14.12.2015 06:38
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
USA
USA: Zinswende steht bevor
Seit Monaten brodelt die Gerüchteküche: Kommt sie oder kommt sie nicht, die Zinswende in den USA. Im Dezember scheint Notenbankchefin Janet Yellen ernstzumachen: Die Leitzinsen könnten erstmals nach fast zehn Jahren wieder leicht nach oben gehen.

Finanzexperten haben aufgehört zu fragen, ob die US-Notenbank Federal Reserve an diesem Mittwoch, 16. Dezember, die Leitzinsen erstmals seit fast zehn Jahren erhöhen wird.

Tempo entscheidend

Der Start für eine Zinswende von weltweiter Bedeutung gilt nach monatelangem Hin und Her praktisch als ausgemachte Sache. Die Frage lautet nun, in welchem Tempo sich die Fed in Richtung Normalisierung des Zinsniveaus bewegt. Davon wird in entscheidendem Masse abhängen, ob die Zinswende zu einem gesunden weltweiten Wachstum beiträgt - oder aber Schockwellen durch die Finanzmärkte schickt, vor allem in die fragilen Volkswirtschaften von Schwellenländern wie Brasilien oder Indonesien.

Das Tempo ist entscheidend, das machen Fehler der Vergangenheit überdeutlich. Als in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends die Geldmenge anschwoll, die Hauspreise in den USA explodierten und sich eine riesige Immobilienblase bildete, drückte die Fed zu vorsichtig auf die Bremse.

Aus Fehler lernen

Die Blase platzte, die Finanzkrise war geboren und stellte das Finanzsystem der Welt infrage. «Es bleibt zu hoffen, dass die US-Notenbank den Fehler von damals in diesem Zyklus nicht wiederholt», heisst es deshalb in einer Analyse der Helaba.

Auch danach war die Fed wieder zu langsam. Statt schnell mit mutigen Zinsschritten und Anleihenkäufen für mehr Geldfluss in den Märkten zu sorgen, schichtete die Notenbank ein ganzes Jahr lang Liquidität zu schwerstkranken Patienten im Finanzsystem um. «Hätte man früher mit Anleihekäufen reagiert und sich darauf konzentriert, allgemein mehr Geld zur Verfügung zu stellen, hätte die anschliessende Rezession deutlich weniger schlimm ausfallen können», sagt Daniel Thornton, früher Vizechef der Zentralbank von St. Louis.

Höchste Eisenbahn

Im Jahr 2015 fürchten erneut einige, dass es für den seit Monaten vorhergesagten Zinsschritt höchste Eisenbahn sein könnte. «Inzwischen fühlt sich die Fed immer unwohler mit dem Gedanken, dass sie möglicherweise zu spät die Zügel anzieht», sagt die Chefökonomin der französischen Grossbank Société Générale, Michala Marcussen.

Sie erwartet, dass es am Mittwoch zunächst um 0,25 Prozentpunkte nach oben gehen wird. Dann könnte die Fed in Zwei-Monatsschritten die Zinsschraube anziehen, bis ein Niveau von 2,75 Prozent erreicht ist. «Dann hat der US-Konjunkturzyklus seine Reife erreicht», sagte Marcussen der Deutschen Presse-Agentur.

Gibt auch Gefahren

Andererseits darf die US-Notenbank auch nicht überhastet reagieren. Der US-Arbeitsmarkt sendete zuletzt stabile, aber auch keine euphorischen Signale. Die Inflation - und damit die Löhne und Gehälter - zieht nur mühsam an, hat noch nicht die eigentliche Zielmarke von zwei Prozent erreicht.

Yellen zeigte sich kürzlich vor dem Wirtschaftsausschuss des US-Kongresses zuversichtlich, dass die Inflation «dahin zurückkehren» werde. Der niedrige Ölpreis und daran orientierte Rohstoffpreise etwa für Lebensmittel machen die Kalkulation schwerer.

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