17.10.2016 06:41
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Grossbritannien
Verstärkter Strukturwandel erwartet
Die Landwirte in Großbritannien sind verhalten zuversichtlich, vom Austritt ihres Landes aus der Europäischen Union profitieren zu können. Das zeigen nach Angaben der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) die Ergebnisse ihres Trendmonitors Europe vom Herbst 2016, der kürzlich vorgelegt wurde.

Wie die DLG dazu am vergangenen Donnerstag berichtete, beurteilen die britischen Bauern im derzeitigen Umfeld aus Unsicherheit über die weitere Wirtschaftsentwicklung und der Hoffnung auf Wettbewerbsvorteile die Wirkungen eines Brexit auf den eigenen Betrieb allerdings sehr unterschiedlich.

Ungewissheit

Insgesamt 20% der im Rahmen des Trendmonitors befragten 350 Landwirte erwarteten positive Auswirkungen, während 22% von negativen Auswirkungen ausgingen. Bezüglich des künftigen Zuganges der britischen Landwirte zum EU-Markt seien 16% der Meinung, diesen zu verlieren. Auf dem Kontinent besteht der Landwirtschafts-Gesellschaft zufolge aber auch Skepsis. So erwarteten beispielsweise 23% der in Deutschland befragten Landwirte, dass die Exporte der EU-Länder nach Grossbritannien erschwert werden dürften.

Die DLG hob hervor, dass der Brexit auch für die Landwirte in Grossbritannien derzeit vor allem Ungewissheit bedeute. Die Wirkungen auf den Agrarhandel hingen von den Verhandlungen zwischen Brüssel und London ab, und dabei sei zu bedenken, dass derzeit rund 40% der in Grossbritannien konsumierten Lebensmittel importiert würden, zu einem grossen Teil aus der EU.

Verstärkter Strukturwandel zu erwarten

Offen ist laut Darstellung der DLG auch die Zukunft der Direktzahlungen an die Landwirte in Grossbritannien. Zu erwarten seien sinkende Zahlungen und die Konzentration staatlicher Mittel auf Agrarregionen mit Standortnachteilen, deren Landschaftsbild - etwa aus Gründen des Tourismus - erhalten werden solle. Betriebe in benachteiligten Regionen hofften demnach auf stabile Beihilfen, während sich andere Betriebe auf weniger Direktzahlungen einstellen müssten, so die DLG.

Weniger staatliche Zahlungen bedeute aber auch einen verstärkten Strukturwandel, denn grössere Betriebe, die zu geringeren Kosten produzierten, könnten Kürzungen bei den Direktzahlungen eher kompensieren als kleinere und mittlere Betriebe. Letztere müssten einzelbetrieblich wachsen oder durch Kooperationen die Kosten für Maschinen und die Arbeitserledigung reduzieren, um im Markt zu bleiben.

Mehr Entscheidungsfreiheit erwartet

Wie die Landwirtschafts-Gesellschaft ausserdem mitteilte, verbinden die Landwirte in Grossbritannien jedoch nicht nur Nachteile mit dem Brexit. Vielmehr erwarteten die Betriebsleiter weniger Vorgaben aus der Politik und mehr Entscheidungsfreiheit. Der Wertverlust des Pfundes gegenüber dem Euro habe dazu geführt, dass Agrarexporte aus Grossbritannien deutlich wettbewerbsfähiger seien als vor dem Brexit-Votum. Und auch gegenüber Importen hätten die Erzeugnisse aus Grossbritannien wechselkursbedingt an Konkurrenzkraft gewonnen.

Dies führe bei den Landwirten zu der Hoffnung, künftig Marktanteile im Inland zurückzugewinnen, stellt die DLG fest. So liege beispielsweise der Selbstversorgungsgrad bei Schweinefleisch bei etwa 60%, und die neuen Rahmenbedingungen nährten die Hoffnung der Schweinehalter auf besser laufende Geschäfte. Zusätzlich sorge die Senkung des Leitzinses durch die Bank von England auch im Agrarbereich für günstigere Finanzierungsbedingungen für Investitionen.

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