18.01.2017 15:33
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Wirtschaft
Trump verunsichert Wirtschaft
Für die Weltwirtschaft gibt es nach Ansicht vieler Experten ein neues Stabilitätsrisiko: Der US-Milliardär Donald Trump übernimmt am Freitag nächster Woche das Amt des Präsidenten der weltgrössten Volkswirtschaft. Die Ängste, die zahlreiche Ökonomen, Manager und Politiker mit Trump verbinden, sind gross.

Vor allem fürchten viele den Ausbruch von Handelskriegen. Auch bei Devisen sind unruhige Zeiten vorprogrammiert. Zudem könnten Trumps Steuerpläne den weltweiten Unterbietungs-Wettbewerb bei Firmensteuern anheizen. Die Folgen sind bereits in Mexiko zu beobachten. Im US-Nachbarland hat Trump bereits einen Kurssturz der Währung sowie Turbulenzen in der Wirtschaft ausgelöst.

Meinungen geteilt

Die fette Überschrift über Trumps beginnender Amtszeit lautet Unsicherheit. Ob es nun die Chefs grosser Wirtschaftsverbände sind oder Wirtschaftsprofessoren wie Gustav Horn vom gewerkschaftsnahen Forschungsinstituts IMK, alle sprechen von einer «grossen Verunsicherung».

Dabei könnten Trumps Pläne für Steuersenkungen und massiv mehr Staatsinvestitionen die US- und die globale Wirtschaft anfangs sogar stärker wachsen lassen. Der Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Ferdinand Fichtner, jedenfalls bemerkt mit Blick auf die kommenden zwei Jahre: «Ich sehe Trump eher als ein Aufwärts- denn als Abwärts-Faktor.»

Sein Kollege Horn hält dagegen: «Ich schätze die Gefahren, die von den Unsicherheiten ausgehen, als wesentlich höher ein, als die positiven Effekte, die sich aus den diskutierten Massnahmen ergeben».

USA zuerst

Trump selbst hat, zuletzt bei seiner Pressekonferenz, schon vor Amtsantritt deutlich gemacht, wohin mit ihm beim Thema Handel und internationaler Standortwettbewerb die Reise gehen wird. Zur Ankündigung von Toyota, ein Werk in Mexiko zu bauen, twitterte er die Drohung: «Keineswegs. Baut die Fabrik in den USA oder zahlt hohe Importzölle».

Den deutschen Autobauer BMW ereilte inzwischen eine ähnliche strenge Trump-Mahnung wie Toyota. Auch die US-Konzerne Ford und General Motors erhielten via Twitter die Ansagen, dass sie nicht Werke in Mexiko bauen, sondern Jobs in den USA schaffen sollte. Trumps Worte zeigten Wirkung: Etliche Konzerne reagierten mit Ankündigungen, Tausende von neuen Stellen in den USA schaffen zu wollen.

US-Zinsentwicklung als Schlüsselfaktor

Der Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF) Maurice Obstfeld beschäftigte sich kurz vor Weihnachten mit dem grossen Einfluss der US-Politik auf andere Länder. So habe etwa Zeitpunkt und Ausmass der Kehrtwende in der Zinspolitik der Notenbank Fed mit Trump zu tun - obwohl der noch gar nicht im Amt war.

Und die US-Zinsentwicklung ist ein Schlüsselfaktor für die Kapitalbewegungen in der Welt. Die Aussicht auf höhere US-Zinsen kann vor allem zu Kapitalabflüssen in Schwellenländern führen - Brasilien kann nach entsprechenden Erfahrungen ein Lied davon singen - und dort als Folge massive wirtschaftliche Verwerfungen auslösen.

Inflation 

Als weiteres potentielles Schlachtfeld im internationalen Wettbewerb identifizierte Obstfeld die Steuerpolitik. «Die Republikaner im Kongress haben schon lange für eine Senkung der Einkommens- und Unternehmens-Steuern geworben», schreibt er. Trump habe das aufgenommen und noch um eine staatliche Ausgabenoffensive angereichert.

Trumps Politik wird zudem nach Einschätzung von Ökonomen die Inflation in den USA anheizen, was für die US-Notenbank Fed ein Grund mehr sein könnte, den Abschied von der ultraexpansiven Geldpolitik energischer voranzutreiben. Das, so argumentiert Obstfeld, sollte den Dollarkurs steigen lassen.

Steigender Dollar als Gefahr

In die gleiche Richtung dürften Trumps Pläne wirken, US-Firmen mit Anreizen zu bewegen, im Ausland geparktes Vermögen - die Rede ist von bis zu 2,5 Billionen Dollar - in die USA zurückzuholen. Ein deutlich stärkerer Dollar birgt aber viel Konfliktstoff. Denn eine Aufwertung des Dollars könnte auch den US-Konkurrenten EU und China nützen. Ihre Exportprodukte würden billiger. Die US-Exportwirtschaft dagegen würde leiden, was kaum im Sinne Trumps sein wird.

«Kommt es zu einer scharfen Wechselkurs-Reaktion und wachsenden globalen Ungleichgewichten als Folge des Amtswechsels in den USA, werden protektionistische Massnahmen zu einem immer grösseren Risiko», sagt Obstfeld voraus.

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