14.12.2016 12:49
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
USA
Vor Entscheid: Alles zum Leitzins
Monatelang wurde jedes Signal der US-Notenbank hinsichtlich einer möglichen Anhebung des Leitzinses aufmerksam registriert. Am Mittwoch wird es nun nach Ansicht der meisten Beobachter so weit sein: Der Leitzins, derzeit auf die Spanne von 0,25 bis 0,50 Prozent festgelegt, dürfte erstmals seit einem Jahr wieder angehoben werden - allerdings wohl nur minimal um 0,25 Prozentpunkte.

Was ist der Leitzins der US-Zentralbank?
Der Leitzins ist der Satz, zu dem sich US-Banken untereinander Geld leihen, um ihre Reserven bei der Zentralbank auf der gesetzlich vorgeschriebenen Höhe zu halten und den sogenannten Mindestreservesatz einzuhalten. Dabei verleihen Banken, die gerade einen Reserveüberschuss bei der Fed haben, Geld an Banken, die für die Kreditvergabe auf ihre Reserven bei der Fed zurückgreifen mussten. Dabei wird häufig von Übernachtkrediten gesprochen.

Warum wird der Leitzins geändert?
Leitzinsänderungen wirken sich auf die Wirtschaft aus, sie beeinflussen die Zinssätze für kurzfristige und langfristige Anleihen, den Wechselkurs des Dollar und eine Menge anderer Faktoren, darunter die Beschäftigung und Konsumentenpreise. Für die Zentralbank ist der Leitzins ein Instrument, um die Entwicklung von Konjunktur und Preisen in einer Volkswirtschaft zu beeinflussen. Liegt die Wirtschaft am Boden, können die Zentralbanker über niedrige Zinssätze und damit billiges Geld das Wachstum anschieben. Wenn die Konjunktur heiss läuft, können sie einer drohenden Inflation mit höheren Zinssätzen entgegenwirken.

Warum ist der Leitzins derzeit so niedrig?
Als die US-Wirtschaft 2007 ins Stocken geriet, senkte die Fed den Leitzins drastisch in zehn Schritten: Von 4,75 Prozent im September 2007 auf ein Rekordtief zwischen null und 0,25 Prozent im Dezember 2008. Damit wollte die US-Notenbank eine komplette finanzielle Implosion verhindern. Erst im Dezember 2015 gab es wieder eine Anhebung. Mittlerweile mehren sich die Anzeichen für eine Erholung der US-Wirtschaft. Die Arbeitslosenquote sank im November um 0,3 Punkte auf 4,6 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit neun Jahren. Die Inflation lag zuletzt bei 1,6 Prozent und näherte sich damit dem Niveau von 2,0 Prozent an, das die Fed für wünschenswert hält.

Welche Vor- und Nachteile hat ein Leitzins nahe Null?
Der niedrige Zinssatz hat die Kreditvergabe erleichtert. Das billige Geld ermutigte zum Haus- und Autokauf und half damit dem Wohnungsbau und der Automobilindustrie. Auf der anderen Seite treffen die niedrigen Zinsen jedoch die Ersparnisse und Vermögenswerte der Konsumenten die kaum noch Rendite bekommen. Gleichzeitig können sie die Voraussetzung für eine neue Inflation schaffen.

Welche Folgen wird eine Zinserhöhung haben?
Die Auswirkungen dürften sich insbesondere in den USA in Grenzen halten. An den Finanzmärkten wird die Anhebung seit Längerem erwartet und ist daher bereits weitgehend eingepreist. Auch die Investitionen etwa in Immobilien werden nach Ansicht von Analysten nicht spürbar gebremst, da die Erhöhung nur gering ausfallen dürfte. Für Konsumenten, die bereits einen Immobilienkredit aufgenommen haben, ändert sich in vielen Fällen ebenfalls nichts, da in den USA inzwischen - anders als früher - eine längerfristige Zinsbindung üblich ist.

Manche Analysten sehen durch die Zinserhöhung allerdings Probleme auf Schwellenländer zukommen. Schon in den vergangenen Wochen floss viel Kapital aus solchen Staaten ab, da Investoren nun Anlagen in Dollar wieder attraktiver erscheinen. Dieser Trend könnte sich verstärken. Der erwartete Wertgewinn der US-Währung dürfte zudem die Länder belasten, die Staatsschulden in Dollar haben. Allerdings gibt es auch Analysten, die für die Schwellenländer keine grösseren Auswirkungen vorhersagen.

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