15.12.2016 06:36
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
USA
US-Leitzins erhöht
Die US-Notenbank Fed erhöht nach der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten den Leitzins und will 2017 drei Mal nachlegen. Der Satz zur Versorgung der Banken mit Geld steigt vorerst um einen Viertelpunkt und liegt  zwischen 0,5 und 0,75 Prozent, wie die Fed am Mittwoch mitteilte.

Sie wagt die erste Erhöhung seit einem Jahr wenige Wochen nach der Wahl Trumps, dessen geplantes Konjunkturprogramm der Wirtschaft nach Ansicht vieler Investoren mehr Schub verleihen dürfte.

Ende 2017 bei 1,375 Prozent


Anleger rund um den Globus waren nach entsprechenden Hinweisen von Fed-Chefin Janet Yellen auf die Erhöhung vorbereitet. Die Währungshüter signalisierten in ihren aktuellen Prognosen, dass sie angesichts der guten Konjunkturperspektiven die Zügel 2017 stärker anziehen wollen als bislang gedacht. Ende nächsten Jahres soll der Zins dann bei 1,375 Prozent stehen. Damit wird der geldpolitische Kurs voraussichtlich straffer, da die Fed-Führungsmitglieder im September nur zwei Schritte nach oben für 2017 angepeilt hatten.

Die Wall Street legte als Reaktion auf die Entscheidung zunächst zu: Der Dow-Jones-Index mit den Standardwerten stieg um 0,2 Prozent, während er sich eine Minute vor der Veröffentlichung noch fast unverändert gezeigt hatte. Wenige Minuten später gab er jedoch seine Gewinne wieder ab. Der Euro fiel nach der Fed-Entscheidung auf den tiefsten Stand seit März 2015.

Robuste US-Wirtschaft

Wie aus dem Begleittext zum Zinsentscheid hervorgeht, ist die Wirtschaft aus Sicht der Fed robust genug, um eine Erhöhung zu verkraften. Zuletzt war die Arbeitslosenquote auf 4,6 Prozent gesunken, womit die Notenbank das Ziel Vollbeschäftigung de facto erreicht hat. Auch die Inflation zieht langsam an, weil die höhere Beschäftigung zu höheren Einkommen führt. Ausserdem sind Energie- und Rohstoffpreise wieder leicht im Aufwärtstrend.

«Die Fed liegt mit dem Zinsschritt richtig. Der voll ausgelastete Arbeitsmarkt und die steigende Inflation lassen ihr die Argumente für ein weiteres Stillhalten ausgehen», hiess es in Kommentaren von Ökonomen. «Richtig Zähne» zeige die US-Notenbank aber damit noch nicht. Entscheidend sei, welchen Kurs sie 2017 einschlagen werde.

Keine Voraussagen zu Trump

Die Fed liess nicht durchblicken, ob sie sich für mögliche Inflationsrisiken der Wirtschaftspolitik des gewählten Präsidenten rüstet. Viele Analysten sagen voraus, dass die Notenbank wegen der von Trump angekündigten massiven Steuersenkungen sowie Rieseninvestitionen in die Infrastruktur den Zins rascher anheben werden muss als geplant. Diese Pläne bergen demnach das Risiko, dass die Inflation über die 2,0-Prozent-Zielmarke hinausschiesst.

Yellen sagte dazu lediglich, Veränderungen in der Wirtschaftspolitik könnten die Projektionen noch verändern. Doch sei es es derzeit «viel zu früh», um vorherzusagen, wie sich der Kurs des neuen Präsidenten auswirken werde. Die Notenbank-Chefin war im Wahlkampf hart von Trump angegangen worden. Er hatte ihr vorgeworfen, die Zinsen künstlich niedrig zu halten, um das Platzen einer Börsenblase unter dem demokratischen Präsidenten Barack Obama zu verhindern.

Die Fed hatte beabsichtigt, bereits früher im Jahr 2016 an der Zinsschraube zu drehen, liess dann aber von ihren Plänen ab. Unter anderem sprachen auch weltwirtschaftliche Gründe dagegen. Die US-Zinspolitik hat vor allem in Entwicklungsländern grosse Auswirkungen, weil dort viele Geschäfte in US-Dollar abgewickelt werden und auch Schulden in der US-Währung auflaufen.

Keine Schritte in Europa und der Schweiz

In Europa hatte die Europäische Zentralbank erst vorige Woche ihre ohnehin extrem weit geöffneten Geldschleusen noch einmal ein Stück weiter geöffnet und neue Anleihekäufe im Milliardenvolumen angekündigt. Ein Zinserhöhung in der Eurozone liegt damit noch in weiter Ferne. Eine zu grosse Lücke zwischen europäischem und US-amerikanischem Zinsniveau wäre eine weitere Belastung für die Gemeinschaftswährung Euro.

Auch in der Schweiz wird bei der geldpolitischen Sitzung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) am Donnerstag mit keiner Zinserhöhung gerechnet. Experten nehmen an, dass die Notenbank ihren Negativzins in der bisherigen Höhe beibehält. Die SNB schaut beim Zinsentscheid eher nach Frankfurt und weniger nach Washington. Die Schweizer Währungshüter schliessen den Reigen der geldpolitischen Entscheide der Zentralbanken ab.

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