17.12.2015 07:47
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
USA
USA: Zinswende ist Tatsache
Die US-Notenbank Fed hat mit ihrer ersten Leitzinserhöhung seit vielen Jahren das Kapitel «Finanzkrise» zugeschlagen. Risiken bleiben allerdings. Deshalb versprechen die US-Notenbanker, weiterhin vorsichtig zu sein.

Die Fed hat nach der ersten Leitzinsanhebung seit der Krise weitere «graduelle» Zinserhöhungen in Aussicht gestellt. Die Zinsen sollten schrittweise steigen, sagte Fed-Präsidentin Janet Yellen am Mittwoch an einer Pressekonferenz in Washington. Ein einfaches Kriterium, an dem weitere Schritte festgemacht werden könnten, gebe es aber nicht. Der erste, nun gemachte Schritt sollte nicht überbewertet werden, sagte Yellen. Es handele sich um eine kleine Zinserhöhung.

Weitere Zinsschritte erfolgen behutsam

Die weiteren Zinsschritte würden behutsam erfolgen, hiess es in der Erklärung des Offenmarktausschusses. «Der Leitzins wird wahrscheinlich für einige Zeit unter dem Niveau bleiben, das langfristig vorherrschen wird.» Bis Ende 2016 erwartet die Zentralbank einen Anstieg der Zinsen auf 1,4 Prozent.

Vor der Pressekonferenz hatte die Notenbank bekanntgegeben, dass sie nach sieben Jahren extrem billigen Geldes erstmals wieder ihre Leitzinsen erhöht. Die kurzfristigen Zinsen steigen um zunächst 0,25 Prozentpunkte auf ein Niveau zwischen 0,25 und 0,5 Prozent. Die Entscheidung war weltweit weitgehend in dieser Form vorhergesehen worden

Billionen in Kreislauf gepumpt

Fed-Chefin Janet Yellen sagte, die Entscheidung beende die «aussergewöhnliche» Zeit der Nullzinsen nach der Wirtschafts- und Finanzkrise. Angesichts der Krise hatte die Federal Reserve den US-Leitzins Ende 2008 auf das Rekordtief von null bis 0,25 Prozent gesenkt.

Daneben kaufte die Fed in mehreren Runden Staats- und Hypothekenanleihen auf und pumpte so mehr als drei Billionen Dollar  in den Wirtschaftskreislauf. Die Anleihenkäufe hatte die Zentralbank bereits im Herbst vergangenen Jahres auslaufen lassen, seitdem warteten die Märkte gespannt auf den nächsten Schritt zur Normalisierung der Geldpolitik.

Höhere Zinsen nützen Schweiz nur bedingt


Durch die Zinserhöhung in den USA um 0,25 Prozentpunkte werden Anlagen in Dollar attraktiver. Dank der höherer Verzinsung fliessen mehr Gelder in den Dollarraum statt in die Schweiz und der Franken schwächt sich gegenüber dem Dollar ab. Da die USA der zweitwichtigste Handelspartner der Schweiz ist, nützt eine Abschwächung des Frankens gegenüber dem Dollar auch den hiesigen Exporteuren. Im Jahr 2014 gingen rund 12,5 Prozent aller Schweizer Exporte in die USA und rund 55 Prozent in die 28 Länder der EU.

Relevanter für die Schweizer Wirtschaft als das Verhältnis des Frankens zum Dollar ist denn auch jenes des Frankens zum Euro. Dieses Wechselverhältnis hat sich mit der weiterhin expansiven Geldpolitik, die die europäische Zentralbank (EZB) vor zwei Wochen kommunizierte, kaum verändert. Da eine Zinserhöhung in Europa in weiter Ferne bleibt, ist auch eine Abkehr der Schweizerischen Nationalbank (SNB) von den Negativzinsen vorerst kein Thema. Die Negativzinsen belasten insbesondere die Pensionskassen und damit die zukünftigen Renten der zweiten Säule.

Arbeitsmarkt erheblich verbessert

Der Offenmarktausschuss begründete den Zinsschritt nun damit, dass sich die Lage auf dem US-Arbeitsmarkt in diesem Jahr «erheblich» verbessert habe. Die US-Arbeitslosenquote ist von über zehn Prozent inmitten der Finanzkrise auf zuletzt fünf Prozent gesunken, im November kamen über 200'000 neue Stellen hinzu.

Der Ausschuss sei auch überzeugt, dass sich die Inflation - derzeit durch niedrige Energie- und Lebensmittelpreise gedrückt - wieder der Zielmarke von zwei Prozent annähere, heisst es in dem Statement. Die Entscheidung der zehn Ausschussmitglieder war einstimmig gefallen. Yellen sagte, dass eine «moderate» Zinserhöhung auch angesichts der guten Konjunktur «angemessen» sei. «Die wirtschaftliche Erholung hat eindeutig einen langen Weg zurückgelegt, auch wenn sie noch nicht abgeschlossen ist», fügte die Fed-Chefin hinzu.

Weitreichende Folgen

Der Leitzins ist der Satz, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Zentralbank Geld leihen können. Dies schlägt sich in den Zinsen nieder, die Unternehmen und Konsumenten für ihre Kredite zahlen müssen. Für die Zentralbank ist der Leitzins ein Instrument, um die Entwicklung von Konjunktur und Preisen in einer Volkswirtschaft zu beeinflussen.

Liegt die Wirtschaft am Boden, können die Zentralbanker über billiges Geld das Wachstum anschieben. Wenn die Konjunktur heiss läuft, können sie einer drohenden Inflation mit höheren Zinssätzen entgegenwirken.

Die Zinspolitik der USA hat weitreichende Bedeutung. Sie beeinflusst unter anderem den Kurs des Dollars. In der US-Währung werden viele internationale Geschäfte abgewickelt. Zahlreiche Rohstoffpreise werden in Dollar errechnet, Finanzanlagen in Dollar gehalten. Ein zu heftiges Drehen an der Zinsschraube könnte Schockwellen etwa in die oft hoch in Dollar verschuldeten Schwellenländer senden.
Die Märkte reagierten unmittelbar nach der Entscheidung in Washington wenig aufgeregt.

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