12.12.2016 13:01
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
USA
US-Notenbank vor Leitzinserhöhung
Fed-Direktorin Janet Yellen hat sich bisher vom Wahlsieg Donald Trumps offenbar nicht beirren lassen - und auch beim am Mittwoch anstehenden Zinsentscheid der US-Notenbank Fed wird sie sich wohl kaum vom Gepolter des künftigen Präsidenten beeindrucken lassen.

Trump hatte ihr im Wahlkampf vorgeworfen, den Leitzins deshalb extrem niedrig zu halten, weil Präsident Barack Obamas Wirtschaftsbilanz durch hohe Börsenkurse aufgehübscht werden solle.

Zinserhöhung zu erwarten

Allgemein erwartet wird zwar, dass die Fed am Mittwoch ihre erste Leitzinserhöhung seit einem Jahr bekanntgibt. Doch Yellen und ihre Kollegen fassen diesen Schritt schon seit längerem im Auge. Sie hatten ihn nach eigenen Angaben zuletzt nur deshalb hinausgezögert, weil sie weitere Indikatoren für ein solides Wachstum der US-Wirtschaft abwarten wollten.

Die Zinserhöhung dürfte auch überaus vorsichtig ausfallen. Analysten erwarten eine Anhebung um 0,25 Punkte auf 0,5 bis 0,75 Prozent. Zuletzt hatte die Federal Reserve im Dezember 2015 den Zins erhöht, auch damals um 0,25 Punkte. Sie beendete damit die Ära der Nullzinsen, die sie als Reaktion auf die Finanzkrise Ende 2008 eingeleitet hatte.

Positive Wirtschaftsdaten

Auf weitere Zinserhöhungsschritte im Verlauf dieses Jahres verzichtete die Fed dann, nicht zuletzt wegen globaler Risiken wie der abgestürzten Ölpreise und des britischen EU-Austrittsvotums. Mitte November sagte Yellen jedoch bei einer Kongressanhörung, dass die Zinserhöhung «relativ bald» kommen könnte.

Die jüngsten US-Wirtschaftsdaten könnten den Ausschlag dafür geben, dass nun der Ankündigung auch die Tat folgt. Die Arbeitslosenquote sank im November um 0,3 Punkte auf 4,6 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit neun Jahren. Die Inflation lag zuletzt bei 1,6 Prozent und näherte sich damit dem Niveau von 2,0 Prozent an, das die Fed für wünschenswert hält - sie sieht in dieser Zielmarke den besten Wert für Preisstabilität und eine gesunde Arbeitsmarktsituation. Hinzu kommen die Rekordkurse der Börsen seit Trumps Wahlsieg.

Inflationäre Risiken

Mit Spannung erwartet wird, welche möglichen Signale die Fed nach der Sitzung ihres sogenannten Offenmarktausschusses zu Trumps angekündigter Wirtschaftspolitik aussendet. Yellen hatte jedenfalls bereits kurz nach der Wahl klargestellt, dass sie bis zum Ende ihrer Amtszeit im Januar 2018 weitermachen will.

Die von Trump angekündigten grossflächigen Deregulierungen, massiven Steuersenkungen sowie gigantischen Investitionen bergen inflationäre Risiken. Bislang fasst die Fed für 2017 zwei Zinserhöhungsschritte ins Auge - sollten daraus in ihrem Statement am Mittwoch drei oder vier mögliche Schritte werden, wäre dies ein Signal, dass sie sich für diese Risiken wappnet.

Trumps unterschiedliche Signale

Trumps Kommentare zur Zinspolitik sind im Übrigen vage und teilweise in sich widersprüchlich. Er hat im Wahlkampf einerseits heftig kritisiert, dass der extreme Niedrigzins den Sparern schwer geschadet und eine «grosse, fette, hässliche Blase» geschaffen habe. Andererseits hat er vor hohen Zinsen gewarnt, da so der Dollarkurs steigen und die US-Wettbewerbsfähigkeit geschwächt würde.

An die Adresse Yellens gab es aus Trumps Umfeld zuletzt bemerkenswert versöhnliche Signale. Die Fed-Chefin habe einen «guten Job» gemacht, sagte der designierte Finanzminister Steven Mnuchin im Sender CNBC. Ähnlich äusserte sich der designierte Handelsminister Willbur Ross. Gleichwohl muss sich die Fed-Chefin darauf gefasst machen, dass Trump versuchen wird, sie an die Kandare zu nehmen.

Die Gelegenheit bietet sich ihm gleich nach Amtsantritt im Januar - durch die anstehende Neubesetzung von zwei Gouverneursposten bei der Federal Reserve. Zudem ist nach Trumps Attacken gegen Yellen im Wahlkampf höchst fraglich, ob er sie über die derzeitige Amtszeit hinaus auf ihrem Posten behalten wird.

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