27.03.2017 09:16
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Russland
TR: Importzölle verärgern Moskau
Die De-facto-Blockade von russischen Weizenlieferungen beziehungsweise von Exporten an Mais sowie Sonnenblumenöl und -schrot in die Türkei hat zu schweren Verstimmungen der Handelsbeziehungen beider Länder geführt.

Die jüngsten Massnahmen liessen ernste Zweifel daran aufkommen, dass die Türkei an einer beständigen Partnerschaft interessiert sei, erklärte Russlands Landwirtschaftsminister Alexander Tkatschew vergangene Woche in Moskau.

Türkei will "Ausgleich" schaffen

Die Türkei hatte zuvor den Präferenzzoll von Null für verschiedene Agrarprodukte aus Russland aufgehoben, so dass für diese nun eine Abgabe von 130% des Einfuhrpreises fällig wird. Betroffen sind auch russische Bohnen und Reis. Der Schritt wurde von den Behörden in Ankara als Konsequenz auf Einfuhrbeschränkungen Moskaus für wichtige türkische Agrarexporterzeugnisse, so unter anderem Tomaten und Gurken, dargestellt.

Anfang März hatte Russland das Ende 2015 verhängte Einfuhrverbot für einige Warengruppen aus der Türkei aufgehoben. Dies betraf aber nur weniger bedeutende Produkte wie Zwiebeln und Brokkoli. Viele Unternehmen litten deshalb nach wie vor unter schweren finanziellen Einbussen, beklagte der türkische Wirtschaftsminister Zekeriya Mete. Mit der jüngsten Massnahme wolle man einen Ausgleich schaffen. Schliesslich sei die Türkei nach Ägypten der zweitgrösste Importeur von russischem Getreide.

Russland's Ärger über Weissrussland

Tkatschew stellte indes klar, dass der dadurch erzeugte Druck auf den russischen Märkten nicht zu einer Aufhebung der russischen Einfuhrhemmnisse gegenüber der Türkei führen werde. Es werde binnen kurzer Zeit möglich sein, die Warenströme in andere Regionen umzulenken, gab sich der Minister zuversichtlich.

Groll hegt Moskau auch weiterhin gegenüber Weissrussland, und zwar wegen des offensichtlichen illegalen Reexports von Agrarerzeugnissen aus der EU. Laut russischem Zolldienst sind die Lieferungen von Äpfeln und Birnen aus dem Nachbarland zwischen dem dritten und vierten Quartal 2016 um das Fünf- sowie Dreifache gestiegen. Auch bei Gemüse sei ein deutlicher Anstieg verzeichnet worden. Allerdings liessen sich die Warenströme nicht genau zurückverfolgen, da die Produkte „sorgfältig umverpackt und umetikettiert“ würden.

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