22.01.2018 08:02
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
USA
Zinsoffensive wegen US-Job-Boom
Händeringend sucht die amerikanische Personalmanagerin neue Arbeitskräfte - doch sie findet keine: «Das bringt mich nachts um den Schlaf», klagt Robyn Safron vom Hydraulikventil-Hersteller HydraForce in Lincolnshire/Illinois. Sie steht mit ihren Problemen nicht allein.

Obwohl in ihrem Bundesstaat die Erwerbslosenquote mit 4,9 Prozent deutlich über dem US-Durchschnitt von 4,1 liegt, ist geeignetes Personal allerorten knapp. Denn es herrscht faktisch Vollbeschäftigung in den USA.

Weitere Zinserhöhungen


Die Engpässe am Arbeitsmarkt lassen auch die Notenbank in Washington nicht kalt, denn sie könnten eine Lohnspirale in Gang setzen und so die Preise in unerwünschte Höhen katapultieren: Mittlerweile mehren sich die Stimmen in der Federal Reserve, die angesichts der auf ein 17-Jahrestief gesunkenen Arbeitslosenquote einer aggressiveren Gangart bei Zinserhöhungen das Wort reden.

Derzeit liegt der geldpolitische Schlüsselsatz in einer Spanne von 1,25 bis 1,5 Prozent. Die Märkte haben sich auf drei Schritte nach oben in diesem Jahr eingestellt. Doch es könnten auch vier werden, wenn der Jobmarkt zu überhitzen droht.

Steuerreform verleiht Schub

Die Notenbankerin Loretta Mester plädiert bereits für jeweils drei bis vier Zinserhöhungen in diesem und im kommenden Jahr. Sollte sich die Wirtschaft so entwickeln, wie sie erwarte, sei dies angemessen, so die Chefin des Fed-Ablegers von Cleveland. Mit ins Kalkül nehmen dürften Währungshüter wie sie, dass die von Präsident Donald Trump angestossene Steuerreform der bereits auf Hochtouren laufenden Konjunktur noch mehr Schub verleihen dürfte. 

Wenn die Wirtschaft einen Gang höher schaltet und der Arbeitsmarkt praktisch leer gefegt ist, droht eine für die Konjunktur brisante Mischung. Ausländische Arbeitskräfte anzuheuern und damit etwas Druck aus dem Kessel zu nehmen, wird den Firmen jedoch erschwert: Im Einklang mit der von Trump betriebenen «America first»-Politik versucht die Regierung, die Einwanderung einzuschränken und Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung auszuweisen.

«Hase und Igel»

Ein Horrorszenario für die US-Zentralbank wäre es, wenn durch eine schnell drehende Lohnspirale der bislang relativ schwache Preisauftrieb rasch über das Ziel der Fed von zwei Prozent hinausschiessen würde. «Ich möchte nicht in eine Lage geraten, in der die Fliehkräfte der Inflation immer stärker werden und sich die Fed gezwungen sieht, darauf viel schneller reagieren zu müssen», warnte Mesters Notenbank-Kollege Robert Kaplan aus Dallas. Um nicht in ein «Hase-und-Igel-Spiel» mit der Inflation zu geraten, sei die Devise: «Zinserhöhungen eher früher als später.»

Bislang konnte die Fed die Teuerung gut in Schach halten - zu gut sogar, da das jahrelange Verfehlen des Inflationsziels von zwei Prozent in Boom-Zeiten den Währungshütern ebenfalls Anlass zur Sorge bot. Denn ihre erklärte Absicht ist es, dass der Aufschwung im Portemonnaie der Bürger ankommt und so den konjunkturellen Aufwärtstrend verfestigt. 

Das Lohnplus blieb bislang jedoch hinter den Erwartungen zurück: «Das scheint jetzt bald ins Gegenteil umzuschlagen, so dass 2018 zu dem Jahr werden könnte, in dem die Inflation angeheizt wird», prognostizieren die Ökonomen Jim Reid und Craig Nicol von der Deutschen Bank. Sie erwarten, dass höhere Einfuhrpreise, ein stärkerer Industriesektor und ein kräftiges Wachstum den Nährboden dafür bereiten werden.

America first-Strategie

Trumps Reform, die Steuererleichterungen im Volumen von 1,5 Billionen Dollar vorsieht, dürfte ihr Übriges tun, um das Wachstum anzuheizen. Der Republikaner hatte bereits im Wahlkampf versprochen, der «grösste Job produzierende Präsident seines Landes zu werden, »den Gott je geschaffen hat« - auch wenn der Arbeitsmarkt schon unter seinem Vorgänger Barack Obama brummte.

Trump steht nun bei seinen Wählern im Wort, die im November bei den Kongresswahlen erneut zur Urne gerufen werden. Die Anreize seiner »America first«-Strategie wirken bereits: Der iPhone-Gigant Apple will im Rahmen eines grossen Investitionsprogramms 20'000 Arbeitsplätze in der Heimat schaffen. Bei HydraForce in Illinois würde Personalmanagerin Safron liebend gern auch ihren Teil zum US-Jobwunder beitragen und noch dieses Jahr 125 neue Mitarbeiter einstellen: Wegen der bislang schwachen Resonanz will sie Bewerber nun mit höheren Löhnen ködern. 

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