5.04.2016 06:42
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Wegen Milchkrise: Agrarminister in der Kritik
Das Einkommen der Milchviehbetriebe soll gemäss einer Studie des Thünen-Institus bis 2025 im Schnitt um 35 Prozent gegenüber dem Basisjahrzeitraum steigen. Auch die deutsche Regierung schätzt die mittel- und langfristigen Aussichten am Milchmarkt günstig ein. Kritik kommt von den Grünen. Die Regierung müsse jetzt handeln.

Diese Aussichten seien nahezu unverändert und beinhalteten moderat steigende Produzentenpreise, so der Parlamentarische Staatssekretär vom deutschen Agrarministerium, Peter Bleser, in seiner Antwort auf eine Schriftliche Frage des Agrarsprechers der grünen Bundestagsfraktion, Friedrich Ostendorff. Der warf dem Ministerium und dessen Chef Christian Schmidt daraufhin „Wirklichkeitsferne“ und Untätigkeit angesichts der aktuellen Krise auf dem Milchmarkt vor.

Politik mit Realitätssinn notwendig

„Wer sich in der aktuellen Situation allen Ernstes erdreistet, auf 2025 zu verweisen, dem fehlt jeglicher Kontakt zur Realität und den Betrieben“, so Ostendorff in seiner Reaktion auf die Regierungsantwort. Er warf dem Agrarminister vor, er weigere sich, die Ursachen der Krise anzuerkennen und verschiebe das Handeln auf den „Sankt-Nimmerleins- Tag“.

Statt mit seinen europäischen Amtskollegen an einem Strang zu ziehen und deren Massnahmen zur Mengenreduzierung effektiv zu unterstützen, blockiere Schmidt ein gemeinsames Vorgehen in Brüssel, kritisierte der Grünen-Politiker. Er rief den Minister auf, endlich seine „rosa Brille“ abzusetzen und „Politik mit Realitätssinn“ zu betreiben. Der Verweis auf gute Märkte in der fernen Zukunft helfe den Milchbauern nicht aus der Krise. Ostendorff: „Jeden Tag, den wir nicht handeln, geht ein weiterer Teil der bäuerlichen Milcherzeugung unwiederbringlich verloren.“ Man könne es sich „einfach nicht erlauben“, dass pro Jahr 4 % der Milchviehbetriebe ausstiegen.

Kurzfristig keine Erholung

Demgegenüber stellt Bleser in seiner Antwort an Ostendorff fest, dass die Zahl der Milchviehhalter seit langem rückläufig sei. Im Mittel der letzten Jahre habe die Abnahmerate bei jährlich rund 4 % gelegen. In der ersten Hälfte der 2000er Jahre seien es rund 5% im Jahr gewesen. Zur Erklärung für die derzeitige Preismisere verweist der Staatssekretär auf die Erhöhung der EU-Milchproduktion im vergangenen Jahr.

Zudem sei die Produktion in den USA und in Australien saisonal gestiegen. Hinzu gekommen sei eine deutlich verhaltenere internationale Nachfrage nach Milchprodukten. Als Ursachen dafür nennt Bleser die schwächelnde Nachfrage Chinas, das russische Importembargo für Lebensmittel aus der EU sowie eine zunehmende Kaufkraftschwäche der erdölexportierenden Länder.

In der Folge sei der Produzentenpreis mittlerweile im EU-Durchschnitt auf unter 30 Cent/kg gesunken und stehe nach wie vor unter Druck. Die weitere Entwicklung des Produzentenpreises hänge entscheidend von den Nachfragefaktoren und den Entscheidungen der Marktteilnehmer in der Wertschöpfungskette ab. Kurzfristig erwartet der Staatssekretär keine nachhaltige Erholung am Milchmarkt und begründet dies damit, „dass die Angebotsseite die Nachfrageseite gegenwärtig deutlich übertrifft“.

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