinder und Jugendliche in Deutschland essen deutlich mehr Zucker als von Fachorganisationen wie etwa der Weltgesundheitsorganisation empfohlen wird. Die Organisationen empfehlen, dass Minderjährige maximal 10 Prozent der täglich aufgenommen Kalorien durch sogenannte freie Zucker aufnehmen. Tatsächlich aber nehmen Kinder und Jugendliche im Alter von 3 bis 18 Jahren in Deutschland 16,3 Prozent ihrer Tagesenergie aus freien Zuckern auf – also 63 Prozent mehr als empfohlen. Umgerechnet erreichen die jungen Menschen damit schon am 224. Tag im Jahr, dem 11. August, ihr Zucker-Limit für ein ganzes Jahr.

Werbebeschränkungen gefordert

Als freie Zucker werden alle Zuckerarten bezeichnet, die zum Beispiel Lebensmittelhersteller ihren Produkten zusetzen, sowie der in Honig, Sirup, Fruchtsaftkonzentraten und Fruchtsäften natürlich enthaltene Zucker. Natürlicherweise in Früchten oder Milchprodukten vorkommender Zucker fällt nicht darunter. Die Grünen hatten vergangene Woche nach einem entsprechenden Vorstoss Großbritanniens eine Beschränkung der an Kinder gerichteten Fernsehwerbung in Deutschland gefordert.

Das WHO-Regionalbüro für Europa hatte Anfang 2015 konkrete Vorgaben definiert, wonach nur noch ernährungsphysiologisch ausgewogene Produkte an Kinder vermarktet werden sollten. Dabei spielen unter anderem die Anteile von Fett, Zucker und Salz, aber auch der Kaloriengehalt oder zugefügte Süssstoffe eine Rolle.

Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben

Seit Jahren fordern Deutsche  Fachgesellschaften und Ärzteverbände wirksame Massnahmen gegen Fehlernährung. Neben Werbebeschränkungen fordern sie eine EU-weit verpflichtende Nährwert-Kennzeichnung in Ampelfarben, verbindliche Standards für die Schul- und Kitaverpflegung sowie steuerliche Anreize für die Lebensmittelindustrie, gesündere Rezepturen zu entwickeln – etwa durch eine Sonderabgabe auf Süssgetränke.

 

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